Herren

Drei dumme Gegentore, null Punkte

Der neue Rekord lag in der Luft, doch er fiel nicht: Nach acht Auswärtssiegen in Folge gab es zum Saisonauftakt eine 1:3-Niederlage beim SC Weiche Flensburg. Dabei bekamen die Flensburger jedoch reichlich Unterstützung von unserer Mannschaft, die bei allen drei Toren fleißig mithalf.

Dass es nicht unser Tag werden würde, war früh zu erahnen: Ein Stau an der Rader Hochbrücke kostete uns auf der Anfahrt eine knappe Stunde Zeit, zudem blieben auf der Bank zwei Plätze frei – zu viele Spieler mussten verletzungsbedingt passen. Als dann Jordan Brown nach nur sechs Minuten bei dem Versuch, nach dem ersten Flensburger Eckball einen Konter zu initiieren, vor der Flensburger Trainerbank abgeräumt wurde und es keine gelbe Karte gab, wurde klar, dass wir auch von der Seite keine Unterstützung erwarten konnten – was sich im weiteren Verlauf der Partie bestätigen sollte.  Zu allem Überfluss halfen wir dann auch noch selber mit, als Dominic Hartmann einen Freistoß von der linke Seite in die Mitte schlug und Torge Paetow, der am langen Pfosten völlig aus den Augen verloren wurde, das Leder aus kürzester Distanz unter die Latte knallte (11.). Das Tor kam wie eine kalte Dusche, denn bis dahin hatte unsere Mannschaft mit gefühlten 80% Ballbesitz die Partie in der Hand.

Das Führungstor ließ die Gastgeber nun deutlich besser in die Partie kommen, doch Torchancen blieben auf beiden Seiten Mangelware – auch das ist in einem Spiel gegen Weiche Flensburg, die traditionell über eine exzellente Abwehr verfügen, die wenig zulässt, Normalzustand. Johann von Knebel hätte für Norderstedter Jubel sorgen können, als er zunächst Patrick Thomsen und dann Torhüter Florian Kirschke aussteigen ließ, Torge Paetow aber mit dem langen Bein für seinen geschlagenen Torhüter kurz vor der Linie rettete. Jubeln konnten dagegen die Flensburger. Dominic Hartmann ließ Dane Kummerfeld und Jordan Brown stehen und kam dann im Duell mit Kummerfeld zu Fall – Elfmeter. Dabei verletzte sich Kummerfeld auch noch am Außenband, musste noch vor der Pause ausgewechselt werden. Flensburgs Däne Casper Olsen ließ sich die Chance nicht entgehen und erhöhte auf 2:0 (33.).

Der Treffer zeigte Wirkung. Das Norderstedter Spiel war bis zur Pause nicht wiederzuerkennen. Unkonzentriertheiten und Ungenauigkeiten häuften sich, unnötige Fehlpässe und Fouls ließen jeglichen Spielfluß vermissen. Und pünktlich zur Pause gab es dann noch Geschenk Nummer 3. Dominic Hartmann trat einen Freistoß, dieses Mal von der rechten Seite, in den Fünf-Meter-Raum. Am langen Pfosten stand Jan Lüneburg und bekam den Ball gegen die Brust. Von dort sprang der Ball an den Innenpfosten und weiter in die Tormitte, wo der kurz zuvor eingewechselte Finn Wirlmann am schnellsten reagierte und die Kugel irgendwie über die Linie drückte (45.+3). Jens Martens zeigte sich zur Pause angefressen. “Wir haben immer wieder auf die Gefährlichkeit der Flensburger bei Standards hingewiesen. Und dann bekommen wir drei Gegentore nach Standards.”

Die Pausenansprache zeigte Wirkung, im zweiten Durchgang konnte man die Partie wieder offen gestalten, zeigte sich ebenbürtig mit den Flensburgern. Allen voran Nick Gutmann auf dem rechten Flügel und der eingewechselte Nils Brüning auf der linken Außenbahn sorgten mit ihren schnellen Vorstößen für Belebung. So spielte Philipp Koch einen geschickten langen Ball auf Nick Gutmann, der nur noch Torhüter Kirschke vor sich hatte. Pastor Santos hatte seine Hände an Gutmann dran, der zu Fall kam – Schiedsrichter Rosenthal entschied auf Weiterspielen (56.). Eine Minute später schickte Lüneburg Gutmann auf die Reise, der den Ball von der Grundlinie in die Mitte brachte. Dort kam Nils Brüning aber nicht mehr entschieden genug an den Ball (57.). Auf der Gegenseite verfehlte Nico Empen das Tor mit seinem ersten Ballkontakt knapp, zielte knapp am langen Pfosten vorbei (60.).

Keine fünf Minuten später brachte Jordan Brown eine Flanke aus dem Halbfeld in die Mitte, wo Nils Brüning per Kopf angerauscht kam – Torge Paetow warf sich dazwischen, der Ball landete wiederum bei Brüning, der von Kevin Njie klar ersichtlich am Trikot gezogen wurde und den Ball daher nicht verwerten konnte. Mehrere Norderstedter stürmten auf Schiedsrichter Rosenthal ein, der erneut keinen Elfmeter gesehen hatte (64.). Puh. Doch unsere Elf ließ sich auch davon nicht beirren und ackerte weiter. Brüning vernaschte auf dem linken Flügel zwei Flensburger, spielte den Ball an den Fünf-Meter-Raum, wo Torge Paetow erneut eine Fußspitze vor Jan Lüneburg am Ball war (70.). Auf der Gegenseite parierte der bedauernswerte Lars Huxsohl, der kaum Möglichkeiten bekam sich auszuzeichnen, einen Olesen-Freistoß mit den Fäusten (75.), im Gegenzug verfehlte Jan Lüneburg mit einem Schuß aus 18 Metern das Flensburger Tor nur um Zentimeter (76.), ehe Nils Brüning die Norderstedter Angriffsbemühungen schließlich belohnte. Jordan Brown spielte aus der eigenen Hälfte einen langen Ball über 50 Meter direkt auf die andere Seite in den Fuß von Brüning, der Njie abschüttelte, Paetow mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen ließ und aus 15 Metern traf (81.). Doch das Tor kam zu spät, mehr war nicht mehr drin, so dass wir ohne Punkte nach Hause mussten. “Wir waren heute nicht die schlechtere Mannschaft”, resümierte Jens Martens. “Aber in Sachen Effektivität hat uns Weiche heute einiges vorgemacht. Daher ist der Sieg verdient.”

Jens Martens: “Wir sind mit unserer Mannschaft heute sehr unzufrieden. Wir haben auf Standard-Situation und ähnliche Qualitäten von Weiche hingewiesen, das steckt sogar jetzt noch in unserer Kabine an der Tafel. Wir haben drei Standard-Situationen heute gegen uns gekriegt und dadurch mit 3:0 fast aussichtslos zurückgelegen. In der zweiten Halbzeit hatten wir durch Nick Gutmann in der 50. Minuten die Möglichkeit, noch eher ranzukommen, dann hätten wir noch 40 Minuten Zeit gehabt. Weiche hat defensiv relativ wenig zugelassen, wir haben gegenan gespielt aber zu wenig Torchancen erarbeitet. Wir sind enttäuscht, haben uns hier heute mehr vorgenommen.”

Thomas Seeliger (Trainer Weiche Flensburg): “Wir sind alle überglücklick, dass wir nach der langen Corona-Pause das erste Spiel gegen eine Mannschaft gewonnen haben, die eine hervorragende letzte Saison gespielt und heute in fußballerischer Art und Weise nachgewiesen hat, dass es eine Mannschaft ist, mit der man rechnen muss. Wir haben nicht alles richtig gemacht. Wir wollen vorne pressen, was uns nicht so richtig geglückt ist, manchmal waren wir mit dem Ball zu unruhig. Die Truppe hat in kämpferischer und läuferischer Hinsicht alles gegeben. Auch wenn nicht alles Gold war was geglänzt hat, so kann es weitergehen. Es war ein toller Start, nicht mehr und nicht weniger.”

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Tore:
1:0 Torge Paetow (11.)
2:0 Casper Olsen (33.; Foulelfmeter)
3:0 Finn Wirlmann (45.+3)
3:1 Nils Brüning (81.; Vorlage: Jordan Brown)

Unsere Mannschaft:
Lars Huxsohl – Juri Marxen (62. Alexandre Rajao da Cunha), Yannik Nuxoll, Fabian Grau, Dane Kummerfeld (43. Nils Brüning) – Philipp Koch – Nick Gutmann, Evans Nyarko, Johann von Knebel, Jordan Brown (c) – Jan Lüneburg

Schiedsrichter: Max Rosenthal (Bad Schwartau)

Zuschauer: 425