Herren

Alles wie immer gegen Weiche

„Alles wie immer“, lächelte Jens Martens nach Schlußpfiff gequält: „Die erste Halbzeit war ausgeglichen, in der zweiten hatten wir mehr Feldanteile. Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen.“ Nur: Unentschieden gegen Flensburg waren auch in der Vergangenheit schon öfter mehr als gerecht – nur die Anzeigetafel zeigt mit schönster Regelmäßigkeit nach 90 Minuten einen knappen Sieg der Flensburger an. „Man muss aber ehrlicherweise zugeben, dass uns heute der letzte Punch gefehlt hat. Für unsere Mannschaft ist das wirklich traurig, denn sie haben wieder einmal gezeigt, dass sie nicht schlechter sind als Flensburg.“

Die erste Hiobsbotschaft schon vor Spielbeginn: Als achter Spieler musste Philipp Müller noch vor dem Anpfiff passen, so dass Jens Martens und Olufemi Smith kurzfristig die Startaufstellung ändern mussten. Auf der Bank saß daher mit Kangmin Choi lediglich ein erfahrener Feldspieler, dazu die drei Youngster Lesley Karschau (20), Noel Denis (19) und Benjamin Dreca (18), die zusammen nicht einmal 45 Minuten Regionalliga-Erfahrung haben.

Mal unabhängig von dem immer selben Muster unserer Spiele gegen Flensburg unterscheiden sich die Partien gegen Weiche deutlich von den meisten anderen Regionalliga-Spielen. Die Spiele sind sehr physisch, mit viel Kampf und Leidenschaft, aber immer fair, mit offenem Visier und wenig Mimimi. Eben echter Fußball. Schiedsrichter Jan Tschirschwitz passte sich dem an und ließ sehr viel laufen – zwar manchmal zuviel, doch mit seiner Linie trug er auch dazu bei, dass sich keiner länger liegend auf dem Rasen befand als notwendig.

Wie immer gegen Flensburg war das Spiel geprägt von starken Defensivreihen und wenig Torraumszenen. Die erste große Möglichkeit hatte Dominic Hartmann, dessen Schuss knapp am langen Pfosten vorbei ging (16.). Im Gegenzug rettete Offensivkraft Marcel Cornils am eigenen Strafraum vor dem einschußbereiten Jasper Hölscher (17.). Nach einer guten haben Stunde traf Torge Paetow nach einer Hartmann-Flanke nur das Außennetz (29.). Erneut antwortete unsere Elf mit einer eigenen Torchance: Nach einer schnellen Kombination zwischen Jasper Hölscher und Juri Marxen landete der Ball bei Jonas Behounek, der allerdings davon etwas überrascht den Ball nicht richtig kontrollieren konnte und ihn neben den Pfosten setzte (30.).

Kurz vor der Pause landeten die Gäste einen Doppelschlag: In der Defensive gewann Petersen den Ball gegen Lüneburg, über die linke Seite ging es nach vorne, wo Marcel Cornils in den Strafraum eindrang und auf Ilidio Pastor Santos ablegte, der den Ball an Stefan Rakocevic vorbei ins Netz legte (38.). Der Treffer zog Proteste nach sich. „Dem Tor ging ein klares Handspiel voraus“, spielte Martens auf den Ballgewinn Petersens vor der Norderstedter Trainerbank an und machte die entsprechende Bewegung Petersens nach. „Danach kann er den Pass in die Tiefe spielen, allerdings verteidigen wir das in dieser Situation auch schlecht.“

Bereits der nächste Angriff der Flensburger sorgte für das kuriose 0:2. 17 Meter vor dem Tor bekam Weiche in halbrechter Position einen Freistoß zugesprochen. Während sich die Norderstedter Defensive noch in Stellung brachte, führte Torge Paetow den Freistoß schnell aus und traf über die Norderstedter Defensive hinweg ins Netz. „Weiche ist extrem abgewichst, eine sehr clevere Mannschaft, die genau wissen, was sie machen. Das hat man insbesondere beim zweiten Tor gesehen“, sagte Kapitän Jordan Brown nach dem Schlußpfiff. „Das war für mich die entscheidende Situation, da haben wir uns dumm angestellt. Den Ball müssen wir blockieren“, kritisierte Martens nach der Partie seine Abwehr. „In diesen chaotischen fünf Minuten müssen wir froh sein, nicht auch noch das 0:3 kassiert zu haben.“ Denn Nils Brüning leistete sich in der Position eines defensiven Mittelfeldspielers einen Ballverlust, den der starke Paetow nutzte, schnell umschaltete und Marcel Cornils auf die Reise schickte. Stefan Rakocevic war zur Stelle und verhinderte Schlimmeres (41.). Mit dem Pausenpfiff setzte Jan Lüneburg einen Volleyschuss aus 15 Metern etwas zu hoch an, so dass es mit 0:2 in die Pause ging.

Kurz nach der Pause machte Jan Lüneburg das Spiel wieder spannend. Jonas Behounek behauptete den Ball im Flensburger Strafraum mit viel Einsatz gegen Malte Petersen. Jan Lüneburg bewies auch in seinem 200. Regionalliga-Spiel seinen Torriecher, schaltete am Schnellsten und erzielte sein achtes Saisontor (49.) – mehr hatte er zuletzt in der Saison 2016/2017 und das, obwohl er erst 15 Spiele bestritten hat. Danach erhöhte unsere Elf den Druck, bemühte sich nach Kräften und ließ nach hinten nichts mehr zu – lediglich einen Schuß von Torge Paetow, der am langen Pfosten vorbei strich (73.). Das Problem: Im letzten Drittel brachte man den Ball nur selten zum Mitspieler. Erst nach 66 Minuten kamen wir wieder in Tornähe – ein Flensburger Abwehrbein verhinderte jedoch, dass Jonas Behounek den Ausgleich erzielten konnte. Der eingewechselte Kangmin Choi schoß den Ball nach Flanke von Kapitän Brown, der zum ersten Mal seit 13 Monaten wieder über 90 Minuten durchspielen konnte, aus nächster Nähe in die Wolken (82.), Jan Lüneburg hatte nicht genügend Schwung, um seinen Kopfball nach Flanke von Jonas Behounek in der Nachspielzeit im Tor unterzubringen (90.+1).

Auch die Einwechselungen der Youngster Noel Denis und Benjamin Dreca, der sein Regionalliga-Debüt bestritt, brachte keinen entscheidenden Offensivschwung mehr, zeigten aber, dass wir da große Talente für die Zukunft in der Hinterhand haben.

„Irgendwie ist es immer so, dass man gegen Weiche den kürzeren zieht“, so Brown. „Im letzten Drittel hat uns am Ende etwas die Durchschlagskraft gefehlt. Grundsätzlich haben wir aber eine gute Leistung gezeigt, niemand ist abgefallen, damit können wir zufrieden sein.“

Um so wichtiger werden für uns die nächsten beiden Spiel beim VfB Lübeck (27.11.) und gegen die U21 des Hamburger SV (05.12.) im Rennen um den beliebten fünften Tabellenplatz, der zur Teilnahme an der Meisterrunde berechtigt.

Tore:
0:1 Ilidio Pastor Santos (38.)
0:2 Torge Paetow (39.)
1:2 Jan Lüneburg (49; Vorlage: Jonas Behounek)

Unsere Mannschaft:
Stefan Rakocevic – Juri Marxen (79. Kangmin Choi), Hamajak Bojadgian, Fabian Grau, Dane Kummerfeld – Philipp Koch – Jordan Brown (c), Jasper Hölscher (71. Benjamin Dreca), Jonas Behounek, Nils Brüning (71. Noel Denis) – Jan Lüneburg

Schiedsrichter: Jan Tschirschwitz (Hannover)

Gelbe Karte: Hamajak Bojadgian (3)

Zuschauer: 465