Herren

Rekordsieg bei Saad-Comeback

Im Hinspiel gegen Oberneuland musste Elias Saad verletzt raus, konnte seitdem keine Minute spielen. Passend, dass er nun ausgerechnet gegen Oberneuland sein Comeback feierte, vom Trainerteam eine gute halbe Stunde Spielzeit bekam – und mit zwei Treffern gebührend zum Eintrag in die Geschichtsbücher beitrug. Denn das 6:0 beim FC Oberneuland war der bisher höchste Sieg in unserer Regionalliga-Geschichte.

Dabei begann alles wie ein normales Regionalliga-Spiel, nur etwas schwungvoller. Keine 120 Sekunden waren gespielt, als Rechtsaußen Michael Igwe den Ball scharf in die Mitte spielte, wo ein Oberneuländer Abwehrbein Millimeter vor Pelle Hoppe am Ball war. Auf der Gegenseite musste Fabian Grau mit viel Mut und Können Ebrima Jobé den Ball vom Fuß grätschen, ansonsten wäre der Oberneuländer Angreifer durch gewesen (4.). Nach dem folgenden Eckball musste Lars Huxsohl mit einem starken Reflex den Einschlag verhindern (5.), ehe es wieder Pelle Hoppe war, den der FCO erst im letzten Moment vom Ball trennen konnte (8.). Zu diesem Zeitpunkt war gefühlt schon mehr passiert als im gesamten Spiel in der vergangenen Woche gegen Jeddeloh. Danach pendelte sich die Partie so langsam, beide Mannschaften waren etwa auf Augenhöhe. „In der ersten halben Stunde haben wir Oberneuland als die bessere Mannschaft gesehen“, sagte Jens Martens nach der Partie. „Es hat sich überhaupt nicht angedeutet, dass es zu einem so deutlichen Ergebnis kommen könnte.“

Bis zur 30. Minute. Dann war es Kangmin Choi, der nach Zuspiel von Michael Igweg mit einem Aufsetzer von der Strafraumgrenze auf unebenem Boden FCO-Keeoer Horsch zwang, sein ganzes Können aufzubieten. Sekunden später wollte Tom Trebin den mit dem Rücken zum Tor stehenden Jan Lüneburg vom Ball trennen, rutschte weg und legte dabei unseren Angreifer klar. „Wir kriegen einen völlig behämmerten Elfmeter gegen uns, der berechtigt war, aber total unnötig“, bewertete FCO-Coach Daniel Prause die Situation. Der seit Wochen stärkste Norderstedter, Fabian Grau, griff sich die Kugel, verlud Horsch und traf sicher zum 1:0 (31.). Sechs Minuten später fand Philipp Müller in der Oberneuländer Defensive die Lücke, schob den Ball zu Kangmin Choi, der sich im Rücken von Tom Trebin davon stahl und den Ball an Jonas Horsch vorbei zum 2:0 Pausenstand ins Netz legte. Der Treffer sollte ein Vorgeschmack auf das sein, was in der zweiten Hälfte passieren würde. „Oberneuland hat eine gute erste Halbzeit gespielt. Wir haben den Jungs in der Pause gesagt, dass das 2:0 ein gefährliches Ergebnis ist und wir schnell das 3:0 erzielen müssen, weil sich Oberneuland davon nicht mehr erholen wird“, sagte Martens. Er sollte Recht behalten.

Zwar kamen die Gastgeber mit viel Schwung zurück und hätten nach 56 gespielten Minuten zum Anschluss kommen können, als FCO-Keeper Horsch den Ball mit einem Befreiungschlag in die Spitze drosch. Lars Huxsohl kam aus seinem Tor, doch Edison Mazreku war schneller und ging an unserem Torwart vorbei. Yannik Nuxoll und Dane Kummerfeld bedrängten Mazreku noch, so dass er sich den Ball erst zurecht legen musste – beim Abschluss war Huxsohl wieder zur Stelle, musste sich mächtig strecken und parierte (58.). Kurz danach war für Michael Igwe Feierabend, Elias Saad kam nach seiner wochenlangen Verletzungspause zu seinem Comeback.

Und der durfte gleich mal miterleben, wie einfach Fußball sein kann. Juri Marxen bekam den Ball von Lars Huxsohl am eigenen Strafraum zugespielt und ging damit nach vorne. Kurz hinter der Mittellinie passte er zu Philipp Müller, der die Kugel kurz annahm und auf den durchgelaufenen Marxen durchsteckte, der Jason Tomety hinter sich ließ und, nachdem Marlo Siech mit seiner Grätsche nicht an den Ball kam, den Ball nur noch durch die Hosenträger des Torhüters schieben musste (64.). War das wirklich Juri Marxen, der da getroffen hat? Selbst der Stadionsprecher war verwirrt, verkündete zunächst Jonas Behounek als Torschützen, korrigierte sich kurz darauf auf Jan Lüneburg um dann im dritten Versuch Juri Marxen zu verkünden. Wer kann es ihm verdenken? Es war erst Marxens viertes Regionalliga-Tor im 172. Ligaspiel, das letzte Tor liegt fast drei Jahre zurück. Das war übrigens beim 6:1-Sieg gegen den Heider SV – bis heute unser höchster Regionalliga-Sieg.

Doch zurück zum Spiel: Mit dem 3:0 schien der Wille der Gastgeber gebrochen, in der letzten halben Stunde entwickelte sich eine einseitige Partie. Nach 70 gespielten Minuten schlug Kangmin Choi auf Höhe des Strafraums einen langen Ball auf die gegenüberliegende Seite, wo Elias Saad den Ball mit der Brust annahm, an seinem Gegenspieler vorbei legte und sein Comeback mit einem platzierten Flachschuß aus 17 Metern zum 4:0 feiern konnte. Kurze Zeit später brachte unser Trainer-Team den Hattricker vom Dienstag, Benjamin Dreca, für Philipp Müller. Und auch Benni war noch in bester Eidelstedt-Stimmung und knüpfte da an, wo Philipp Müller aufgehört hatte: Die Lücken in der Oberneuländer Defensive suchen, finden und bestrafen. Einmal den Ball durchgesteckt auf Pelle Hoppe, der nur noch den herausstürzenden Torhüter vor sich hatte und den Ball gekonnt über diesen ins Netz hob – das 5:0 (81.).

Wenn alles gegen einen läuft, bleibt immer noch Zeit für eine Nummer fürs Kuriositäten-Kabinett. Der vier Minuten vorher eingewechselte Deniz Kolodziej foulte im Mittelfeld Elias Saad, sah dafür Gelb. So weit, so gut. Doch nur sechs (!) Sekunden (!), nachdem das Spiel mit einem Freistoß fortgesetzt wurde, riss Kolodziej an der Außenlinie erneut Saad um – und sah die Gelb-Rote Karte. Wie sagte schon der große Dichter und Denker Andreas Brehme? „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“.

Auch das bestrafte unsere Mannschaft umgehend: Benni Dreca krönte seine erfolgreiche Woche mit einem weiteren Assist, spitzelte den Ball unter Bedrängung auf Elias Saad, der wiederum sein Comeback mit dem zweiten Treffer des Tages zum 6:0-Endstand krönte (84.). Zumindest das letzte Highlight des Tages gehörte dem Oberneuländer Schlussmann, der noch einen Schuss von Noel Denis reaktionsschnell entschärfen konnte (89.), ehe Schiedsrichter Rose die Partie beendete. „Nach der Anlaufphase haben wir das sehr souverän gemeistert. So ein hoher Sieg ist sicher nicht alltäglich, darüber freuen wir uns sehr.“

Chapeau an unser Trainer-Team, das offenbar die Schwachstellen des Gegners genau analysiert und gefunden hat und natürlich an die Mannschaft zu diesem deutlichen Erfolg. Man darf sich gar nicht ausmalen, wozu diese Mannschaft noch in der Lage wäre, wenn alle Spieler mal durchgehend verletzungsfrei blieben. „Es ist wirklich grandios, so seine Serie zu spielen“, freute sich Martens nach dem mittlerweile neunten Spiel in Folge ohne Niederlage. „Das gibt uns viel Selbstvertrauen.“ Insbesondere im Hinblick auf kommenden Donnerstag, wenn uns das – hoffentlich vorletzte – Highlight der Saison erwartet:. Das Halbfinale im LOTTO-Pokal gegen den FC Teutonia 05, übrigens die letzte Mannschaft, die gegen uns gewonnen hat. „Wir gehen sehr optimistisch in die Partie gegen Teutonia. Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir mit Teutonia mithalten können, haben drei von vier Spielen gewonnen.“

Kommt vorbei und unterstützt unsere Mannschaft – denn die Mannschaft, die Fans und die Stadt haben es sich wirklich verdient, im Sommer im DFB-Pokal im eigenen Stadion vor vollem Haus zu spielen.

 

Unsere Mannschaft:
Lars Huxsohl – Juri Marxen, Yannik Nuxoll (66. Dylan Williams), Fabian Grau, Dane Kummerfeld – Jonas Behounek – Michael Igwe (58. Elias Saad), Pelle Hoppe, Philipp Müller (73. Benjamin Dreca), Kangmin Choi (79. Noel Denis) – Jan Lüneburg (66. Jasper Hölscher)

Tore:
0:1 Fabian Grau (31.; Foulelfmeter nach Foul an Jan Lüneburg)
0:2 Kangmin Choi (37., Vorlage: Philipp Müller)
0:3 Juri Marxen (64.; Vorlage: Philipp Müller)
0:4 Elias Saad (70.; Vorlage: Kangmin Choi)
0:5 Pelle Hoppe (81.; Vorlage: Benjamin Dreca)
0:6 Elias Saad (84. Vorlage: Benjamin Dreca)

Gelbe Karten: keine

Gelb-Rote Karte: Denis Kolodziej (83., Oberneuland)

Schiedsrichter: Rene-Alexander Rose (Bad Harzburg)

Zuschauer: 220