Nachwuchs Verein

Interview: Jugendleiter Ricardo Leu

Vor knapp zwei Wochen wurde Ricardo Leu (36) auf der Mitgliederversammlung als neuer Jugendleiter bestätigt. Bereits in den Monaten davor, als feststand, dass der bisherige Jugendleiter Ekkehard Bushe sein Amt aufgibt, war der dreifache Familienvater nahezu täglich auf dem Vereinsgelände zu sehen und führte unzählige Gespräche. Zwischen all den Terminen fand Ricardo auch einmal kurz Zeit, um sich vorzustellen.

EN: „Herzlichen Glückwunsch zu deiner neuen Position, Ricardo. Du bist ja schon eine gefühlte Ewigkeit bei Eintracht. Seit wann bist du hier tätig?“

RL: „Ich bin seit 2011 bei Eintracht Norderstedt. Ursprünglich komme ich aus Brandenburg, das hört man auch am Dialekt („zweitausendölf“). Ich habe in den letzten Jahren diverse Mannschaften in der A-, B- und C-Jugend trainiert. Nun habe ich das Amt des Jugendleiters übernommen und freue mich riesig auf die Aufgabe, weil ich hier großes Potenzial sehe.“

EN: „Worauf legst du in deiner Arbeit als Jugendleiter jetzt erst einmal den Fokus?“

RL: „Wir wollen uns erst einmal in den jungen Jahrgängen breiter aufstellen, das heißt zusätzliche Mannschaften anbieten. In den älteren Jahrgängen wollen wir die Qualität erhöhen. Außerdem haben wir mehrere Projekte angestoßen, die mir sehr am Herzen liegen. Wir werden in Zukunft Feriencamps machen, wir bieten Talentgruppen an und wollen mit den Norderstedter Schulen zusammenarbeiten. Zudem wollen wir auch uns auch intensiver um die Trainer kümmern, diese mehr fördern und coachen. Wenn unsere Trainer besser werden, werden auch die Spieler und die Mannschaften besser.“

EN: „Was sind deine kurzfristigen sportlichen Ziele im Jugendbereich?“

RL: „Grundsätzlich wollen wir mit allen Mannschaften besser werden und dahin kommen, wo wir schon einmal waren. Wir wollen in den nächsten zwei, drei Jahren mit unserer B-Jugend in die Regionalliga aufsteigen und ab und zu mit der A-Jugend um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielen. Das sieht ja aktuell schon ganz gut aus (Anm.: Die U19 ist aktuell Dritter in der Regionalliga). Wenn wir auch in den unteren Bereichen besser werden, würden wir natürlich auch mit der C-Jugend gerne in der Regionalliga spielen.“

EN: „Der DFB hat gerade bekannt gegeben, dass er die Zuschüsse für die Mannschaften der A- und B-Regionalligen streicht. Über die Entscheidung, 150 Millionen Euro in ein DFB-Nachwuchszentrum zu stecken, gleichzeitig aber 500.000 Euro an Zuschüssen für die Jugendarbeit kleinerer Vereine zu streichen, kann man nur den Kopf schütteln, weil viele Vereine auf diese Unterstützung angewiesen sind und nun ernsthaft überlegen, überhaupt für die Regionalliga zu melden. Wird die Entscheidung Einfluss auf unser Jugendmannschaften haben?“

RL: „Das ist schon eine Menge Geld, das uns dadurch fehlen wird. Ich finde es sehr schade, dass man die kleineren Vereine bestraft. Wie viele Profi-Spieler haben denn in den Nachwuchsleistungszentren angefangen? Die kommen fast alle aus den kleineren Vereinen. Jetzt kürzen die das Geld und am Ende sagen die noch „der DFB fördert die Jugend“, dabei ist es genau das Gegenteil. Das ist nicht nachzuvollziehen.“

EN: „Es ist aber nicht so, dass man sagt: Unter den Bedingungen können wir nicht für die Regionalliga melden?“

RL: „Die sagen mit ihrer Entscheidung meiner Meinung nach ziemlich deutlich, dass man nur noch Nachwuchsleistungszentren haben will, sonst würde man das ja nicht machen. Es ist ein ziemlicher finanzieller Kraftakt, aber wir werden trotzdem für die Ligen melden. Für uns ist die Jugend extrem wichtig. Wir wollen die Durchlässigkeit aus unserer U19 in unsere Herrenmannschaft haben. Die ist nicht gegeben, wenn unsere U19 nur in der A-Oberliga spielt. Die Chancen sind viel höher, wenn wir in der A-Regionalliga oder sogar A-Bundesliga sind.“