Herren

Müller wird zum Helden, Lüne zur Legende

Als der unauffällige Jungschiedsrichter Bela Bendowski in seinem dritten Regionalliga-Spiel nach 96 Minuten abpfiff, gab es nur strahlende Gesichter in den dunkelblauen Trikots, man spürte die Last, die unserem Team von den Schultern fiel.

„Wir haben den Jungs immer wieder gesagt, dass wir keine spielerische Krise, sondern eine Ergebniskrise haben und sie weiter an ihre Qualitäten glauben sollen. Wir hatten eine sehr gute Trainingswoche, deswegen war ich überzeugt, dass wir hier heute etwas holen können“, sagte Jens Martens nach der Partie. Doch lange Zeit sah es so aus, als ob sich diese Partie nahtlos in die Reihe der letzten Spiele einfügen würde. Man merkte, dass die fünf sieglosen Spiele in Folge ihre Spuren in den Köpfen hinterlassen hatten. Auch wenn man über Nils Brüning (8.) und Jonas Behounek (14.) immer mal wieder gefährlich werden konnte, hatte die HSV-Youngster doch deutlich mehr Ballbesitz. dagegen waren schnell, spritzig – und gingen nach 16 Minuten in Führung. Gentrit Limani steckte den Ball für Robin Velasco durch, der den Ball an Lars Huxsohl vorbei ins Netz legte. Sieben Minuten zuvor war Huxsohl noch Sieger, als er mit dem Fuß gegen Velasco klären konnte.

Zaghafte Norderstedter Angriffsversuche trugen keine Früchte. Brüning brauchte nach Zuspiel von Williams zu lange, um zum Abschluss zu kommen (25.), Zumberi warf sich in einen Saad-Schuß (32.). Auf der anderen Seite sorgte immer wieder Top-Torjäger Robin Velasco für Gefahr,  der nur um eine Fußspitze eine Hereingabe von Alidou verpasst (30.).

Eine gute halbe Stunde war gespielt, als Jan Lüneburg Geschichte schrieb. Elias Saad verlagerte das Spielgeschehen mit viel Überblick auf den rechten Flügel, wo Brüning viel Platz hatte. Seine Flanke landete auf dem Fuß von Lüneburg, der die Kugel aus fünf Metern volley an Leo Oppermann vorbei ins Tor drosch (34.) – sein 100. Pflichtspieltor für uns. Was für eine Marke – Glückwünsch, Lüne!

Um ein Haar hätten die blau-roten sogar mit einer Führung in die Halbzeit gehen können. Elias Saad kam in ähnlicher Position wie zuvor Lüneburg nach einer Williams-Flanke zum Schuß, schloss aber zu zentral ab und fand in Oppermann seinen Meister (42.).

In der Pause kam Neuzugang Philipp Müller für Rico Bork ins Spiel – die wahrscheinlich entscheidendste Aktion im Spiel. Doch zunächst stand Torhüter Lars Huxsohl im Mittelpunkt, der gegen Robin Velasco (47.) und Gentrit Limani (49.) zur Stelle war. Gegen Jonah Fabischs Abschluss, der nach Zuspiel von Juho Kilo aus kurzer Distanz zum Schuß kam, war Huxsohl allerdings machtlos (51.) – der erneute Rückstand für unser Team.

Doch dieses Mal schien der Rückstand der Mannschaft nichts auszumachen. Stattdessen rückte der eingewechselte Müller in den Mittelpunkt, verlieh der Mannschaft neuen Schwung und drückte der Partie seinen Stempel auf. Seinen ersten Versuch nach Pass von Elias Saad blockte Valon Zumberi noch ab (53.), dann servierte er einen Eckball auf den Kopf von Lüneburg, der nur wenige Zentimeter über den Querbalken strich (57.). Nach 65 Minuten betätigte sich Lüneburg als Vorbereiter, legte einen Einwurf auf Müller ab. Der machte noch einen Schritt zur Seite und schweißte die Kugel aus 12 Metern flach in die rechte, untere Torecke – da gab es für Leo Oppermann im Tor des HSV nichts zu halten. Vier Minuten später bekam der HSV keinen Zugriff auf unser Offensivspiel, Nils Brüning bediente Philipp Müller, der einen Doppelpack zum 3:2 schnürte (69.). Was für eine Comeback nach seiner Verletzungspause! „Er hat noch keine Luft für 90 Minuten. Deswegen hatten wir von vorn herein den Plan, ihn in der zweiten Halbzeit zu bringen, um nochmal für neuen Schwung im Angriffspiel zu sorgen“, so Jens Martens über seinen Matchwinner.

Mit dem Führungstreffer stand plötzlich eine ganz andere Mannschaft auf dem Platz, das Selbstvertrauen kehrte zurück, die Defensive stand, der Ball lief, die Mannschaft kam durch Saad (73.), Lüneburg (77.) und Müller (87./90.+1) zu weiteren Torchancen, während beim HSV offensiv nicht mehr viel passierte. Und auch die fünf Minuten Nachspielzeit überstand unsere Elf schadlos, suchte immer wieder die Eckfahne und nahm so Zeit von der Uhr, bis der erlösende Pfiff kam. „Dass wir nach zwei Rückständen zurück gekommen sind und das Spiel noch gewonnen haben, dazu auswärts, ist richtig geil“, jubelte Martens nach der Partie. „Noch wichtiger ist aber, dass wir die Serie aus fünf sieglosen Spielen gebrochen haben.“

Weiter geht es für uns am kommenden Sonntag beim Spitzenreiter Holstein Kiel (U23).

Unsere Mannschaft:
Lars Huxsohl – Juri Marxen, Yannik Nuxoll, Fabian Grau, Dane Kummerfeld (81. Jasper Hölscher) – Jonas Behounek, Rico Bork (46. Philipp Müller) – Nils Brüning (81. Kangmin Choi), Dylan Williams, Elias Saad (78. Evans Nyarko) – Jan Lüneburg (c)

Tore:
1:0 Robin Velasco (16.)
1:1 Jan Lüneburg (34.; Vorlage: Nils Brüning)
2:1 Jonah Fabisch (50.)
2:2 Philipp Müller (65.; Vorlage: Jan Lüneburg)
2:3 Philipp Müller (68.; Vorlage: Nils Brüning)

Schiedsrichter: Bela Bendowski (Lübeck)

Gelbe Karten: Jonas Behounek (3), Jan Lüneburg (2)

Zuschauer: 180