Herren

10 Norderstedter verpassen Überraschung

Trotz großer personeller Sorgen hatten wir den großen Favoriten aus Wolfsburg 75 Minuten am Rande der Niederlage. Dann ließen die Kräfte unserer Jungs, die auf dem nassen Rasen seit der 40. Minute nur noch zu zehnt waren, nach und die Jungwölfe spielten ihre Qualität aus.

Doch der Reihe nach. Vor Spielbeginn stand mit Rico Bork lediglich ein gesunder Außenverteidiger zur Verfügung. Auf der rechten Seite fielen Jordan Brown (Muskelfaserriss) und Alexandre da Cunja (Fußbruch) aus, Juri Marxen hat nach drei Monaten Weltreise erst zwei Mal wieder trainiert und saß lediglich als Backup auf der Bank, zumal Dane Kummerfeld angeschlagen war und ebenfalls nur auf der Bank Platz nehmen konnte. Unser Trainerteam musste also kreativ werden, setzte den etatmäßigen Innenverteidiger auf die Rechtsverteidigerposition und nahm überraschend U19-RV Theo Behrmann mit ins Aufgebot.

Bitter: Nach einem Foul von Julian Justvan musste der letzte verbliebene Mohikaner Rico Bork noch in der ersten Halbzeit mit Verdacht auf Gehirnerschütterung vom Platz, der angeschlagene Dane Kummerfeld musste spontan doch auf den Platz – und das ohne sich vorher vernünftig warmmachen zu können (37.).

Zu allem Überfluss schickte Schiedsrichter Alexander Roppelt nur drei Minuten später Hamajak Bojadgian mit der Ampelkarte vom Platz (40.). „Ich ziehe noch zurück, treffe ihn aber. Es war keine Fehlentscheidung“, musste Bojadgian nach der Partie zugeben. Auch sein Trainer Jens Martens pflichtete bei: „Da muss er sich cleverer verhalten und so nicht hingehen.“ Auch wenn es regelkonform war, blieb es eine harte Entscheidung, da es erst sein zweites Foul in der Partie war und beide mit gelb geahndet worden. Martens wunderte sich allerdings über die Bewertung des Schiedsrichters. „Rico hat sich eine Gehirnerschütterung zugezogen. Da fehlt mir ein bisschen die Verhältnismäßigkeit, wenn er (Anm: Julian Justvan) ihn so abräumt und ohne Verwarnung bleibt, während wir für die ersten Fouls direkt Gelb kriegen.“

Fußball gespielt wurde übrigens auch – und das über lange Zeit richtig gut. „Wir haben in den ersten 20 Minuten zu viel Respekt gehabt und zu wenig Mut bei eigenem Ballbesitz gezeigt“, kritisierte Wölfe-Coach Ziehl nach der Partie seine Equipe. Und das nutzte unsere Elf: Nach einem Bork-Freistoß musste Kasten mit der Faust gegen Nils Brüning retten (6.), ein Schuß von Rico Bork landete abgefälscht auf dem Tor (9.). Die folgende Ecke sorgte dann aber für Jubelstürme. Rico Bork brachte den Ball in die Mitte, wo Yannik Nuxoll sie in Uwe-Seeler-Manier mit den Hinterkopf zur frühen Führung ins Tor verlängerte (10.). Wolfsburg kam durch einen Freistoß von Rizzi zu einer guten Torchance, die jedoch Beute des sehr gut aufgelegten Lars Huxsohl wurde (14.). Auch Marmoush (21.) und Brüning (24.) sorgten für Torgefahr. Szenenapplaus verdiente sich Michael Kobert nach einer halben Stunde. Er rannte sich in der Sturmspitze die Lunge aus dem Leib, rutschte weg, stand auf und warf sich in den nächsten Ball, um so immer wieder erfolgreich die Wolfsburger zu Fehlern im Aufbauspiel zu zwingen.

In der 32. Minute musste Rico Bork verletzt vom Feld, so dass unsere Mannschaft fünf Minuten Unterzahl zu überstehen hatte, bevor Dane Kummerfeld kommen konnte. Um ein Haar hätten die Wolfsburger das zum Ausgeich genutzt, doch zunächst konnte Huxsohl stark parieren, den zweiten Ball köpfte Abifade an die Latte (35.). Kaum waren wir wieder komplett, waren wir nach der Ampelkarte für Bojadgian gleich wieder zu zehnt, doch dank eines starken Lars Huxsohl, der gegen Justvan (41.) und Marmoush (43.) Sieger blieb, gingen wir mit der Führung in die Halbzeitpause.

Wer nun dachte: ‚Hinten rein stellen und auf Konter setzen‘, wurde überrascht, denn das Team in Unterzahl schlug zu. Amamoo setzte sich gegen zwei Wolfsburger durch und fand die Lücke für Brüning, der Kasten im Wölfe-Tor umkurvte und aus spitzem Winkel auf 2:0 erhöhte (54.). Doch fünf Minuten später die nächste Hiobsbotschaft: Evans Nyarko knickte mit dem Knie weg und musste verletzt ausgewechselt werden („Er sagt, es sei nicht so schlimm. Morgen wird es da eine Untersuchung geben.“), Juri Marxen kam nach 59 Minuten zu seinem Comeback. Und wer weiß, wie die Partie ausgegangen wäre, wenn Nathaniel Amamoo nach 70 Minuten nicht einen halben Meter am Tor vorbei geschossen hätte… stattdessen schwanden bei unserem Jungs die Kräfte, der Druck der Wolfsburger nahm zu. Hatten die Wolfsburger vorher noch eine breite Streuung in ihren Abschlüssen, machte es Yannik Möker besser und traf aus dem Gewühl heraus zum 2:1 (75.), Marmoush glich nur drei Minuten später mit einem sehenswerten Schuss aus 18 Metern aus (78.). In der Folge entwickelte sich ein echter Pokalfight – nur eben ohne Pokal. Einen erwähnenswerten Wechsel gab es noch: Theo Behrmann kam nach 81 Minuten für Nathaniel Amamoo und gab damit sein Debüt im Herrenbereich. Das erste was er sah, war ein Abseitstor der Gäste (83.), gefolgt von einer weiteren Flugeinlage von Lars Huxsohl (85.). Nachdem die Gäste durch Stach auch noch in Führung gingen (86.), hatten wir noch die Chance zum Ausgleich auf dem Fuß. Johann von Knebel setzte sich stark gegen zwei Wolfsburger durch und passte zum aufgerückten Fabian Grau, der den Ball direkt vorm Tor aber leider in die Arme von Keeper Kasten schob (88.). Und wie es dann eben so ist, setzten die Gäste durch einen stark abseitsverdächtigen Konter durch Marmoush in der Nachspielzeit noch den Schlusspunkt unter eine Partie, die uns zwar auf der einen Seite enttäuscht, auf der anderen Seite aber auch stolz auf unsere Mannschaft machen kann. „Wir sind stolz, wie die Mannschaft Paroli geboten hat“, fasste Jens Martens die Gemütslage des Trainerteams zusammen. „Es war schade, dass wir nicht noch das 3:3 machen. Das wäre das i-Tüpfelchen gewesen. So müssen wir mit der Niederlage leben. Ich habe den Jungs gesagt, dass sie ihre Traurigkeit mitnehmen können, aber zuhause darüber nachdenken dürfen, dass sie ein gutes Spiel gemacht haben.“

Tore:
1:0 Yannik Nuxoll (10.; Vorlage: Rico Bork)
2:0 Nils Brüning (54.; Vorlage: Nathaniel Amamoo)
2:1 Yannik Möker (75.)
2:2 Omar Marmoush (78.)
2:3 Anton Stach (86.)
2:4 Omar Marmoush (90.+1)

Unsere Mannschaft
Huxsohl – Bork (37. Kummerfeld), Nuxoll, Bojadgian, Grau – Koch (c) – Brüning, von Knebel, Nyarko (59. Marxen), Amamoo (81. Behrmann) – Kobert

Gelb-Rot: Bojadgian

Gelb: Koch (6), von Knebel (2)

Zuschauer: 470