Herren

Zwei verlorene Punkte im Kartenfestival

“Gut? Heute wird nichts mehr gut”, entfuhr es Olufemi Smith nach der Partie, sein sichtlich angefressener Trainerkollege Jens Martens sprach “von zwei verlorenen Punkten”. Das 1:1 Unentschieden beim Lüneburger SK hatte Wirkung gezeigt. Dabei ist ein Unentschieden in Lüneburg wahrlich nichts, wofür man sich schämen müsste, vielmehr waren es die letzten 20, 25 Minuten, die Martens und Smith beschäftigten.

Die Partie begann mit einem Doppelschreck. Es waren noch keine 60 Sekunden gespielt, da wird der Ball durchgesteckt auf Lüneburgs Torjäger Malte Meyer, der alleine vor Lars Huxsohl auftauchte. Der eilte aus seinem Tor, machte sich ganz breit und konnte den Ball zur Ecke abwehren. Nur zwei Minuten später kam Lüneburg gefährlich über die rechte Seite, doch Yannik Nuxoll bekam noch seinen Haarspitzen in die Flanke von Nico Hübner, so dass in der Mitte kein Lüneburger daraus Kapital schlagen konnte.

Nachdem die erste Angriffswelle abebbte, bekamen wir besseren Zugriff auf die Partie und eroberten uns nach und nach ein Übergewicht. Die erste gute Möglichkeit hatte Nick Gutmann, als Johann von Knebel den Ball auf Höhe des Elfmeterpunktes auf ihm durchsteckte, doch noch bevor Gutmann an den Ball kam, spitzelte Alexander Gerlach ihm das Runde vom Fuß (11.). Nach 19 Spielminuten drang Juri Marxen in den Strafraum der Gäste ein, wo ihn Marian Kunze von den Beinen holte. Da gab es auch Seitens der Lüneburger keine Diskussionen, korrekte Entscheidung. Evans Nyarko blieb auch dieses Mal cool und verwandelte im dritten Spiel hintereinander souverän zur Führung – bereits sein viertes Saisontor! Nils Brüning vergab die Möglichkeit, noch vor der Pause zu erhöhen, schoss zunächst über das Tor (24.) und scheiterte dann aus spitzem Winkel an LSK-Torhüter Roman Birjukov (42.).

Nach der Pause feierte Rico Bork sein Comeback, ersetzte den gelb-rot gefährdeten Kapitän Jordan Brown, Juri Marxen wechselte auf seine angestammte rechte Seite. Und kaum ging die Partie weiter, lag das 2:0 in der Luft. Die Kugel flipperte quer durch den Lüneburger Strafraum, ehe Birjukov den Ball unter sich begraben konnte (47.). Die nächste Szene gehörte dem sehr aufmerksamen Dylan Williams, der den Ball im Aufbauspiel eroberte, einen Doppelpass mit Johann von Knebel spielte und plötzlich allein auf der Grundlinie stand. Von dort spielte er den Ball zurück in den Rückraum, wo er zum Eckball geklärt wurde. Den brachte Philipp Koch auf den Kopf von Yannik Nuxoll, der das Tor nur um Zentimeter verfehlte (58.).

Dann ließ man in einer teilweise hektischen Partie nach und beging plötzlich Fehler, so dass der LSK spürte “hier geht doch noch was.” Einen wirklich Grund dafür gab es nicht. “Wir waren einfach unkonzentriert”, so Olufemi Smith nach der Partie. Von der Lüneburger Offensive war seit dem furiosen Auftakt nicht viel zu sehen, doch dann schlugen sie eiskalt zu. Malte Meyer hatte den Ball auf der rechten Seite und zog mit kraftvollen Schritten an der Strafraumgrenze entlang Richtung linke Seite – und hatte plötzlich ganz viel Platz. Er passte den Ball auf den besser postierten Hussein Sharba, der sich frei vor Huxsohl die Ecke aussuchen konnte und den Ball an unserem Keeper vorbei ins Netz schob (71.).

Der LSK fasste neuen Mut und versuchte viel – kurz vor Schluß ließ sich sogar der so souveräne Lars Huxsohl von der allgemeinen Unkonzentriertheit anstecken, griff neben den Ball und verursachte so eine Ecke, die allerdings nichts einbrachte. Kurz zuvor schlug Evans Nyarko, der in der zweiten Hälfte von den Lüneburger Fans ausgepfiffen wurde, da er ihrer Meinung nach zu leicht fiel, einen langen Ball auf den eingewechselten Michael Kobert, der für Jan Lüneburg ablegte – da fehlte nicht viel (79.).

Kobert, der nach seiner Verletzung zum ersten Mal seit dem Pokal-Viertelfinale gegen Teutonia 05 Anfang August wieder auf dem Platz stand, war in seinem Saison-Debüt gegen seinen alten Verein übermotiviert – nur drei Minuten nach seiner Einwechselung sah er nach einem Kopf-An-Kopf-Duell mit Philip Wölfing wie sein Gegenspieler Gelb, weitere fünf Minuten stieg er zu beherzt gegen Lukas Pägelow ein, so dass der sehr kartenfreudige Schiedsrichter Marius Schlüwe, der acht Mal Gelb und zwei Mal Gelb-Rot zückte (“Ja, er hat viele Karten gezeigt, aber die konnte man aus meiner Sicht alle geben”), Kobert vorzeitig duschen schickte. Symptomatisch für die Schlußphase der Partie. “Wenn ich schon Gelb habe, darf ich da so einfach nicht hingehen”, kritisierte Jens Martens seinen Joker.

Dass das Spiel nicht doch noch ein Happy End nahm, verhinderte der linke Torpfosten. Nachdem auch Lüneburgs Kapitän Lukas Pägelow nach einem Foul gegen Dylan Williams in der Nachspielzeit mit der Ampelkarte vom Platz flog, setzte Philipp Koch den fälligen Freistoß aus 23 Metern ans Metall, wenige Sekunden später beendete der Schiedsrichter die Partie.

 

Unsere Mannschaft:
Lars Huxsohl – Jordan Brown (c) (46. Rico Bork), Yannik Nuxoll, Evans Nyarko, Juri Marxen – Philipp Koch – Nick Gutmann (78. Michael Kobert), Johann von Knebel, Dylan Williams, Nils Brüning – Jan Lüneburg

Tore:
0:1 Evans Nyarko (19.; Foulelfmeter)
1:1 Hussein Sharba (71.)

Gelb: Jordan Brown, Philipp Koch

Gelb-Rot: Michael Kobert (85.)

Zuschauer: 423

Schiedsrichter: Marius Schlüwe (Laatzen)