Nachwuchs Verein

Unsere Jugendleitung im Interview

Das Hamburger Abendblatt hat am Samstag ein spannendes Interview mit unserer Jugendleitung veröffentlicht, das wir Euch nicht vorenthalten wollen.

Frischer Wind im Nachwuchsbereich des Fußballclubs Eintracht Norderstedt: Seit Dezember 2019 leiten Ricardo Leu (36) und Michaela Klare (44) als Nachfolger des aus beruflichen Gründen ausgeschiedenen Ekkehard Bushe die Jugendabteilung. Leu, ausgebildeter Kaufmann, ist als angestellter Einkaufs- und Gebäudemanager tätig und coachte diverse Jugendteams der Eintracht. Er vertritt die Jugendsparte im Vorstand. Klare ist Trainerin der 3. D-Jugend und arbeitet als Jugendsachbearbeiterin bei der Norderstedter Polizei. Im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt stellt das Duo seine revolutionären Ideen vor.

Hamburger Abendblatt: Frau Klare, Herr Leu, aus welcher persönlichen Motivation haben Sie die Leitung der Jugendabteilung bei Eintracht Norderstedt übernommen?

Michaela Klare: Ich bin vor drei Jahren bei der Eintracht reingerutscht, weil mein Sohn hier Fußball spielt. Durch meine Tätigkeit als Trainerin hat sich die Bindung zum Verein noch verstärkt. Und mein Beruf bringt es mit sich, dass ich mich über jeden Jugendlichen freue, der nicht auf der Straße abhängt, sondern Fußball spielt.

Ricardo Leu: Seit 2011 bin ich Jugendtrainer bei der Eintracht, der Verein ist auch mir ans Herz gewachsen. Gemeinsam mit Michaela und allen Beteiligten verfolge ich ein Ziel: Eintracht Norderstedt soll wieder die dritte Kraft im Hamburger Jugendfußball hinter dem HSV und dem FC St. Pauli werden. Momentan sind wir das leider nicht mehr. Der ETV und der Niendorfer TSV haben uns bei der A- und B-Jugend überholt. Und in der C-Jugend steht der Glashütter SV besser da als wir.

Wie konnte das passieren?

Leu: Weil wir geschlafen haben. Andere Clubs haben ihre Kinder und Jugendlichen besser ausgebildet und ihre Trainer besser begleitet. Das müssen wir uns ehrlich so eingestehen.

Eintracht Norderstedt setzt also künftig auf noch mehr auf Auslese?

Klare: Falsch. Wir werden es anders machen. Bisher ist unser Verein ja so strukturiert, dass kaum Kinder den Übergang von der E- in die D-Jugend geschafft haben…

Wegen des in der Satzung verankerten Leistungssportprinzips?

Klare Genau! Zwölf Kinder hätten vor Kurzem den Verein verlassen müssen, denn ab der D-Jugend holt die Eintracht eigentlich nur auswärtige Spieler von anderen Vereinen. Ich habe gesagt: Das mache ich nicht mit! Also habe ich eine 3. D-Jugend aufgemacht, die Spieler konnten bleiben. Drei von ihnen haben einen großen Sprung gemacht und besitzen nun das Potenzial, um in der 1. D-Jugend zu spielen. Die 3. D-Jugend ist zudem von zwölf auf 25 Spieler angewachsen. Dieses Beispiel veranschaulicht unser Konzept.

Leu: Es geht uns um eine bessere Verzahnung von Breiten- und Spitzensport. Wenn wir in der Breite besser werden, werden wir die Spitze besser bedienen können. Haben wir mehr Spieler, können sich mehr Spieler entwickeln. Im Idealfall stoßen drei pro Team vom reinen Breiten- in den Leistungssportbereich.

Aber dafür müssten sie das Leistungssportprinzip in seiner jetzigen Form aus der Vereinssatzung streichen…

Leu: Ja. Das ist bereits mit dem Vorstand besprochen. Wir haben schon das Okay dafür und werden die Satzung entsprechend umgestalten. Aktuell hat die Eintracht 18 Jugendmannschaften, die Abteilung ist circa 300 Mitglieder stark.

Setzen Sie sich eine Zahl als Ziel?

Klare: Nein. Wir freuen uns über jedes Kind und jeden Jugendlichen, der bei uns spielen will.

Leu: Und wir möchten mindestens eine Mädchenmannschaft aufbauen.

Wie wollen Sie den Imagewandel anschieben? Die Eintracht wird ja bislang nicht gerade als Breitensportverein wahrgenommen.

Klare: Wir möchten die Bindung der Kinder und Jugendlichen an den Verein stärken. So werden beispielsweise bei jedem Heimspiel der Regionalliga-Mannschaft künftig Einlaufkinder mit den Spielern aufs Feld gehen. Immer eine auswärtige Jugendmannschaft und eine von uns. Für die Kleinen ist das ein Riesenerlebnis.

Leu: Außerdem wollen wir ab Februar mit den Kitas zusammenarbeiten, von März an veranstalten wir Feriencamps in Kooperation mit den Laufprofis, an circa zwölf Wochen im Jahr. Und ab dem zweiten Halbjahr des Jahres bieten wir Schul-AGs in sieben Schulen an. Dazu haben wir ein Athletikkonzept von der U 6 bis zur U 19 entwickelt.

Die Feriencamps sollen nach unseren Informationen fußballspezifische Alleinstellungsmerkmale besitzen?

Leu: Ja. Unser Paket ist da in Deutschland wirklich einzigartig. Neben den klassischen Vorzügen wie Trainingskleidung, hervorragenden Trainern und gesundem, leckeren Essen bieten wir eine Ballkanone, eine Laser-Sprintmessung, ein Speedcourt-Mobil für schnelle Bewegungen, eine Skill-Arena…

Wie läuft es mit den Anmeldungen?

Leu: Prima. Wir hoffen, es bleibt so.

Wie haben wir uns Ihren Führungsstil vorzustellen? Veränderungen muss man ja auch durchsetzen und moderieren…

Leu: Es geht nur im Team. Wir geben zwar den Weg vor, sind aber für jede Anregung dankbar. Mein Motto: Miteinander reden hilft immer!

Klare: Gerade als Mutter komme ich eher aus der pädagogischen Ecke. Ich glaube, Ricardo und ich werden uns sehr gut ergänzen. Was uns besonders wichtig ist: Die Jugendtrainer haben so viele tolle Ideen. Wir wollen ihnen zuhören und sie so gut wie möglich einbinden.