Herren

Finale erreicht!

Groß war die Erleichterung nach dem Schlußpfiff. Mit einem über 90 Minuten gesehen verdienten 3:2-Sieg gegen Altona 93 ziehen wir ins Pokalfinale ein, wo es am kommenden Samstag um 14.45 Uhr gegen den starken Oberligisten TSV Sasel geht (3:0-Sieg beim SV Rugenbergen).

Der Weg zum 3:2-Sieg war jedoch ziemlich steinig – und die meisten Steine haben wir uns dabei selbst in den Weg gelegt. Das Wetter bot sonnige 30 Grad, der Rasen glich einem Teppich, mit Ausnahme vom verletzten Hamajak Bojadgian (für ihn spielte Yannik Nuxoll) und dem gesperrten Rico Bork (für ihn rückte Nils Brüning in die Startelf) konnte unser Trainer-Duo dieselbe Elf wie gegen Teutonia aufs Feld schicken, die Experten-Runde betrachtete unsere eingespielte Elf als leichten Favoriten gegenüber den neu zusammen gestellten Altonaern.

Doch schon nach 93 Sekunden die kalte Dusche: Philipp Koch spielte nach eigenem Einwurf aus der Altonaer Hälfte einen viel zu unpräzisen Rückpass in den Lauf von Aladji Barrie, der Yannik Nuxoll abschüttelte, Lars Huxsohl umkurvte und zur Gästeführung einschob (2.).

Doch der Schock dauerte nicht lange an, unsere Elf übernahm die Kontrolle über die Partie und fand insbesondere in Person von Johann von Knebel und Nick Gutmann immer wieder Lücken in der Altonaer Abwehr, durch die beide mit ihrer Schnelligkeit stießen und für Torgefahr sorgten. Auffällig:  Gefährlich wurde es immer dann, wenn von den Außen hohe Bälle in Richtung des sehr lauffreudigen Sturmtanks Jan Lüneburg kamen.

Und so ließ der Ausgleich nicht lange auf sich warten: Johann von Knebel hatte das Auge für Jordan Brown, der am rechten Strafraumeck mit Nick Gutmann per Hacke sehenswert Doppelpass spielte, Brown brachte den Ball von der Grundlinie scharf in den Strafraum, wo Dallas Aminzadehs Klärungsversuch völlig mißlang und er den Ball stattdessen ins eigene Tor abfälschte (16.).

Fünf Minuten später drehte sich das Blatt vollends für die Roten: Philipp Kochs Eckball flog ungehindert durch den Strafraum und landete bei Johann von Knebel, der den Ball am langen Pfosten seelenruhig annehmen und aus zwei Metern Entfernung aus der Drehung zum 2:1 ins Netz dreschen konnte (21.).

Nun hatte die Martens/Smith-Elf die Partie im Griff und gleich mehrfach die Chance, die Führung auszubauen. Jan Lüneburgs Schuss aus der Drehung (29.) konnte Tobias Braun im Tor der Altonaer, der geistesgegenwärtig die Fäuste hoch riss, parieren. Lüneburg (38.) und Nuxoll (42.) zielten mit ihren Kopfbällen knapp zu hoch, nach einer wunderbaren Vorarbeit von Lüneburg, der den Ball über die Verteidiger in den Lauf von Nick Gutmann lupfte, lag der Ball schon im Netz – doch Gutmann stand beim Abspiel einen halben Meter im Abseits (41.).

Als alle schon gedanklich in der Pause waren, ertönte plötzlich aus dem Nichts ein Pfiff: Elfmeter für Altona. Was war passiert? Juri Marxen stolperte an der Außenlinie, von Moritz Kloß unter Druck gesetzt, über seine eigenen Füße, plötzlich hatte Kloß den Ball und brach durch Richtung Strafraum, ließ sich weder von Nuxoll noch von Marxen vom Ball trennen, Koch ging etwas ungestüm in die Szene und traf Kloß kurz hinter der Strafraummarkierung, Schiedsrichter Porsch zeigte sofort auf den Punkt. Aladji Barrie ließ sich die Chance nicht nehmen und traf per Elfmeter zum in dieser Phase überraschenden Ausgleich (45.+1).

Der Schock saß tief: Nach der Pause erhöhte Altona den Druck, spielte deutlich forscher auf als im ersten Durchgang – das zeigte Wirkung. Ungeahnte Stockfehler, viele Ungenauigkeiten und Fehlpässe zierten plötzlich unser Spiel, die Sicherheit des ersten Durchgangs war wie weggeblassen. Es hätte nicht viel gefehlt und Aladi Barrie hätte seinen dritten Treffer erzielt. Sein abgefälschter Schuß landete jedoch neben dem Tor (54.). Was unsere Elf in dieser Phase bot erweckte nicht den Eindruck, als wollte man unbedingt ins Finale.

Doch was dann passierte, erinnerte stark an die erste Hälfte. Dort hatten wir Altona gut im Griff, das 3:1 lag in der Luft und aus dem Nichts glich der AFC aus, Hier war es umgekehrt, die Gäste hatten mehr Spielanteile, schnupperten am 3:2 – doch dann stand Jan Lüneburg da, wo ein Stürmer eben stehen muss. Koch hatte das Auge für Kummerfeld, der den Ball präzise auf den zweiten Pfosten flankte, wo Jan Lüneburg in die Luft stieg und aus kurzer Distanz einnickte (68.). Vorlagengeber Dane Kummerfeld zeigte mit einem breiten Grinsen eine 1 und eine 5 Richtung Haupttribüne. Warum? Dort saß unsere Nummer 15, Rico Bork, der beim vorangegangenen Spiel gegen Teutonia die Ampelkarte sah. “Rico hat sich für uns geopfert, daher war es mir wichtig”, sagte der unermüdliche Kummerfeld nach der Partie. “Ich habe ihm versprochen, dass ich alles gebe, damit wir beide nächste Woche im Finale stehen.”

Der Treffer stellte den Spielverlauf der zweiten Halbzeit auf den Kopf, hatte aber entscheidende Wirkung: Plötzlich war die Ballsicherheit wieder da, die Souveränität kehrte ins Spiel zurück. Lüneburg (74.) und Gutmann (80.) hätten den Deckel drauf machen können, auf der Gegenseite verpasste Wohlers den Ausgleich (81.) – nach fünf Minuten Nachspielzeit hatte Schiedsrichter Fabian Porsch genug gesehen, pfiff die Partie und ab und schickte uns damit ins Finale an die Hoheluft. Oder an die Wolfgang-Meyer-Sportanlage, wie bei Amateur-Fussball-Hamburg.de zu lesen war. Trainer Jens Martens war es egal. “Wir haben immer gesagt, wir sehen es sportlich. Wir spielen da, wo sie uns hinschicken.”

Weniger egal war ihm dagegen die Leistung seines Teams, mit der Martens gar nicht einverstanden war. “Wir haben es uns das Leben durch die beiden katastrophalen Gegentore selbst schwer gemacht. Wir waren heute nicht spielstark, haben viele technische Fehler gemacht, haben zu spät abgeschlossen. Unterm Strich bleibt aber stehen: Wir haben unser Ziel erreicht und sind glücklich, im Finale zu stehen. Jetzt wollen wir das Finale gewinnen und gegen Leverkusen spielen.”

Noch kritischer war lediglich sein Vize-Kapitän Philipp Koch, der an vier der fünf Tore beteiligt war und seine Leistung wie gewohnt mit einem flotten Spruch bewertete. Auf die Frage der Medienvertreter, welche Schulnote er seiner eigenen Leistung geben würde, antwortete er “eine Sieben gibt es ja leider nicht.” Warum? “Wenn man zwei Tore für den Gegner schießt, kann das ja nicht so gut sein.” Koch konnte sich aber zumindest darüber hinweg trösten, dass er auch an zwei Toren auf der “richtigen Seite” beteiligt war und es am Ende eben doch für den Einzug ins Finale reichte, wo es am kommenden Samstag um 14.45 Uhr gegen den TSV Sasel geht. Das Spiel könnt ihr in der großen “Tag der Amateure”-Konferenz in der ARD sehen oder als Einzelspiel in der ARD-Mediathek. Nähere Informationen zum Spiel folgen, sobald sie uns vorliegen.

Unsere Mannschaft:
Lars Huxsohl – Juri Marxen, Fabian Grau, Yannik Nuxoll, Dane Kummerfeld – Philipp Koch – Nick Gutmann (89. Dominik Akyol), Jordan Brown (c), Johann von Knebel, Nils Brüning (56. Evans Nyarko) – Jan Lüneburg (90.+3 Alexandre Rajao da Cunha)

Tore:
0:1 Aladji Barrie (2.)
1:1 Dallas Aminzadeh (16.; Eigentor; Vorlage: Jordan Brown)
2:1 Johann von Knebel (21.; Vorlage: Philipp Koch)
2:2 Aladji Barrie (45.+1; Foulelfmeter, Koch an Kloß)
3:2 Jan Lüneburg (67.; Vorlage: Dane Kummerfeld)

Gelbe Karten: –

Schiedsrichter: Fabian Porsch (Ohe)