Herren

Huxsohl-Drama überschattet Pokalsieg

Unsere Pokalbegegnung beim SC Nienstedten gestern wird wohl aus mehreren Gründen noch lange im Gedächtnis bleiben. Insbesondere bei unserem Torwart Lars Huxsohl, der zwei Minuten vor Schluß eine Flanke abfing, beim runterkommen auf dem Fuß von Nienstedtens Carlo Cudicio aufkam und sich ganz böse den Fuß verdrehte. Die Röntgenaufnahmen, die direkt nach dem Spiel im Krankenhaus gemacht wurden, zeigen, dass zumindest nichts gebrochen ist. In weiteren Untersuchungen wird sich noch zeigen, inwiefern seine Bänder in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Da wir bereits drei Wechselunterbrechungen in der zweiten Halbzeit hatten, mussten wir die letzten Minuten zu zehnt runterspielen – Hamajak Bojadgian zog sich ein Trainingshemd über und ging zwischen die Pfosten. Zwei Bälle kamen in der Zeit noch aufs Tor, die Bojadgian beide problemlos abfing. Unter dem Eindruck der Huxsohl-Situation fiel die Freude über den 3:1-Sieg beim starken Landesligisten SC Nienstedten sehr verhalten aus, statt zu jubeln ging die Mannschaft direkt nach dem Schlußpfiff geschlossen zum Keeper, um ihm zur Seite zu stehen. Auch die Nienstedtener Kicker erkundigten sich direkt nach Schlußpfiff über das Befinden von Lars und gaben ihm die besten Genesungswünsche mit auf den Weg und erwiesen sich damit als die fairen Sportsleute, die ein großer Teil des Publikums leider nicht war.

Dass gegnerische Fans mehr Freunde daran haben „Scheiß Norderstedt“ zu brüllen als die eigene Mannschaft zu unterstützen ist nicht neu. Einige Vereine freuen sich, wenn wir als Regionalligist vorbei kommen, für andere sind wir das personifizierte Böse – so wie offensichtlich gestern, wo ein Vater in der Halbzeitpause seinem kleinen Sohn erklärte dass „die Roten die Feinde sind“.

Doch von Anfang an: Bereits das Aufwärmen erwies sich als echte Herausforderung. Bis die Mannschaften vom Schiedsrichtergespann aufs Feld geführt wurden, war das Spielfeld gesäumt von Kindern und jungen Jugendlichen, die die Kunstrasenfläche als Spielplatz sahen. Als Torwart-Trainer Marc Kassler um ein bißchen Platz bat, damit sich die Spieler vernünftig aufwärmen können, wurde er von einem etwa achtjährigen mit „Hau ab, du Hu***sohn“ angefahren.

Zu Spielbeginn zündeten der SCN auf dem Vereinshaus-Dach als Einstimmung auf das Spiel ein wenig Pyrotechnik. Als sich der Nebel verzog, war das Spielfeld geräumt und die Partie konnte starten. Diese verlief zunächst genau so, wie man es von einem Duell „David gegen Goliath“ erwarten konnte. Der SC Nienstedten stand tief und ging beherzt in die Zweikämpfe, während wir den Ball zwischen Mittellinie und gegnerischem Strafraum gut laufen ließen, jedoch erst nach 17 Minuten zum ersten gefährlichen Abschluss kamen. Nils Brüning flankte den Ball in die Mitte, wo Jan Lüneburg fünf Meter vor dem Tor zum Kopfball kam – Torhüter Bendix Ergezer riss reflexartig die Arme hoch und parierte unter dem lauten Jubel der Zuschauer glänzend. Fünf Minuten später wurde der Jubel noch lauter: Daniel Tönges legte im Strafraum quer auf Moritz Zaher, der Lars Huxsohl keine Abwehrmöglichkeit ließ und den Underdog in Führung brachte (22.), woraufhin erst einmal einige Zuschauer jubelnd aufs Spielfeld rannten. Dies gab dem SCN Auftrieb, der nun in den Zweikämpfen griffiger wirkte und sich, gepuscht vom Publikum, die jeden Ballgewinn feierten, in jeden Ball warf.

Unsere Elf ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, blieb konzentriert und schlug zurück. Duve klärte eine Marxen-Flanke vor dem einköpfbereiten Nyarko (32.), eine brandgefährliche Hereingabe von Dane Kummerfeld verpassten gleich drei Spieler (33.). Der Ball landete jedoch wieder auf Linksaußen, wo Nils Brüning kraftvoll an zwei Gegenspielern vorbei bis zur Grundlinie ging und mit viel Übersicht auf Dylan Williams zurücklegte, der den Ball nur noch einschieben musste (33.).

Drei Minuten später konnte Ergezer einen strammen Schuß von Jan Lüneburg mit einer schönen Parade zur Ecke abwehren. Diese landete am langen Pfosten bei Jan Lüneburg, der mit dem Fuß noch an den Ball kam und ihn irgendwie in die Mitte bugsierte. Dies wurde zur ungewollten aber dankbar angenommenen Vorlage für Jonas Behounek, der zum 2:1 abstauben konnte (37.). Bis zur Pause hätten Choi und Nyarko das Ergebnis noch besser darstellen können, scheiterten aber am erneut glänzend reagierenden Ergezer im SCN-Tor.

Während die Spieler sich wie vor Spielbeginn im Getümmel versuchten warm zu machen, versuchten zwei etwa zehnjährige, den Eintracht-Banner vom Zaun zu entfernen, wurden aber von einem vorbeikommenden Eintracht-Verantwortlichen und einem SCN-Spieler, der sich gerade warm machte und das sah, rechtzeitig daran gehindert.

In der zweiten Halbzeit wurde es noch hitziger. Die SCN-Fans – offiziell waren es 165 zahlende Zuschauer, es dürften insgesamt eher 350 bis 400 gewesen sein, da der Großteil Kinder bis 14 Jahre waren, die freien Eintritt hatten – standen dicht an dicht um die Eintracht-Bank, als ob es Corona nie gegeben hätte und beleidigten das Norderstedter Trainerteam permanent auf Übelste, warfen Gegenstände, Zuschauer bewegten sich in der Coaching Zone, das Hütchen, dass die Coaching-Zone markierte, wanderte dabei munter hin und her… „Die äußeren Bedingungen… das kann man so nicht machen“, befand Jens Martens nach der Partie. „Wir sind über 90 Minuten bepöbelt und beworfen worden. Das habe ich so noch nicht erlebt.“ Jan Lüneburg hatte die perfekte Antwort darauf, köpfte nach einer Musterflanke von Kangmin Choi zum 3:1 ein (61.).

Danach passierte nicht mehr viel. Eintracht spielte die Partie genau so souverän wie glanzlos runter, Nienstedten kam nur noch einmal gefährlich vors Tor, als Lars Huxsohl mit einer sehenswerten Flugeinlage einen Distanzschuß von Louis Burgheim entschärfte (86.), ehe sich unser Keeper nur kurze Zeit später so schwer verletzte.

Worte über das Spiel wollte Trainer Jens Martens nach dem Spiel nur wenige verlieren, zu sehr war er mit den Gedanken bei seinem verletzten Keeper. „Wir sind froh, dass wir das Spiel gewonnen haben. Der Gegner hat das sehr, sehr stark gemacht, war sehr aggressiv, hat sehr gut verteidigt und wirklich gut gegen gehalten. Es war eine schwere Pflichtaufgabe, die wir am Ende bewältigt haben. Wir sind jetzt acht Spiele unbesiegt, haben drei der Spiele gewonnen und sind nun wieder in einem vernünftigen Flow drin.“

Zumindest eine schöne Geschichte gab es noch am Rande: Noel Denis, der sich in der Sommervorbreitung zur vergangenen (!) Saison verletzte, wurde eine Viertelstunde vor Schluß eingewechselt, stand zum ersten Mal seit Juli 2020 wieder auf dem Platz und bestritt hier sein Pflichtspieldebüt.

Durch den Sieg in Nienstedten ziehen wir uns Achtelfinale ein, das am 15.11.2021 ausgelost wird. Gespielt wird am Wochenende 10.-12.12.2021. Da wir an dem Wochenende gegen Holstein Kiel spielen, werden wir wohl erneut unter der Woche ranmüssen, sofern Platz des Gegners und Wetter es zulassen.

Unsere Mannschaft:
Lars Huxsohl – Juri Marxen, Hamajak Bojadgian (c), Fabian Grau, Dane Kummerfeld – Jonas Behounek – Kangmin Choi (70. Jordan Brown), Dylan Williams, Evans Nyarko (81. Jasper Hölscher), Nils Brüning (76. Noel Denis) – Jan Lüneburg

Tore:
1:0 Moritz Zaher (22.)
1:1 Dylan Williams (34.; Vorlage: Nils Brüning)
1:2 Jonas Behounek (38.; Vorlage: Jan Lüneburg)
1:3 Jan Lüneburg (61.; Vorlage: Kangmin Choi)

Gelbe Karte: Kangmin Choi

Schiedsrichter: Björn Friedsch (SV Börnsen)

Zuschauer: 165