Herren

Glücklich aber hochverdient: Last-Minute-Sieg gegen Heide

93 Minuten war es ein Spiel auf ein Tor: Hier die kampf- und defensivstarken Heider, die die „Dithmarscher Tugenden“ auspackten und um jeden Zentimeter Rasen fighteten, nach vorne aber nicht in Erscheinung traten. Dort die spielstarken Norderstedter, die den Ball gut laufen ließen, sich in der Heider Hälfte einnisteten, aber aus ihrer Überlegenheit kein Kapital schlagen konnte.

Doch dann kam es zum Märchen-Comeback von Batuhan Evren, der seit August keinen Einsatz zu verzeichnen hatte, mit seinem Kämpferherz aber der richtige Mann für diese Partie sein sollte. Erst monatelang verletzt, dann zur U23 abgegeben, begann Batus Märchen bereits am Freitag: Beim 5:3-Sieg unserer U23 im Testspiel gegen die Zweitvertretung des FC Süderelbe erzielte Evren nach 14 Minuten einen Hattrick, traf insgesamt vier Mal und holt auch noch den Elfmeter zum fünften Tor heraus. Heute morgen mit seiner kurzfristigen Kadernominierung vom Trainerteam geweckt, wurde Evren in der 82. Minute für Kapitän Jordan Brown eingewechselt, war sofort hellwach und sorgte für den nicht mehr möglich gehaltenen Last Minute-Sieg. „Wir sind stolz drauf, dass die Jungs dran geblieben sind, immer weiter angelaufen sind, sich durch die Verteidigung des Gegners nicht haben entmutigen lassen und so lange weiter gepresst haben, bis sie geschafft haben, den Ball endlich über die Linie zu drücken“, zeigte sich Olufemi Smith begeistert von der Mentalität seiner Truppe.

Doch der Reihe nach: Für den angeschlagenen Dane Kummerfeld (Adduktoren) wechselte Juri Marxen die Seite, hinten rechts sorgte Kapitän Jordan Brown für Stabilität. Auf der Bank regierte die Jugend: Mit U23-Kapitän Lars Kuchenbecker (18), Benjamin Dreca (18) und Batuhan Evren (19) saßen drei Youngster auf der Bank, dazu mit Ryan Essaka (22) ein weiterer Spieler aus der U23. Vor Spielbeginn gab es vor gespenstischer Stille eine Schweigeminute, um den schlimmen Geschehnisse in der Ukraine Respekt zu zollen.

Das Spiel selbst nahm früh die eingangs beschriebenen Bahnen ein. Heides Defensivregel ließ wenig zu, bei uns rollte der Ball durch die Reihen, doch zunächst, ohne gefährliche Aktionen zu kreieren. Die erste Tormöglichkeit gab es nach einer guten Viertelstunde: Über Lüneburg und Brown landete der Ball bei Hölscher, der es aus zehn Metern versuchte. Torhüter Bartell war geschlagen, doch Hinrich Schröder rutschte heran und grätschte die Kugel buchstäblich von der Linie (16.). Ähnlich hochkarätig die zweite Möglichkeit: Eine Flanke von Behounek flog über Hölscher hinweg zu Lüneburg, der davon allerdings so überrascht war, dass er den Ball aus kurzer Distanz deutlich über das Tor bugsierte (26.). Ein Kopfball von Fabian Grau (31.), einer von Yannik Nuxoll (36.) – mehr Torchancen hatte die erste Hälfte nicht zu bieten.

In der zweiten Hälfte rückten zwei Offensivkräfte immer mehr in den Vordergrund: Elias Saad, der seine Gegenspieler auf den außen auf Trab hiel, nach einer schönen Einzelaktion den Ball deutlich übers Tor setzte (56.) und, nachdem er von Noel Denis per Steilpass geschickt wurde, vom heraus eilenden Heide-Keeper Bartell den Ball im letzten Moment vom Fuß gepflückt bekam (57.). Und Jan Lüneburg, der es immer wieder versuchte, aber mit seinen Kopfbällen (73./76./86./90.+2) glücklos blieb.

Bis die große Zeit von Batuhan Evren kam. Er schmiss sich im Luftzweikampf in den Ball, dadurch landete dieser vor den Füßen von Jan Lüneburg, der in der vierten Minute der Nachspielzeit aus dem Hintergrund abzog und das wichtige 1:0 erzielen konnte. Wie wichtig das Tor war, ließ sich am Jubel ablesen: Alle Spieler stürmten auf den Torschützen zu, Reservespieler, Trainer… man spürte: Da ist gerade eine riesige Last von den Schultern gefallen.

Ähnlich groß war der Jubel zwei Minuten später: Während Jan Lüneburg Elias Saad zurief, er soll mit dem Ball Richtung Eckfahne gehen, um etwas Zeit von der Uhr zu nehmen, hatte dieser eine andere Vision: Er ließ zwei Heider Spieler stehen, ging an der Grundlinie Richtung Tor. Kurz vorm Tor legte er den Ball zurück an den Fünf-Meter-Raum, wo Evren goldrichtig stand und den Ball zum 2:0-Endstand ins Netz legten. Während Schiedsrichter Bendowski die Partie abpfiff, scharten sich die jubelnden Spieler inklusive Torhüter, Ersatzspieler und Trainer um Evren und feierte ihn mit lauten „Batu, Batu“-Rufen. Ein deutliches Zeichen: Bei uns stimmt es, wir sind eine Mannschaft und jeder gehört dazu. Ein Zeichen, dass uns auf jeden Fall sehr positiv in die Abstiegsrunde sehen lassen sollte. „Wir sind erleichtert, dass wir die Punkte hierbehalten unser Punktekonto etwas aufstocken konnten“, sagte Olufemi Smith nach der Partie. „Es war das erwartete Spieler gegen einen Gegner, der alles in die Waagschale wirft, der leidenschaftlich und diszipliniert verteidigt. Das hat Heide über 90 Minuten bravourös gemacht. Das wird in den nächsten Wochen wahrscheinlich ähnlich werden, auch in der Abstiegsrunde werden wir gegen einige Mannschaften spielen, die das gut verteidigen werden. Da müssen wir sehen, dass wir Lösungen finden und Dinge, die da verlangt werden wie Präsenz, Zweikampfstärke und Leidenschaft auch einbringen. Wenn wir da unseren Gegnern ebenbürtig sind, werden wir dann mit unseren fußballerischen Möglichkeiten auch da in der Liga sein, Siege einzufahren. Es geht aber nur so.“

Trotz der unglücklichen Niederlage war der neue Heide-Trainer Markus Wichmann nicht unzufrieden. „Wir haben das recht gut gemacht, die Dithmarscher Tugenden wieder aufleben lassen, uns in jeden Ball und jeden Zweikampf geschmissen. Natürlich haben wir uns nicht viele Chancen heraus gespielt, das war auch nicht unser Ziel. Wir wollen immer mal wieder Nadelstiche setzen. Das ist uns teilweise geglückt. Wir haben Norderstedt das hier richtig, richtig schwer gemacht. Darauf müssen wir aufbauen. Am Ende ist der Sieg für Norderstedt aber natürlich hochverdient.“

Die beginnt am kommenden Wochenende mit einem Auswärtsspiel für uns, am 13.03. sollten wir uns dann alle im Edmund-Plambeck-Stadion wiedersehen. Der neue Spielplan soll morgen veröffentlicht werden.

 

Unsere Mannschaft:
Lars Huxsohl – Juri Marxen, Fabian Grau, Yannik Nuxoll, Jordan Brown (82. Batuhan Evren) – Jonas Behounek – Elias Saad, Evans Nyarko, Jasper Hölscher (59. Pelle Hoppe), Noel Denis (59. Nils Brüning) – Jan Lüneburg

Tore:
1:0 Jan Lüneburg (90.+4; Vorlage: Batuhan Evren)
2:0 Batuhan Evren (90.+6; Vorlage: Elias Saad)

Gelbe Karte: Evans Nyarko (5), Jordan Brown (1), Pelle Hoppe (1)

Schiedsrichter: Bela Bendowski (Lübeck)

Zuschauer: 430