Herren

Offensivlawine überrollt HSC

„Fantastisch“. „Überragend“. „Großartig“. Drei Wörter, die nach dem Spiel sowohl von Fans als auch von Offiziellen getätigt wurden. Drei Wörter, die die erste Halbzeit beim HSC Hannover aus Norderstedter Sicht beschrieben. Oder aus Hannoveraner Sicht: „Ein Klassenunterschied“, wie Team-Manager Martin Mader empfand.

„Wir haben denn HSC intensiv beobachtet, sie stärker eingeschätzt als zum Beispiel den Heider SV oder den FC Oberneuland“, sagte Jens Martens nach der Partie. Möglicherweise war unsere Mannschaft dadurch hervorragend auf die Niedersachsen eingestellt. Möglicherweise schärfte auch der 2:1-Sieg des HSC gegen die U23 des FC St. Pauli noch einmal zusätzlich die Sinne. Möglicherweise konnte der HSC die Leistung gegen St. Pauli nicht wiederholen. Möglicherweise hatten wir auch einfach nur einen richtig guten Tag erwischt. Vermutlich ist es aber ein bißchen von allem.

Ein Grund war mit Sicherheit aber auch, dass mit Jonas Behounek und Evans Nyarko zwei schmerzlich vermisste, zentrale Spieler wieder in der Startelf standen und der Mannschaft zusätzliche Stabilität gaben. Bei bestem Wetter entwickelte unsere Mannschaft eine unglaubliche Spielfreude, ließ den Ball laufen und traf früh. Jordan Brown flankte auf den langen Pfosten, wo Nils Brüning zum Kopfball kam – HSC-Keeper Kilian Neufeld kam mit der Hand noch an den Ball, legte ihn damit aber ungewollt Jan Lüneburg vor, der humorlos aus zwölf Meter einnetzte (12.). Drei Minuten später verpasste Jan Lüneburg mit seinem Kopfball nur knapp das Tor (15.). Und plötzlich wurde es auf der anderen Seite gefährlich: Christopher Schultz nahm aus spitzem Winkel maß, der Ball rauschte knapp am langen Pfosten vorbei (17.).

Danach lief die Norderstedter Offensive heiß – insbesondere der nie vom Ball zu trennenden Nils Brüning. In bester Arjen Robben-Manier kam Brüning über den linken Flügel, zog in die Mitte und schloß mit einem platzierten Schuss aus 18 Metern ab – Neufeld konnte den Ball mit viel Mühe zur Seite abwehren, wo allerdings Pelle Hoppe in Mittelstürmerposition lauerte und abstaubte (22.). Für HSC-Trainer Vural Tasdelen schon eine Art Vorentscheidung: „Es steht relativ früh 2:0 und dann ist Norderstedt einfach abgebrüht genug, um das nach Hause zu spielen.“ Nur vier Minuten später klingelte es erneut: Jonas Behounek spielte einen Freistoß von der rechten Seite auf den kurzen Pfosten, wo Jan Lüneburg trotz engster Manndeckung irgendwie noch die Rübe dazwischen bekam und aus einer Situation, die keine war, das 3:0 erzielte (26.).

Damit hatte man Kilian Neufeld im Tor der Hannoveraner warm geschossen, der nun immer wieder derjenige war, der ein höheres Ergebnis verhinderte. Ob bei Dane Kummerfelds Freistoß-Aufsetzer (31.), Jordan Browns Schuß (35.), Nils Brünings 18 Meter-Schuß (38.) oder einem Brown-Schuß nach schnellem Umschaltspiel (45.+1) – immer bekam Neufeld irgendwie noch die Finger dran.

Hannover wechselte in der Pause doppelt, bekam nun besser Zugriff auf unsere Mannschaft und setzte Nadelstiche nach vorne: Nach weniger als einer gespielten Minute im zweiten Durchgang flog ein Freistoß von Can Gökdemir quer durch den Strafraum – Glück, dass da keiner ran kam.  Gökdemir war auch derjenige, der die zweite Torchance hatte. Fein in Szene gesetzt von Christopher Schultz scheiterte der HSC-Angreifer an Lars Huxsohl, der im 1 gegen 1 klasse reagierte.

Dann klingelte es erneut auf der anderen Seite. Den ersten Versuche von Pelle Hoppe konnte Neufeld mit einer sehenswerten Flugparade noch parieren (51.), doch im zweiten Versuch war er machtlos. Nils Brüning setzte sich fein auf links durch, Pelle Hoppe kreuzte seinen Weg und bekam die Kugel genau in den Lauf gespielt. Völlig frei vor Neufeld blieb unser Winter-Neuzugang eiskalt und legte den Ball an Neufeld vorbei zum 4:0 ins Netz (63.). Brüning selbst blieb ein Tor nicht vergönnt – sein Distanzschuss ging knapp über den Knick (70.), wenig später traf er nach Zuspiel des eingewechselten Philipp Müller den Außenpfosten. „Ein Tor wäre natürlich schön gewesen“, sagte unser Linksaußen nach der Partie. „Aber mit drei Torvorlagen kann ich auch gut leben.“ Beinahe wäre auch dem für Jordan Brown eingewechselten Kangmin Choi bei seinem Comeback ein Tor gelungen – seine abgefälschte Flanke senkte sich verdächtig Richtung Tor, doch erneut war es Neufeld, der die Kugel über den Querbalken wischen konnte. Die letzte Möglichkeit hatte der ewige Lüne, dessen Kopfball Neufeld auf der Linie abfing (83.).

Beide Trainer waren sich nach der Partie einig, dass der Sieg auch in der Höhe verdient war. „Wir haben über die gesamte Spielzeit konzentriert an unserem Plan festgehalten, sehr sauber gearbeitet und im Endeffekt auch in der Höhe verdient gewonnen“, stellte Olufemi Smith mit einem breiten Lächeln fest.

Wir liegen nach dem Auswärtssieg aktuell hinter dem 1. FC Phönix Lübeck auf Platz 2. Am kommenden Sonntag sind wir bei Lüneburger SK Hansa zu Gast, die heute eine schwere 0:4-Niederlage bei der U23 des FC St. Pauli hinnehmen mussten und entsprechend motiviert in die Partie gehen dürften.

 

Unsere Mannschaft:
Lars Huxsohl – Juri Marxen, Yannik Nuxoll, Fabian Grau, Dane Kummerfeld (70. Rico Bork) – Jonas Behounek (70. Jasper Hölscher), Jordan Brown (62. Kangmin Choi), Evans Nyarko (76. Philipp Müller), Pelle Hoppe (76. Benjamin Dreca), Nils Brüning – Jan Lüneburg

Tore:
0:1 Jan Lüneburg (13.;  Vorlage: Nils Brüning)
0:2 Pelle Hoppe (22.; Vorlage: Nils Brüning)
0:3 Jan Lüneburg (26.; Vorlage: Jonas Behouek)
0:4 Pelle Hoppe (68.; Vorlage: Nils Brüning)

Gelbe Karte: Lars Huxsohl (1)

Schiedsrichter: Max Rosenthal (Lübeck)

Zuschauer: 100