Herren

Eintracht wie die Eichhörnchen

Mühsam ernährt sich nicht nur das Eichhörnchen, sondern auch unser Punktekonto. Zwar bleiben wir zum fünften Mal in Folge unbesiegt, allerdings ist es auch das vierte Unentschieden in Folge. „Ich hätte lieber zwei Mal verloren, dafür aber drei Mal gewonnen“, sagte ein sichtlich genervter und ungewohnt wortkarger Olufemi Smith nach der Partie.

Bereits bei der Aufstellung gab es die erste Überraschung: Stefan Rakocevic hütete für Lars Huxsohl das Tor. „Wir haben nach der Hinrunde eine Analyse gemacht“, sagte Jens Martens nach der Partie. „18 Gegentore in zehn Spielen sind einfach zu viel, so dass wir in der Defensive einen Impuls setzen wollten. Stefan hat die ganze Zeit über sehr gut trainiert, sich sauber verhalten und seine Einsätze verdient.“ Als Entscheidung für den Rest der Saison wollte Martens das jedoch nicht verstehen. „Lars hat das sehr professionell aufgenommen. Wir haben vereinbart, dass Stefan jetzt erstmal drei Spiele im Tor stehen wird, danach werden wir die Situation noch einmal bewerten.“

Entsprechend motiviert ging Rakocevic in die Partie. Bevor er sich jedoch das erste Mal auszeichnen konnte, klingelte es schon auf der anderen Seite. Dane Kummerfeld schlug einen Eckball in die Mitte, wo Jan Lüneburg frei zum Kopfball kam und uns früh in Führung brachte (8.). Phönix steckte den frühen Rückstand jedoch sehr gut weg, übernahm die Spielkontrolle und erarbeitete sich zahlreiche Chancen. Dass es trotzdem mit einer 1:0-Führung in die Halbzeit ging, war in erster Linie Rakocevic zu verdanken, der nur drei Minuten später zum ersten Mal im Mittelpunkt stand. Ein Ballverlust im Mittelfeld landete bei Arnold Budimbu, der kraftvoll – von Hamajak Bojadgian bedrängt – in den Strafraum eindrang. Rakocevic warf sich dem Angreifer mutig entgegen und entschärfte die Situation (11.). Kurze Zeit später flog eine Flanke von der linken Lübecker Angriffsseite in den Strafraum. Am Fünf-Meter-Raum verpassten ein Lübecker und ein Norderstedter, Rakocevic griff dagegen beherzt zu (16.). Erneut nur kurze Zeit später kratze der 22jährige einen abgefälschten Lambach-Schuß aus dem Winkel (20.). Auch der von Jens Martens als „bester Regionalliga-Stürmer“ geadelte Haris Hyseni brachte den Ball nicht am starken Serben vorbei (24.).

Nach einer halben Stunde war er erste Angriffschwung der Phönixer erlöschen – und plötzlich stand der Schiedsrichter im Mittelpunkt. Elias Saad und Nico Fischer kamen im Gästestrafraum zu Fall, der Norderstedter zeigte an, dass er am Trikot gezogen worden sei – Schiedsrichter Daniel ließ jedoch weiterlaufen (27.). Sieben Minuten später waren es die Lübecker, die sich beschwerten: Der sehr agile Budimbu kam im Duell mit Stefan Rakocevic zu Fall. Schwer zu sehen, aber Rakocevic trat Budimbu wohl auf den Fuß, so dass ein Elfmeter berechtigt gewesen wäre (34.). Kurz vor der Pause gab es noch zwei Torchancen, die erste für die Gastgeber, als der erste Versuch noch von Juri Marxen geblockt werden konnte, der Nachschuss von Kenny Korup strich knapp über den Querbalken (40.). Auf der gegenüberliegenden Seite steckte Hamajak Bojadgian den Ball schön auf Nils Brüning durch, der im letzten Moment noch entscheidend von Dustin Thiel am Einschuss gehindert werden konnte (42.).

Der Auftakt in die zweite Hälfte war vielversprechend: Kevin Tittel lenkte einen Brüning-Schuss mit den Fingerspitzen gerade noch so über die Latte (46.). Doch dann die kalte Dusche: Einen Schuß von Fabian Graudenz sah Rakocevic, dem von Dane Kummerfeld die Sicht versperrt wurde, zu spät, konnte den Ball nicht kontrolliert abwehren, Budimbu stand da, wo ein Mittelstürmer zu stehen hat und staubte zum verdienten Ausgleich ab (53.). Danach wurde es auf dem Spielfeld ruhiger, ein Behounek-Schuß, den Tittel mit der Brust abwehrte (57.), ein Lambach-Schuß, der sich knapp um den Pfosten drehte (64.), mehr passierte zunächst nicht. Bis der Schiedsrichter wieder in den Mittelpunkt rückte: Ein Konter über Nils Brüning fand ein jähes Ende, als der Angreifer im Strafraum gegen Christophe van Zutphen zu Fall kam. „Ein klarer Elfmeter“, so Jens Martens. „Er zieht ihm das Standbein weg.“ Generell musste sich Martens beim Thema Elfmeter auf die Zunge beißen. „Klar, auch Phönix hätte einen bekommen müssen. Aber das zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten Spiele, dass wir klare Elfmeter nicht bekommen.“ Auch dieses Mal blieb der Pfiff aus, war aber der Startschuss zur Schlussoffensive, wo beide Mannschaften klar machten, dass ihnen ein Punkt eigentlich nicht genug ist. „In den letzten zehn Minuten war es ein offener Schlagabtausch mit den hochkarätigeren Chancen für uns“, so Jan Lüneburg. Rakocevic parierte am kurzen Pfosten zunächst gegen Bouali (81.), dann kam Philipp Müller in aussichtsreicher Position nach einer Behounek-Hereingabe nicht mehr entscheidend an den Ball (85.). In der Schlussminute setzte Jan Lüneburg einen Kopfball wenige Zentimeter über das Tor, so dass es beim 1:1 blieb. „Ich bin wie alle Spieler nach dem Spiel natürlich erst einmal platt“, so der Stürmer, der im Gegensatz zu früheren Saisons seit Wochen jedes Spiel durchspielt. „Das ist natürlich kräftezehrend, wenn man bedenkt, dass man keine richtige Vorbereitung hatte, wo man sich die Grundlagen erarbeiten konnte. Aber einmal die Woche 90 Minuten am Wochenende, das geht schon noch.“

Für Jens Martens war es schwierig, die Partie einzuordnen. „Bis zur 85. Minute mussten wir froh sein, dass 1:1 gehalten zu haben. Zum Schluss hat die Mannschaft sich nochmal gesteigert, die beiden Riesenchancen, die wir dann noch hatten, hätten auch für uns zum Sieg führen können. Leider können wir die Leistung, zu der wir im Stande sind, momentan nicht über 90 Minuten auf den Platz bringen.“

 

Unsere Mannschaft:
Stefan Rakocevic – Juri Marxen, Hamajak Bojadgian (c), Fabian Grau, Dane Kummerfeld – Jonas Behounek – Nils Brüning (90. Michael Igwe), Evans Nyarko (78. Jasper Hölscher), Dylan Williams (64. Philipp Müller), Elias Saad (71. Kangmin Choi) – Jan Lüneburg

Tore:
0:1 Jan Lüneburg (8.; Vorlage: Dane Kummerfeld)
1:1 Arnold Budimbu (53.)

Schiedsrichter: Timo Daniel

Gelbe Karte: Evans Nyarko (3)

Zuschauer: 304