Herren

Wilde Rutschpartie ohne Punkte

Der Blick auf den Rasen ließ den einen oder anderen erst einmal tief durchatmen. Der Dauerregen der letzten Stunde hatte den Platz aufgeweicht, es war tief, seifig, rutschig. Gewissheit brachte zum Leidwesen des Platzwartes die Platzbegehung des Schiedsrichter-Teams: Wenn der Ball rollen kann, dann wird es auch tun.

Dass tat er zunächst bei den Kielern. Zweitliga-Profi Ahmet Arslan chippte den Ball von der Strafraumgrenze aus halbrechter Position Richtung Tor, der Ball wurde länger und länger… und senkte sich hinter dem verdutzten Stefan Rakocevic zur frühen Gästeführung ins Tor (5.).

Nachdem sich unsere Elf kurz schütteln musste, kam vorne Bewegung rein. Jonas Behounek setzte einen Freistoß aus 18 Metern in die Mauer (16.), Jan Lüneburg bekam nicht genug Druck hinter seinen Kopfball (18.), so dass Kiel-Keeper Noah Oberbeck wenig Mühe damit hatte. Im dritten Versuch sollte es dann klappen: Saad spielte den Ball von Linksaußenpositition zu Lüneburg, der per Absatzkick den Doppelpass mit Saad spielte, beim Abschlussversuch aber von Torben Marten zu Fall gebracht wurde – Elfmeter! Evans Nyarko schickte Oberbeck in die falsche Ecke und glich aus – beim Versuch, seinen Treffer mit einem Flickflack zu feiern, rutschte er auf dem Regen durchtränkten Rasen aus und legte eine formvollendete Bauchlandung hin – feinster Slapstick (26.).

Kiel hatte nun etwas mehr vom Spiel und schien mit den Rahmenbedingungen – immer wieder rutschten Spieler aus und eröffneten damit völlig neue Spielsituationen – besser zurecht zu kommen, doch nachdem Philipp König (27.) und Jannis Voß (33.) mit ihren Versuchen aus der zweiten Reihe knapp das Tor verfehlten und auch eine Doppelchance keinen Erfolg brachte (42.), klingelte es plötzlich auf der anderen Seite. Ein völlig verunglückter Rückpass der Kieler landete bei Elias Saad, der Jan Lüneburg vor dem weit aufgerückten Torhüter zu einem Doppelpass einlud – der nahm die Einladung an, Saad stand plötzlich frei vor dem leeren Tor und schon seelenruhig ein (45.).

Die Freude dauerte jedoch nur sechzig Sekunden. Dann sprintete der ehemalige Norderstedter Jugendspieler Eric Gueye in einem zu kurzen Abwurf von Stefan Rakocevic, ging Richtung Grundlinie und spielte den Ball dann an den kurzen Pfosten, wo Tim Siedschlag die Fußspitze zwischen dem aufnahmeberieten Rakocevic und Fabian Grau stellte und so den umgehenden Ausgleich herstellte (45.+1). Fassungslosigkeit auf der Norderstedter Bank, dass man so leichtfertig die Führung wieder hergab. „Wenn wir kurz vor der Pause das 2:1 machen und es nicht schaffen, das mit in die Pause zu nehmen, dann ist das eben das Stück Qualität, was uns momentan fehlt und der Grund dafür, dass wir stehen, wo wir stehen.“

Ohne Änderungen gingen beide Mannschaften in die zweite Hälfte, wo die Kieler den besseren Start verbuchen konnten. Insbesondere Kapitän Siedschlag, der nach 58 Minuten wenig Mühe hatte, auf 2:1 zu erhöhen. Nach einem langen Ball von Marten setzte sich König an der rechten Grundlinie gegen Nuxoll durch und brachte den Ball in die Mitte wo Siedschlag erneut nur noch den Fuß reinhalten musste. Siedschlag war es auch, der die Weichen für Holstein endgültig auf Sieg stellte, als er viel Platz und viel Zeit hatte und den Ball von der Sechzehnergrenze in den Winkel schlenzte. Rakocevic war zwar noch mit den Fingerspitzen dran, konnte den präzise getretenen Ball aber nicht mehr abwehren – das 2:4 (79.).

Erneut dauerte es nur 65 Sekunden, bis Norderstedt antwortete. Ein langer Ball von Marxen zu Elias Saad nahm der Rechtsaußen auf, ging Richtung Strafraum, ließ Stöcker und Marten stehen, kam ins Straucheln, blieb auf den Beinen und versenkte die Kugel an Oberbeck vorbei im Netz – auch N’dure konnte auf der Linie stehend den Einschlag nicht mehr verhindern (80.)

Unsere Jungs wollten das Unentschieden nun erzwingen, warfen alles nach vorne, fighteten… doch am Ende reichte es nicht. Auch das Debüt von Pelle Hoppe, der nach 58 Minuten für Benjamin Dreca kam sowie das Comeback von Dylan Williams, der die letzten zwanzig Minuten für Evans Nyarko spielte, konnten nicht mehr verhindern, dass Holstein Kiel die drei Punkte mit in die Landeshauptstadt nehmen konnte.

Olufemi Smith fand nach der Partie klare Worte: „Wenn man drei Tore schießt und es nicht reicht, um etwas zählbares mitzunehmen, sind wir zu fehleranfällig. Das zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Saison.“ Allerdings sah Smith auch das Positive. „Wir haben nach vorne gezeigt, dass wir gute Situationen kreieren können, einer der absoluten Top-Mannschaften der Regionalliga absolut ebenbürtig sind. Wir sind eben nur in den entscheidenden Situationen nicht clever genug.“

Damit ist nun auch rechnerisch klar: Wir müssen ab März in der Abstiegsrunde ran und bekommen es dort mit dem SSV Jeddeloh II, BSV Schwarz-Weiß Rehden, Lüneburger SK Hansa, dem HSC Hannover sowie dem FC Oberneuland zu tun. Eigentlich beginnt die Abstiegsrunde für uns allerdings schon zwei Wochen früher: Während die Partie beim FC Teutonia am kommenden Sonntag für uns ohne Wert ist, da Teutonia in die Aufstiegsrunde geht und wir in die Abstiegsrunde („Das ist egal, wir wollen das Spiel gewinnen, alleine schon da es ein Derby ist“), wird die folgende Heimpartie gegen den Heider SV schon deutlich wichtiger: Dann geht es um wichtige Punkte, die mit in die Abstiegsrunde genommen werden.

Unsere Mannschaft
Stefan Rakocevic – Juri Marxen, Fabian Grau, Yannik Nuxoll, Dane Kummerfeld – Jonas Behounek – Jordan Brown (c) (71. Nils Brüning), Evans Nyarko (71. Dylan Williams), Benjamin Dreca (58. Pelle Hoppe), Elias Saad (82 Jasper Hölscher) – Jan Lüneburg

Tore
0:1 Ahmet Arslan (6.)
1:1 Evans Nyarko (26.; Foulelfmeter nach Foul an Saad)
2:1 Elias Saad (45.; Vorlage: Jan Lüneburg)
2:2 Tim Siedschlag (45.+1)
2:3 Tim Siedschlag (58.)
2:4 Tim Siedschlag (80.)
3:4 Elias Saad (81.)

Gelbe Karte: Jonas Behounek (5)

Schiedsrichter: Simon Rott (Bremen)

Zuschauer: 100

Tore: