Herren

Interview mit Alexandre da Cunha

Nach der langfristigen Verletzung von Juri Marxen brachte unser Trainerteam auf der rechten Defensivseite Youngster Alexandre Rajao da Cunha. Und der spielte zur Begeisterung der Zuschauer so, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Dabei bestritt er vorher nur ein Spiel über 90 Minuten – und das lag schon ein Jahr zurück und endete trotz guter Leistung für ihn unerfreulich. Wir haben uns mit dem 20jährigen Portugiesen, der in Hamburg geboren und in Norderstedt aufgewachsen ist, unterhalten.

EN: „Alex, du hast jetzt die ersten anderthalb Jahre im Herrenbereich hinter dir. Wie zufrieden bist du?“

ADC: „Der Anfang war für mich ziemlich schwer durch den Umschwung vom Jugend- in den Herrenbereich. Der Altersunterschied, die neuen Mitspieler, da musste ich mich erstmal einfinden. Es ist auf jeden Fall eine geile Mannschaft, geile Persönlichkeiten, die es einem ziemlich einfach gemacht haben, da rein zu kommen. Es hätte gerne verletzungsfreier laufen können, aber an sich bin ich ziemlich zufrieden.“

 

EN: „Du hast es angesprochen: Bisher war deine Karriere im Herrenbereich von Höhen und Tiefen geprägt. Nach einigen Kurzeinsätzen in der vergangenen Saison hattest du den Stammplatz direkt vor der Nase, als Juri Marxen auf Weltreise ging. Du hast gegen Drochtersen ein vielversprechendes Startelf-Debüt gefeiert und bist danach verletzt ausgefallen. Diese Saison solltest du dein Startelf-Debüt gegen Phönix Lübeck feiern und hast dich am Morgen des Spiels zuhause verletzt. Wie geht man als junger Spieler mit diesen Rückschlägen um?“

ADC: „Genau gegen Drochtersen hatte ich in der 90. Minute durch einen Pressschlag was mit dem Knie und mir danach im Training den Fuß gebrochen, so dass ich einige Zeit ausgefallen bin. Die Verletzung vor dem Spiel gegen Phönix Lübeck war sehr, sehr deprimierend. Wenn der Trainer dir vor dem Spiel sagt, dass du von Anfang an spielst, die Wochen davor im Training wirklich hart für diese Möglichkeit gekämpft hast und dich dann vor dem Spiel wirklich dumm verletzt, ist das sehr deprimierend und hat mich erstmal runtergezogen. Mein Motto ist aber „Come back stronger.“ Wenn man sich verletzt, nicht aufgeben, sondern immer weiter machen. Wenn Du nicht laufen kannst, arbeite an deinem Oberkörper, arbeite an deinem Spielverständnis, an deinem Taktikverständnis. Selbst wenn man nicht laufen kann, gibt es immer die Möglichkeit, sich weiter zu verbessern. Was ich jedem jungen Spieler aus eigener Erfahrung nur raten kann: Gebt nicht auf, gebt Euer Bestes, macht weiter. Es ist der Herrenfußball, ihr seid noch jung, Eure Zeit wird kommen. Einfach durchziehen!“

 

EN: „Im Oktober standest du drei Mal hintereinander in der Startelf, bis Corona uns ausgebremst hat. Für Außenstehende war es erstaunlich, wie unaufgeregt du auf dem Spielfeld wirktest. Woher nimmst du diese Ruhe?“

ADC: „Ich habe vielleicht ruhig gewirkt, ich muss aber gestehen, dass ich vor den Spielen in der Kabine ziemlich aufgeregt war, weil ich natürlich keine Fehler machen und mich beweisen wollte, ich hatte das Gefühl, ich müsse das Spiel meines Lebens machen. Wenn man dann aber im Spiel ist und dabei komplett fokussiert ist, vergisst man die Aufregung, dann ist man mit den Gedanken nur im Spiel. Da ist kein Platz mehr für einzelne Gedanken, dafür ist das Spiel viel zu schnell.“

 

EN: „Du hast im Frühjahrs-Lockdown wie ein Besessener trainiert, zehn Kilogramm an Muskelmasse zugelegt. Wie hat sich das auf dein Spiel ausgewirkt?“

ADC: „Die zusätzliche Muskelmassen hilft mir insofern, dass ich energischer in die Zweikämpfe gehen kann, dass ich mehr Zweikämpfe gewinne, sowohl im Kopfball- als auch im Laufduell. Auch mental hilft mir das weiter. Ich fühle mich wohler, weiß, dass ich zu hundert Prozent in den Zweikampf gehen kann. Das spiegelt sich dann auch im Spiel wider. Ich denke, dass ich jetzt mehr Zweikämpfe gewinne.“

 

EN: „Was hast du dir für den aktuellen Lockdown als Ziel gesetzt?“

ADC: „Also ich habe nicht vor, wieder zehn Kilo zuzunehmen, dann würde ich nicht mehr richtig laufen können… Aber ich möchte auf dem aktuellen Level bleiben, mich fit halten und ein gesundes Leben führen, damit ich nach dem Lockdown in demselben körperlichen Zustand oder sogar fitter bin als zu Beginn des Lockdowns.“

 

EN: „Wo musst du dich noch verbessern?“

ADC: „Ich bin ein sehr selbstkritischer und ehrgeiziger Typ und mache mir sehr viele Gedanken dazu. Vier Punkte fallen mir dazu ein. Der erste Punkt sind auf jeden Fall meine Flanken, die müssen schärfer und präziser kommen. Der zweite Punkt ist mein Stellungsspiel, da ist noch Luft nach oben. Der dritte Punkt ist mein Kopfballspiel, auch da muss ich noch präziser und besser werden. Und der vierte Punkt ist die Kondition. Ich denke zwar, dass ich eine ganz gute Kondition habe, aber auch da ist noch Luft nach oben. Ich will wirklich die ganzen 90 Minuten ackern und laufen können, bis ich am Ende nicht mehr kann. Dass sind die vier Punkte, wo ich mich meiner Meinung nach noch verbessern sollte.“

 

EN: „Ist es etwas Besonderes für dich, in deiner Heimatstadt zu spielen?“

ADC: „Ich bin wirklich waschechter Norderstedter, ich wohne schon mein ganzes Leben in Norderstedt und war noch nie wirklich außerhalb. Dementsprechend ist es natürlich ein geiles Gefühl für Eintracht zu spielen. Das war aber gar nicht das Ziel. Ich war gar nicht unbedingt fixiert darauf, bei Norderstedt spielen zu müssen, aber diese Möglichkeit, direkt vom Jugendbereich hier in die vierte Liga zu wechseln ist natürlich ein Riesenschritt und eine geile Sache.“

 

EN: „Was ist dein Saisonziel, persönlich sowie mit der Mannschaft?“

ADC: „Mein persönliches Ziel ist natürlich, noch mehr Spielpraxis und Erfahrungen im Regionalligafußball zu sammeln sowie mich in meinen Schwachpunkten zu verbessern, ganz klar. Mit der Mannschaft würde ich die Tabelle gerne als beste Hamburger Mannschaft abschließen und am Ende unter den Top 5 Mannschaften zu stehen.“