Herren

Lübeck nutzt Tiefschlaf aus

Vor zwei Wochen in Flensburg verschliefen wir die erste Halbzeit, gerieten mit 0:2 in Rückstand, kämpften uns in die Partie zurück, verkürzten auf 1:2 und hatten die Partie danach weitestgehend im Griff, ohne jedoch noch den Ausgleich erzielen zu können.

Teilweise fühlten wir uns heute an das Spiel in Flensburg erinnert, nur dass es alles schneller ging… Während wir die Anfangsphase im Tiefschlaf verbrachten, war Lübeck gleich voll da – und ging bereits nach einer guten Minute in Führung. Ein Freistoß von Cemal Sezer aus dem Halbfeld flog durch den Strafraum, am langen Pfosten wurde Mateusz Ciapa aus den Augen verloren, der Lars Huxsohl aus kurzer Distanz keine Chance ließ. “Da hat die Zuordnung gefehlt”, war Jens Martens sauer. Schon im Heimspiel gegen St. Pauli sorgte fehlende Zuordnung bei einer Standardsituation zum Gegentor.

Der Schock des frühen Tores saß tief – so tief, dass Lübeck gleich noch einen drauf setzte. Cemal Sezer zog nach Pass von Samuel Abifade einfach mal ab – sein Schuß wäre deutlich am Tor vorbei gegangen, doch in der Mitte bekam Robin Krolikowski in abseitsverdächtiger Position seine Fußspitze noch an den Ball und lenkte diesen zum 0:2 ins Tor (6.).

Nach diesem furiosen Start der Gäste fanden wir langsam in die Partie – profitierten aber auch davon, dass Lübecks Spieler bei guten Pässen in die Spitze immer wieder ins Abseits rannten. Offensichtlich gefährlich wurden wir immer dann, wenn es über die rechte Seite ging. Für das erste Raunen im Publikum sorgte Nils Brüning, der zwei Lübecker stehen ließ und von der rechten Grundlinie in den Strafraum eindrang. Sein Abschluss landete abgefälscht am Außennetz (25.). Sechs Minuten später wurde ein 16-Meter-Schuss Brünings sichere Beute von Gründemann. Auf der Gegenseite prüfte Calvin Brackelmann den stark reagierenden Lars Huxsohl, der auch den Nachschuss von Cemal Sezer parieren konnte (35.). Mirko Boland schaffte es mit seinem Schuss ebenfalls nicht, Huxsohl zu bezwingen (37.).

Kurze Zeit später kochten die Emotionen hoch. Abifade rauschte auf Höhe des Strafraumecks mit beiden Beinen voran in Nils Brüning hinein. Schiedsrichter Niklas Olle zückte umgehend die Gelbe Karte. Auf Grund der Schwere des Fouls forderten unsere Spieler, allen voran Rico Bork, eine Rote Karte für den Lübecker – Schiedsrichter Olle konnte dem Hinweis Borks nichts abgewinnen und bedankte sich für den Hinweis mit einer gelben Karte gegen unseren heute im defensiven Mittelfeld spielenden Linksverteidiger (43). Mit dem Pausenpfiff hätte Jan Lüneburg noch sein hunderstes Eintracht-Tor erzielen können – sein Kopfball flog jedoch über das Tor (45.).

Zur Pause kam Juri Marxen für Evans Nyarko, dafür rückte Jonas Behounek auf die Sechser-Position. Ein Wechsel mit Wirkung: Marxen war sofort auf Betriebstemperatur und rannte und fightete als wäre er nie verletzt gewesen. Paradebeispiel als er in der 55. Minute einen zwei mal verlorenen Ball immer wieder zurückerkämpfte – Alexander Schmitt klärte seine Flanke jedoch zur Ecke. 60 Sekunden später fiel der mittlerweile verdiente Anschlusstreffer. Nils Brüning ging gegen zwei Lübecker ins Dribbling. Einer der beiden Grün-Weißen bekam seinen Fuß dazwischen. Dylan Williams war am gedankenschnellsten, nahm den Ball auf und brachte ihn in die Mitte, wo Elias Saad in Mittelstürmerposition auf 1:2 verkürzen konnte (56.).

Auf der anderen Seite wurden Abschlussversuche von Sezer zwei Mal direkt hintereinander von unserer vielbeinigen Abwehr geklärt (62.). Ähnlich erging es Ciapa und Krolikowski bei ihren Versuchen (64.). Der Schuß des eingewechselten Vjekoslav Taritas ging knapp über das Tor (74.). Es war die einzige richtige Torchance der Lübecker im zweiten Durchgang, während unsere Elf fightete und in den letzten 15 Minuten echtes Pokalfeeling aufkommen ließ.

Das für gewöhnlich wenig enthusiastische Norderstedter Publikum zeigte ein feines Gespür für die Bemühungen und den kämpferischen Einsatz unserer Mannschaft und belohnte gute Szenen – offensiv wie defensiv – mit Szenenapplaus. Insbesondere als nach einem Eckball der Ball in den Lübecker Strafraum flog, aber weder Williams noch der starke Brüning die richtige Lösung fanden, die Kugel im Tor unterzubringen (72.).

Auch die zweite Halbzeit bot einen – oder eher zwei – emotionale Höhepunkte. Zunächst kam Jamie Shalom im Norderstedter Strafraum zu Fall. Wütende Proteste der Lübecker, die hier einen Elfmeter haben wollten, doch Schiedsrichter Olle ließ weiterspielen. Im direkten Gegenzug traf Samuel Abifade ebenfalls im Strafraum am Knöchel – auch hier warteten die Spieler vergeblich auf den Elfmeterpfiff (78.). “Für mich waren das beides Elfmeter”, gab Jens Martens nach der Partie seine andere Sichtweise auf die beiden Situationen zu Protokoll. Dass er das anders sah als der Schiedsrichter, wurde allerdings bereits unmittelbar nach der Aktion klar – Schiedsrichter Olle lief zur Bank und zeigte dem emotionalen Martens die gelbe Karte.

Als sich die Gemüter beruhigt hatten, läutete Eintracht die Schlußphase ein und kam durch den aufgerückten Fabian Grau noch zu zwei Chancen – seinen Schuß wehrte Gründemann mit einer schönen Flugparade ab (87.), dann erwischte er eine Brüning-Flanke nur mit dem Scheitel (90.). Nach vier Minuten Nachspielzeit pfiff Schiedsrichter Olle die Partie ab und bescherte uns trotz 9:0 Eckbällen damit die zweite Niederlage in Folge.

Weiter geht es am kommenden Samstag mit der Auswärtspartie bei der U21 des Hamburger SV, die zur Zeit einen Punkt mehr als wir auf dem Konto haben.

 

Unsere Mannschaft:
Lars Huxsohl – Jonas Behounek, Hamajak Bojadgian (c), Fabian Grau, Dane Kummerfeld – Rico Bork (66. Aladji Barrie), Evans Nyarko (46. Juri Marxen) – Nils Brüning, Dylan Williams, Elias Saad – Jan Lüneburg)

Tore:
0:1 Mateusz Cipa (2.)
0:2 Robin Krolikowski (6.)
1:2 Elias Saad (56.; Vorlage: Dylan Williams)

Gelbe Karte: Rico Bork (4), Jens Martens (1)

Zuschauer: 630

Schiedsrichter: Niklas Olle