Herren

10 Norderstedter fighten HSV nieder

Begeistert verließen die 550 Zuschauer das Edmund-Plambeck-Stadion. “Hammer”, “Sehr sehr geil” oder “Meeeeeeeeeeega” waren die ersten Nachrichten, die nach dem 3:2-Heimsieg gegen die U21 des HSV bei uns eintrafen.

Dabei hatte das Spiel viele Geschichten zu bieten. Zum Beispiel von einer Mannschaft, die sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen lässt. Von dem unglaublichen Verletzungspech, was sich auch heute fortsetzte. Von einer Mannschaft, die sich auch von drei Profi-Leihgaben nicht einschüchtern lässt. Von einem Trainerteam mit glücklichem Händchen. Und natürlich von den vermutlich elf verrücktesten Minuten im Leben des 18jährigen Batuhan Evren.

Bereits nach sechs Minuten waren alle guten Vorsätze dahin. Fabisch flankt in den Strafraum, wo Moritz-Broni Kwarteng zu viel Platz hat, den Ball annehmen kann und zur Führung für den HSV-Nachwuchs versenkt. Kann so eine Anfangsphase noch schlimmer losgehen? Sie kann. Ein schlimmer Fehlpass von Nick Gutmann eröffnet Robin Meißner die Konterchance. Lars Huxsohl eilt aus seinem Tor und wird von Meißner 20 Meter vorm Tor überlaufen, kann den HSVer aber zumindest noch außen abdrängen. Meißner bringt den Ball dennoch auf Tor – doch Fabian Grau ist da und grätscht den Ball von der Linie. Allerdings muss er für diese klasse Rettungstat einen bitteren Preis bezahlen, denn er prallt mit voller Wucht gegen den Torpfosten (10.). “Bestenfalls eine schwere Hüftprellung”, mutmaße Trainer Jens Martens nach der Partie vorsichtig optimistisch, wohlwissend dass wir beim Thema Verletzungen zuletzt sehr selten das Glück auf unserer Seite hatten.

Nun ging es also zunächst zu zehnt gegen die früh angreifenden und lauffreudigen Hamburger. Und wie reagiert unsere elf in Unterzahl? Sie trifft! Blitzschnell geht es auf der rechten Seite über Marxen, Gutmann, von Knebel und wieder Marxen in den Strafraum der Gäste, die flache Hereingabe kann Johann von Knebel noch nicht im Tor unterbringen, doch in der Mitte lauert der mitgelaufene Dylan Williams und ist eine Fußspitze vor Torhüter Oppermann und Kapitän Heil am Ball und spitzelte das Leder zum Ausgleich in die Maschen (13.) – sein erstes Regionalliga-Tor.

Das gab Zeit zum Wechseln – Kapitän Jordan Brown kam für den verletzten Fabian Grau in die Partie, Evans Nyarko rückte in die Innenverteidigerrolle. Der einsatzfreudige HSV drückte weiter, war in der ersten Hälfte die spielbestimmende Mannschaft – und bekam beim 2:1 Geleitschutz. Über Ewerton, neben Jonas David und Aaron Opoku eine von drei Profi-Leihgaben war Ausgangsstation, über Robin Meißner kam der Ball zu Gentrit Limani, der einen Schuß andeutete, dann aber auf den besser postierten Kwarteng ablegte, dessen Strahl im langen Eck einschlug – das ging zu einfach (31.).

Die zweite Halbzeit begann auf überschaubarem Niveau, wirklich Nenneswertes passierte nicht. Bis Martens/Smith mit Jan Lüneburg ihren ersten Joker zogen –  und wenig später mit dem 18jährigen Batuhan Evren den zweiten hinterher. Und plötzlich war Feuer in der Partie. Wie schon bei seinen bisherigen Einwechselungen zeigte sich “Batu” als äußerst belebendes, giftiges Element – und sollte in nur elf Minuten Einsatzzeit das prägende Gesicht der Partie werden.  Bereits mit seinem erste Ballkontakt hätte er das 2:2 erzielen können, scheiterte jedoch an Oppermann.  Nur zwei Minuten später fing Evren einen Pass von Oppermann ab, ging alleine aufs Tor zu… und wurde von Oppermann klar gelegt. Elfmeter! Evans Nyarko übernahm Verantwortung – und traf zum 2:2 (78.).

Und nun rollte die Angriffslawine. Von Knebel verlor den Ball im Hamburger Strafraum, Evren spitzelte die Kugel jedoch mit langem Bein einem Hamburger vom Fuß zu Jan Lüneburg, der für Johann von Knebel ablegte – der Ball landete abgefälscht am Außennetz (83.). Die folgende Ecke trat Philipp Koch, der im zweiten Durchgang viele gute Szenen hatte und mehrere Angriffe der Rothosen frühzeitig abfing und Gegenangriffe einleitete, in die Mitte, wo der HSV Nachwuchs  Jan Lüneburg aus den Augen verlor – der 29jährige donnerte die Kugel aus zehn Metern per Direktabnahme ins Netz. Da gab es nichts zu halten.

Zu halten war auch Batuhan Evren nicht – elf Minuten nach seiner Einwechselung aber im negativen Sinne. An der Außenlinie ging er zu ungestüm gegen Marc Hornschuh zu Werke, traf den HSV-Routinier im jugendlichen Übereifer an der Wade. Da der Ball schon weg war, zückte Schiedsrichter Horn die vertretbare Rote Karte (86.).

So wurden die letzten vier Minuten plus Nachspielzeit noch einmal eng, doch die Mannschaft warf sich mit allem was sie hatte rein in die Partie, die Zuschauer gingen voll mit und feierten jeden Ballgewinn, bis Schiedsrichter Horn nach 93 Minuten die Partie beendete. Für ihren unermüdlichen Einsatz wurden die Jungs gleich dreifach belohnt. Zum einen gab es drei Punkte, zum zweiten muss Dylan Williams einen Kasten Bier für sein Debüt-Tor springen lassen. Und zum dritten gibt es ein freies Wochenende. “Es wird wahrscheinlich das letzte freie Wochenende bis Weihnachten sein”, begründete Trainer Martens die Entscheidung nach den intensiven letzten Wochen. “Das sollen die Jungs genießen.”

Gute News gibt es auch aus unserem Lazarett: Nach dem Wochenende werden voraussichtlich Michael Kobert, Hamajak Bojadgian und Corey Williams wieder ins Training einsteigen können. Inwiefern sie für das Kiel-Spiel am 4. Oktober eine Option werden können, wird sich im Verlauf der Trainingswoche zeigen.

Die Stimmen zum Spiel:

Pit Reimers (Trainer HSV): “Ich denke, dass meine Mannschaft das Spiel in der ersten Hälfte im Griff hatte. Wir haben das von vorn herein gut gemacht, unser Plan ist aufgegangen. Wir sind ein paar mal gut durchgekommen und völlig verdient in Führung gegangen. In der zweiten Halbzeit ist Norderstedt mehr Risiko gegangen und höher angelaufen. Wir hatten Schwierigkeiten, den Ball hinten raus zu spielen und ein wenig die Kontrolle über das Spiel verloren. Wir hatten einige gute Konterchancen, wo wir den letzten Pass nicht gut gewählt haben. Der Ausgleich war dumm gelaufen. Letztendlich hat Norderstedt das Spiel über eine gute Moral noch gedreht.”

Jens Martens: “Wir sind total glücklich über den Sieg, das hat man auch an der Freude der Spieler nach dem Abpfiff gesehen. Die Mannschaft hat über 90 Minuten läuferisch und kämpferisch ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht. Ich glaube, alle Zuschauer die heute hier waren, werden wiederkommen. Und die, die nicht hier waren, sollten gerne mal zu den nächsten Spielen kommen. Wir wollen natürlich auch weiterhin Offensivfußball spielen. Etwas nüchterner betrachtet: In der ersten Halbzeit stimme ich meinem Trainerkollegen zu. Sie sind uns sehr hoch angelaufen, wir hatten Schwierigkeiten uns zu befreien. In der Halbzeit haben wir uns gesagt, dass wir nur ein Tor zurück liegen und noch alles möglich ist. Das hat die Mannschaft mit einer Riesenmoral und enormem Einsatzwillen wettgemacht. In unserer Situation mit den vielen Spielen und den vielen Verletzten war das eine tolle Energieleistung.”

 

 

Tore:
0:1 Moritz-Broni Kwarteng (6.)
1:1 Dylan Williams (13.)
1:2 Moritz-Broni Kwarteng (31.)
2:2 Evans Nyarko (78.; Foulelfmeter; Oppermann an Evren)
3:2 Jan Lüneburg (82.)

Unsere Mannschaft:
Lars Huxsohl – Juri Marxen, Fabian Grau (15. Jordan Brown), Yannik Nuxoll, Dane Kummerfeld (63. Jan Lüneburg) – Philipp Koch – Nick Gutmann, Dylan Williams (75. Batuhan Evren), Evans Nyarko, Nils Brüning – Johann von Knebel

Gelbe Karte: Yannik Nuxoll (1)

Rote Karte: Batuhan Evren (86.; grobes Foulspiel)

Schiedsrichter: Christopher Horn (Lunden)

Zuschauer: 550