Herren

Unentschieden unter schwierigsten Bedingungen

Die Bedingungen im Edmund-Plambeck-Stadion waren äußerst schwierig: Regen und Schnee hatten den Platz aufgeweicht, zeitweilig glich das Spiel gegen die U21 des HSV mehr einer Rutschpartie. Trotzdem – oder gerade deswegen – zollten beide Trainer ihren Spielern tiefsten Respekt dafür, dass sie alles aus sich rausholten. „Bei den Bedingungen haben die Spieler physisch wirklich alles rausgehauen“, so Jens Martens. Der allerdings mit einem Kopfschütteln auch konstatierte, dass er die Dinge, die momentan um unsere Mannschaft herum passieren, so in seiner langen Trainerlaufbahn noch nicht erlebt hat. „Vor drei Wochen hatten wir in einer Woche drei Brüche. Jetzt haben wir innerhalb von 15 Tagen drei Torhüter verloren.“

Also musste der vierte Torhüter ran, der nach der Partie gefragtester Gesprächspartner der Medien war: Steffen Tiegs. Nachdem neben Lars Huxsohl auch Marcel Kindler ausfiel und sich der Einsatz von Stefan Rakocevic erst kurz vor dem Spiel entschied, trainierte der Stammtorhüter unserer U19 in dieser Woche erstmals mit der Mannschaft – und wurde dann nach gerade einmal 13 Spielminuten quasi buchstäblich ins kalte Wasser geworfen, als Stefan Rakocevic nach kurzer Behandlungspause mit einer Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste und Tiegs das Schneegestöber von Garstedt betrat.

Tiegs, der sich eigentlich mit seiner Mannschaft in der Winterpause befindet, konnte gleich den ersten Eckball souverän abfangen und zeigte auch in der Folge ein überraschend souveränes Debüt. „Ich war echt aufgeregt und habe zuhause ordentlich was zu erzählen. Meine Hände haben gezittert bei den ersten Bällen,“ gab der 18jährige ehrlich zu. „Dann bin ich aber gut reingekommen, auch wenn wir ein bißchen Schwierigkeiten mit dem Platz hatten.“ Dass er das Spiel denn noch mit gemischten Gefühlen sah, lag an der 68. Minute. Ein Freistoß flog in den Norderstedter Strafraum. der eingewechselte Pingdwinde Beleme kam mit dem Kopf an den Ball und köpfte Richtung langer Pfosten. Tiegs wollte den Ball am Tor „vorbei gucken“, doch plötzlich lag die Kugel in den Maschen. „Ich dachte der Ball geht ins Aus, dann hat er sich noch ganz komisch gedreht und plötzlich war er drin. Es ist nicht schön, so ein Tor zu bekommen. Das ist ärgerlich und tut mir leid für die Mannschaft“, entschuldigte sich Tiegs, der mit einem Jahr Unterbrechung seit fünf Jahren in Norderstedt spielt. Vorwürfe machte dem Youngster niemand, Trainer Jens Martens attestierte ihm nach der Partie zurecht eine gute Leistung.

Die ersten gut zwanzig Minuten des Spiels gehörten dem HSV, ohne dass man sich gegen die erneut gut stehenden Norderstedter Defensive wirkliche Chancen heraus arbeiten konnte. „Die versuchen den Ball ins Tor zu tragen anstatt einfach mal zu schießen“, war aus der Hamburger Ecke zu hören. Die erste richtige Torchance gab es erst nach einer knappen halben Stunde, als Robin Velaso Steffen Tiegs prüfte, der Norderstedter aber Sieger blieb (28.). Fünf Minuten später prüfte Jan Lüneburg Bennett Schauer mit einem Schuß aus 17 Metern. Auch gegen den verdeckten Schuß von Philipp Koch blieb Schauer Sieger (38.). Durch die Verletzungsunterbrechnung von Stefan Rakoevic gab es fünf Minuten Nachspielzeit. Das nutzte Jordan Brown, der sich auf der rechten Seite gegen zwei Hamburger in Szene setzte und den Ball im Wegrutschen noch zu Evans Nyarko bringen konnte, der in der Mitte goldrichtig stand und unsere Elf in Führung brachte (45.+1). Noch vor der Pause hätten die Hamburger zum Ausgleich kommen müssen, als sich der schnelle Timon Burmeister auf der linken Außenbahn athletisch durchsetzte und den Ball auf Kilo brachte, der das Kunststück fertig brachte, den Ball freistehend aus kürzester Distanz in den Norderstedter Nachmittagshimmel zu schießen.

Auch in der zweiten Halbzeit konnten wir uns in einer ausgeglichenen Partie ein Chancenplus erarbeiten, auch wenn „man nicht von einem kontrollierten Fußballspiel sprechen“ konnte, wie HSV-Trainer Pit Reimers mit Blick auf die immer schlimmer werdenden Platzverhältnisse sagte. „Das war teilweise ein wildes hin und her.“ Bennett Schauer musste Kopf und Kragen riskieren, um nach einem feinen Zuspiel von Jan Lüneburg auf Evans Nyarko vor dem Norderstedter am Ball zu sein (56.). Zwei Minuten später flankte Philipp Koch aus dem Halbfeld an den langen Pfosten, wo Elias Saad frei zum Kopfball saß, das Runde aber ans Außennetz setzte (58.). „Das war eine hundertprozentige Chance, da müssen wir das 2:0 machen“, so Jens Martens. „Klarer kann man eine Kopfballchance nicht haben als Elias in dieser Situation. Da fehlt uns momentan auch etwas das Spielglück.“ Auf der Gegenseite blieb Tiegs gegen Otuali Sieger (61.).

67 Minuten waren gespielt, als Jordan Brown kurz vor dem Strafraum einen HSV-Spieler festhielt – die gelbe Karte bekam aber Philipp Koch. Während die Norderstedter Bank bei ihrem Versuch, den Schiedsrichter-Assistenten auf die Verwechselung aufmerksam zu machen, auf taube Ohren stieß, nutzten die Hamburger den Freistoß zum Ausgleich. In den letzten 20 Minuten wurde der Schnee immer dichter, viel sehen konnte man nicht mehr – außer einem schönen Fallrückzieher von Jan Lüneburg (80.). „Ich habe ein gerechtes 1:1 gesehen“, urteile Pit Reimers nach der Partie. „Für uns war das mit Blick auf die Tabelle sehr viel wert, weil wir Norderstedt auf Distanz halten konnten.“

 

Tore:
1:0 Evans Nyarko (45.+1; Vorlage: Jordan Brown)
1:1 Pingdwinde Beleme (68.)

Unsere Mannschaft:
Stefan Rakocevic (13. Steffen Tiegs) – Juri Marxen (46. Elias Saad), Hamajak Bojadgian, Fabian Grau, Dane Kummerfeld (89. Yannik Nuxoll) – Philipp Koch (73. Benjamin Dreca) – Jordan Brown (c), Evans Nyarko, Jonas Behounek, Nils Brüning – Jan Lüneburg

Gelbe Karten: Philipp Koch (4), Juri Marxen (2), Elias Saad (2)

Schiedsrichter: Daniel Fleddermann (Nordhorn)

Zuschauer: 285