Herren

Knappe Niederlage in Lübeck

Als der Schiedsrichter die Partie abpfiff, sanken unsere Spieler zu Boden. Sie hatten läuferisch wie kämpferisch alles gegeben, bis zur letzten Minute gefightet, doch es reichte nicht: Mit einer knappen 1:2 Niederlage kehren wir vom VfB Lübeck v. 1919 e. V. zurück. „Wir haben ein geiles Fußballspiel gesehen, ein typisches Lohmühlen-Spiel“, sagte Jens Martens nach der Partie. „Am Ende haben wir leider den Kürzeren gezogen, aus meiner Sicht wäre ein Unentschieden durchaus möglich gewesen. Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat kämpferisch und läuferisch alles gebracht.“

Bereits bei der Aufstellung gab es die erste Überraschung: Jan Lüneburg stand nicht im Kader. Die Entwarnung kam sofort: Lüne geht es Bestens, er erwartet an diesem Wochenende sein erstes Kind und verbrachte den Tag mit seiner hochschwangeren Frau im Krankenhaus. Für ihn ging Nils Brüning in die Sturmspitze.

Nils Brüning war es auch, der uns schon früh hätte in Führung bringen können. Dane Kummerfeld brachte eine Flanke aus vollem Lauf auf den Kopf von Brüning, der das Tor nur um Zentimeter verfehlte (4.). Keine sechzig Sekunden später luchste Brüning Lübecks Innenverteidiger Calvin Brackelmann den Ball ab, hatte plötzlich freie Fahrt und schloss aus 18 Metern ab – erneut flog die Kugel knapp am Tor vorbei. Lübeck antwortete nur eine Minute später durch Samuel Abifade, der alleine vor Stefan Rakocevic auftauchte. Der machte sich breit und konnte glänzend parieren (6.). Den Schlusspunkt hinter die furiose Auftaktphase setzte Jonas Behounek, dessen 20-Meter-Schuß Eric Gründermann nur zur Seite abwehren konnte – direkt vor die Füße von Nils Brüning. Doch bevor der etwas mit der Kugel anstellen konnte, ging bereits die Fahne hoch – Abseits. „Wir hätten in den ersten zehn Minuten in Führung gehen müssen. Nicht können, sondern müssen“, so der Trainer. „Das hätte uns für den weiteren Spielverlauf Rückenwind gegeben.“

Die nächsten Minuten lag der Fokus weniger auf dem spielerischen. Zunächst prallten Stefan Rakocevic und Samuel Abifade im Strafraum zusammen und mussten beide behandelt werden (15.), konnte dann jedoch weiter machen. Sieben Minuten später lag Rakocevic schon wieder ungewollt am Boden, als Ciapa ihn nach einem Eckball schmerzhaft traf, dafür die gelbe Karte sah. Zwei Zeigerumdrehungen später stand Evans Nyarko im Mittelpunkt, der – bereits gelb verwarnt – im Mittelfeld hart gegen Fynn Kleeschätzky einstieg. Da hatte er Glück, dass Schiedsrichter Behrens zum Unmut der Zuschauer die Ampelkarte stecken ließ. Unser Trainerteam reagierte, brachte Youngster Benjamin Dreca für den Routinier.

Das waren wohl die emotionalen Punkte, die es an der Lohmühle braucht. Die Lübecker wurden immer stärker und waren nun die spielbestimmende Mannschaft, taten sich jedoch schwer, an unserer gut spielenden Defensive vorbei zu kommen, so dass Standards helfen mussten: Bei einem schön geschlenzten Freistoß von Abifade musste Rakocevic sich mächtig strecken, konnte den Ball aber aus dem Winkel kratzen (41.), in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit kam Kleeschätzky nach einem Eckball frei zum Abschluss, köpfte den Ball aber direkt in die Arme unseres Torhüters, so dass es torlos in die Pause ging.

Kurz nach Wiederanpfiff wollte Nils Brüning einen Elfmeter haben, nachdem er im Duell mit Grupe zu Boden ging – das war aber zu wenig für einen Elfmeter (51.). Die erste Torannäherung folgte nach zehn Minuten – Ciapa köpfte einen Boland-Freistoß neben das Tor (55.). Doch plötzlich jubelten die rot gekleideten Gäste. Dane Kummerfeld schlug einen Ball aus dem Mittelfeld in die Sturmspitze, wo Brackelmann unter dem Ball hindurchsprang. Die Kugel landete bei Brüning, der sich um Tommy Grupe drehte und den Ball mit viel Übersicht auf den Elfmeterpunkt ablegte, wo Jonas Behounek zu viel Platz hatte und den Ball am Torhüter vorbei zur Führung einschob (60.). Und wer weiß, wie das Spiel ausgegangen wäre, hätte Behounek nicht drei Minuten später aus spitzem Winkel nur das Außennetz getroffen.

Dies setzte bei den Gastgebern noch einmal den Kampfgeist frei. Taritas schlug eine Flanke von der Eckfahne unbedrängt in die Mitte, wo Malek Fakhro ebenso unbedrängt aus sechs Meter einköpfen konnte (66.). Sieben Minuten später hatten die Marzipanstädter die Partie gedreht. Fakhro setzte sich rustikal gegen Fabian Grau durch, der blieb liegen, so dass Fakhro plötzlich viel Platz hatte und den Ball an die Latte knallte. Am langen Pfosten lauerte Vjekoslav Taritas, der den Abpraller direkt nahm um zum 2:1 traf (74.).

In der Schlußviertelstunde ging es noch einmal hin und her, doch Robin Kölle klärte eine Dreca-Flanke vor dem einschußbereiten Brown (78.), Drecas Schuss aus zwanzig Metern ging erneut nur knapp am Tor vorbei (80.) und in der Nachspiel setzte Behounek das runde Ding noch einmal ans Außennetz, so dass es nicht mehr zum Unentschieden reichen sollte.

„Mit dem Gegentor war es eine echte Herausfordung, das Spiel noch einmal zu drehen, deswegen bin ich sehr stolz auf die Mannschaft“, freute sich dagegen VfB-Trainer Lukas Pfeiffer. „Ich bin der Meinung, wir haben uns diesen Sieg verdient. Es war ein hartes Stück Arbeit, deswegen auch Kompliment an den Gegner. Ich bin sehr, sehr happy mit dem Ergebnis.“

Eine bittere Niederlage, denn im Kampf um den Einzug in die Meisterrunde war dies ein Sechs-Punkte-Spiel. Nächsten Sonntag folgt ein Weiteres – dann ist die U21 des Hamburger SV zu Gast im Edmund-Plambeck-Stadion (Sonntag, 05.12.2021; 14.00 Uhr).

Tore:
1:0 Jonas Behounek (60.; Vorlage: Nils Brüning)
1:1 Malek Fakhro (66.)
1:2 Vjekoslav Taritas (75.)

Unsere Mannschaft:
Stefan Rakocevic – Juri Marxen, Hamajak Bojadgian, Fabian Grau, Dane Kummerfeld – Philipp Koch – Jasper Hölscher (68. Kangmin Choi), Jonas Behounek, Evans Nyarko (31. Benjamin Dreca), Jordan Brown (c) (80. Noel Denis) – Nils Brüning

Gelbe Karten: Evans Nyarko, Philipp Koch

Schiedsrichter: Kevin Behrens (Hasede)

Zuschauer: 1.919