Herren

Nach überragender erster Halbzeit: Huxsohl rettet Punkt

„Und, bist zufrieden?“ „Hättest du mich heute morgen gefragt, hätte ich das 1:1 gerne genommen. Hättest du mich in der Halbzeit gefragt, wäre es mir zu wenig gewesen. Fragst du mich jetzt nach dem Spiel, können wir damit sicher gut Leben.“ „Komisch, bei mir ist es genau anders herum“, lachte der Jeddeloher gegenüber. „Heute morgen hätte ich es auch genommen, zur Halbzeit hätten wir damit gut leben können, nach dem Spiel ist es eigentlich zu wenig. Aber unter dem Strich ist es sicher für beide okay.“ Die Laune war bei schönstem Frühlingswetter bestens, die Jeddeloher gaben sich rund um das Spiel einmal mehr als prima Gastgeber.

Auf dem Spielfeld war es aber auch mit der Freundlichkeit vorbei. Von Anfang an entwickelte sich eine intensive Partie, es wurde um jeden Zentimeter Rasen gefightet, körperlich wie verbal. Keine einfache Partie für den erfahrenen Schiedsrichter Marco Scharf aus Cuxhaven, der wie die 325 Zuschauer eine starke Eintracht-Mannschaft sah. Zwischen den Strafräumen war das Ballbesitzverhältnis relativ ausgeglichen, doch für die Gastgeber war an der Strafraumgrenze Feierabend: Nicht eine einzige Torchance konnte sich der SSV in der ersten Hälfte erarbeiten, zu stabil stand unsere Defensive.

Auf der anderen Seite herrschte dagegen immer wieder Alarm: Insbesondere die linke Außenbahn mit Juri Marxen und dem auffälligen Nils Brüning stellten die rechte Jeddeloher Abwehrseite immer wieder Probleme. Während man die beiden ersten Versuche von Juri Marxen (3.) und Nils Brüning (6.) noch als erste Torannäherungen verbuchen konnte, brannte es in der  elften Minute lichterloh im Strafraum der Gastgeber: Pelle Hoppe führte einen Freistoß im Mittelfeld blitzschnell aus, Nils Brüning hatte viel Platz, ließ einmal mehr Shaun Minns stehen und legte den Ball zurück auf Elias Saad, der sich gut von Niklas-Leon von Achwege löste, den Ball aber aus kürzester Distanz deutlich über den Querbalken setzte.

So langsam kam Temperament in die Partie: Temin legte Saad im Mittelfeld – die Emotionen kochten hoch, es rudelte, Temin sah gelb. Aus Norderstedter Sicht zu wenig, einige wollten das Foulspiel als Nachtreten gewertet wissen. Nur sechzig Sekunden später wurde es erneut hektisch: Saad kam im Strafraum gegen von Aschwege zu Fall – kein Elfmeter. Die Jeddeloher regten sich wahnsinnig auf, wollten eine Schwalbe gesehen haben – die war es jedoch ganz sicher nicht, ein Kontakt war da. Es war allerdings schwer zu sehen, ob von Aschwege Saad foulte oder ob Saad von Aschwege auf den Fuß trat.

Keine Diskussion gab es dagegen kurz darauf: Ein Ball rutschte im Mittelfeld durch auf die linke Seite, wo Marxen plötzlich viel, viel Platz hatte. In seiner unnachlichen Art nahm Marxen Tempo auf, zog Richtung Strafraum, schlug einen Haken um Minns und flankte den Ball perfekt auf Jan Lüneburg, der kurz vorher noch behandelt werden musste. Engel und Hahn schauten nur zu, was sich der beste Kopfballspieler der Liga nicht entgehen ließ und aus sieben Metern per Kopf traf (25.).

Auf der anderen Seite gab es einen Aufschrei, als nach einer Hereingabe von Bastian Schaffer bei Benjamin Dreca die Hand im Spiel gewesen sein soll, doch Schiedsrichter Scharf hatte freies Blickfeld und ließ weiterlaufen (28.). Fünf Minuten später sah Michel Hahn für ein Foul an Saad die gelbe Karte. Keine sechzig Sekunden später ging Yannik Nuxoll im Strafraum des SSV zu Boden, als er auf einen Eckball wartete – erneut steht Hahn im Mittelpunkt, der sich bereits zum dritten Mal lautstark beim Schiedsrichter beschwert. Scharf macht ihm eine klare Ansage: Ein Wort noch und du kannst Duschen gehen.

Nils Brüning, der in Rücklage geriet (37.), und Pelle Hoppe, der sich im Strafraum festdribbelte (43.), hatten noch zwei weitere Möglichkeiten, doch mehr zu sollte bis zur Pause nicht mehr passieren. Und nicht nur die Zuschauer rieben sich verwundert die Augen: „Wieso spielen die denn so gut?“ fragte ein Jeddeloher Reservespieler, während er sich zum Ende der ersten Halbzeit aufwärmte. „Ich musste mich in der Pause selbst bremsen, aber jetzt kann ich es ja sagen: Die erste Halbzeit war überragend“, zollte auch der stets kritische Jens Martens seiner erneut stark ersatzgeschwächten Mannschaft höchsten Respekt. Einziger Kritikpunkt: „Wir hätten mindestens 2:0 führen müssen.“

Die Pausenansprache von Jeddeloh-Trainer Oliver Reck wirkte: Seine Mannschaft wirkte defensiv deutlich stabiler als im ersten Durchgang  und bekam die Norderstedter Offensive deutlich besser in den Griff. Dennoch: Die ersten Toranäherungen hatte die Eintracht. Lüneburg verpasste eine Brüning Hereingabe (49.),  bei Drecas Versuch aus 16 Metern musste sich Bohe mächtig strecken (52.). Jeddeloh näherte sich durch den eingewechselten Julian Bennert erstmalig gefährlich dem Norderstedter Tor, doch bei seinem Abschluss stand er im Abseits (61.). Abgesehen davon versuchte es Jeddeloh vorrangig mit hohen Bällen in den Sechzehner, wo jedoch unsere Defensive immer wieder die Kopfballhoheit hatte.

„Wir haben die ersten sieben Saisonspiele nicht gewonnen“, berichtete Jeddeloh-Urgestein Mario Fredehorst. „Dann kam Chris David.“ Von den verbliebenen elf Spielen gewann man sechs. „Ein Unterschiedsspieler?“ „Absolut.“ Fredehorst sollte recht behalten: Mit der ersten richtigen Torchance konnte Jeddeloh durch ex-Profi Chris David (Fulham FC, Würzburger Kickers), der einen Freistoß aus 22 Metern sehenswert in den Giebel zauberte, ausgleichen (67.).

Plötzlich war es eine offene Partie, in der es hin und her ging: Auf der einen Seite sorgte ein Freistoß von Brown für viel Unruhe im Jeddeloher Strafraum (71.), auf der anderen Seite schmiß sich Lar Huxsohl mutig in einem Abschluss von Julian Bennert (72.). Brüning versuchte aus der zweiten Reihe (80.), Hölscher jagte den Ball bei freier Schußbahn Richtung Oldenburg (85.).

Und plötzlich hatte Jeddeloh die Chance zum Sieg: Jordan Brown grätschte an der Grundlinie Richtung Ball, Mario Fredehorst ging zu Boden – Schiedsrichter Scharf zögerte keine Sekunden und zeigte auf den Punkt. Jeddelohs Top-Torjäger Almir Ziga lief an, verzögerte und versuchte Lars Huxsohl zu verladen. Der war schon auf dem Weg in die andere Richtung, orientierte sich blitzschnell um und parierte sowohl den Strafstoß als auch den Nachschuss und sicherte uns damit einen hochverdienten Punkt beim wohl stärkesten Team der Liga. „Almir hat vor dem Spiel gesagt, er schenkt mir heute einen ein“, sagte Huxsohl, der in Meppen zusammen mit Ziga spielte, nach dem Spiel. Und verschwand mit einem breiten Grinsen in der Kabine.

Weiter geht es am kommenden Sonntag im Edmund-Plambeck-Stadion gegen den FC Oberneuland Bremen. Dann wird auf jeden Fall Evans Nyarko wieder mit dabei sein, der seine Gelbsperre abgesesses hat.

Unsere Mannschaft:
Lars Huxsohl – Jordan Brown, Fabian Grau, Yannik Nuxoll, Juri Marxen – Jonas Behounek – Elias Saad, Benjamin Dreca (69. Jasper Hölscher), Pelle Hoppe (82. Rico Bork), Nils Brüning (82. Noel Denis) – Jan Lüneburg

Tore:
0:1 Jan Lüneburg (25.; Vorlage: Juri Marxen)
1:1 Chris David (67.; direkter Freistoß)

Gelbe Karte: Jordan Brown (2)

Schiedsrichter: Marco Scharf (Cuxhaven)

Zuschauer: 325