Juni: Thomas Hochmuth

Für das Interview des Monats Juni haben wir uns mit Thomas Resize - VP - Thomas Hochmuth1Hochmuth getroffen. Thomas war bis Herbst vergangenen Jahres Präsidiumsmitglied von Eintracht Norderstedt und ist aktuell als Team-Manager der zweiten Mannschaft tätig. In seine Präsidiumszeit fielen unter anderen Jugendländerspiele in Norderstedt, eine Saison B-Junioren-Bundesliga und unser erster Auftritt im DFB-Pokal gegen die SpVgg Greuther Fürth. Grund genug, gemeinsam mit ihm einmal einen Blick hinter die Kulissen dieser Events zu werfen und einen Ausblick auf das zu bekommen, was er mit unserer zweiten Mannschaft vorhat.

EN: „Hallo Thomas, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, uns ein paar Fragen zu beantworten. Mit der Titelverteidigung im Oddset-Pokal hat Eintracht Norderstedt zum zweiten Mal hintereinander den DFB-Pokal erreicht und wird dort nun auf einen Erst- oder Zweitligisten treffen. Der DFB-Pokal ist natürlich für Verein und Fans immer eine Riesensache, bedeutet aber gerade für Amateur-Vereine auch einen immensen Aufwand. Unseren ersten Auftritt hast du als damaliges Präsidiumsmitglied ja hautnah mitbekommen – was steckt alles hinter der Organisation dieses Spiels?“

TH: „Es gibt ja schon im Bereich der Regionalliga diverse Auflagen, die erfüllt werden müssen, aber der DFB hat für den DFB-Pokal nochmal ganz andere, zusätzliche Auflagen, die einem das Leben etwas schwerer werden. Es gibt einen großen DFB-Pokal Tag in Frankfurt, wo sich alle Teilnehmer aus dem Amateur-Bereich treffen und vom DFB einen Tag lang über alles informiert werden: Sponsoring Partner, dass der DFB-Pokal ein eigenständiger Wettbewerb mit eigenständigen Sponsoren ist und du deine eigenen Sponsoren nicht im Blickfeld der Kameras präsentieren darfst, was zu tun und zu lassen ist, was an Medienarbeit gemacht werden muss, was bei den Kartenkontingenten zu beachten ist und und und…. Jeder Verein bekommt vorab einen umfangreichen Anforderungskatalog vom DFB, den muss man da einmal gehört haben, um auch zu verstehen, was dahinter steckt. Warum drei Kameras benötigt werden, warum es Kameras hinter dem Tor geben muss, welche Partner welche Kartenkontingente bekommen müssen, welche Embleme auf den Trikotärmeln links oder rechts angebracht werden müssen, warum man sein eigenes Trikot nicht tragen darf, warum die Namen der Spieler auf den Trikots aufgedruckt sein müssen… Es geht sogar so weit, dass man ein Trikot von denen, die man beim DFB-Pokal Spiel tragen wird, nach Frankfurt schicken und vom DFB freigeben lassen muss.“

EN: „Wow, das klingt alles sehr bürokratisch. Bekommt ihr das Trikot dann wenigstens zurück?“

TH: „Nein, der DFB stellt die erhaltenen Trikots aller Teilnehmer beim DFB-Pokalfinale in Berlin aus. Also auch unseres hing letztes Wochenende da. Das macht einen natürlich auch stolz.“

EN: „Hast du noch weitere Beispiele zu den Anforderungen?“

TH: „Um Schiedsrichter muss man sich natürlich auch kümmern. Die bekommen einen Schiedsrichterbetreuer, die Schiedsrichterkabinen müssen ebenso wie die Spielerumkleidekabinen eine Mindestgröße haben. Sie brauchen natürlich eine Unterkunft, die man organisieren muss… es gibt so viele Einzelpunkte die erfüllt werden müssen, das ist riesiger Katalog, den wir damals bei uns im Vorstand aufgeteilt haben, so dass jeder seine Aufgaben bekommen hat.“

EN: „Das heißt für Präsidium und Geschäftsstelle ist das ein absoluter Fulltime-Job im Vorfeld, oder?“

TH: „Es war für alle Beteiligten ein riesiger Aufwand, das Telefon stand nie ruhig. Du musst ständig irgendwelche Nachweise abliefern über ausgegebene Kartenkontingente, wie viele Sitze sind noch frei und so weiter… Parkplätze, VIP-Parkplätze, Presseakkreditierungen, Catering… es waren unzählige Dinge, die wir mit DFB, Sky etc… hin und her schicken mussten. Natürlich gehört auch ein gewisses Organisationstalent dazu, aber vorallendingen eben auch Zeit. Viel Zeit. Man muss sich tagsüber mit dem DFB zu treffen und ihm das Gelände zu zeigen, man muss für die Presse ständig erreichbar sein. Ich habe zu der Zeit schon einen zweiten Job gehabt, 25 Stunden die Woche zusätzlich über mehrere Wochen nach dem Auftakttermin in Frankfurt, alles ehrenamtlich neben der Arbeit. Und bei Reenald und Horst Plambeck sah es ja auch nicht besser aus.“

EN: „Was waren denn für Eintracht die größten Hindernisse/Aufgaben? Die Flut an Aufgaben die beachtet werden müssen? Oder gab es besondere Schwierigkeiten?“

TH: „Es sind einfach so viele Kleinigkeiten zu erfüllen, das war Wahnsinn. Das erste ist natürlich, dass du den Gegner einschätzen musst, um zu wissen, wo du eigentlich spielst. Wenn du vielleicht nicht Fürth sondern Schalke 04 ziehst und die gleich mal 5.000 Leute mitbringen, weißt du, dass du die Kapazitäten in Norderstedt nicht hast. Drochtersen, die in Frankfurt neben mir saßen, haben das erlebt. Die haben Mönchengladbach gezogen, die schon mal 5.000 Leute mitbringen. Die konnten sich aber bei sich im Stadion mit provisorischen Tribünen helfen, das können wir nicht.“

EN: „Wie kriegt man das in Norderstedt mitten im Wohngebiet verkehrs-technisch geregelt, wenn eben nicht 500, 600 Zuschauer kommen, sondern das Stadion voll wird?“

TH: „Das ist eine Herausforderung, die wir gemeinsam mit dem Ordnungsamt angehen müssen. Es gibt zusätzlich zum DFB noch Auflagen, die wir im Rahmen der „Versammlungsstättenverordnung“ erfüllen müssen. Die Ochsenzoller Straße muss als Einbahnstraße eingerichtet werden, Parkverbotsschilder aufstellen, Anwohner informieren, gegebenenfalls einen Shuttle-Bus samt Bushaltestelle einrichten oder zumindest die Zuschauer mit Hinweisschildern von Ochsenzoll oder Garstedt hierher zu lotsen… und dann kommt es natürlich auch darauf an, was das für Fangruppen sind und wo die herkommen. Mit Greuther Fürth hatten wir absolut keine Schwierigkeiten, da kamen relativ wenige Zuschauer mit und auch keine, die gewalttätig sind.“

EN: „Bei Pokalspielen werden ja die Zuschauereinnahmen zwischen den beiden teilnehmenden Vereinen geteilt, da gibt es sicherlich auch eine Vorschrift vom DFB, oder?“

TH: „Das Ticketing muss über einen professionellen Ticketdiensteister laufen. Wir haben das über adticket.de gemacht, die haben uns dann auch Karten ausgedruckt die wir hier verkaufen konnten. Aber es musste zu jeder Zeit nachgewiesen werden können, wie viele wir verkauft haben. Karten selber drucken wie für Ligaspiele geht im DFB-Pokal nicht. Und im Anschluss muss es dann halt eine vernünftige Abrechnung geben.“

EN: „Und unterm Strich bleiben dem Verein dann die 140.000 Euro, die immer in den Medien genannt werden plus die Hälfte der Zuschauereinnahmen?“

TH: „Nein, bei weitem nicht. Was da am Ende über bleibt müsstest du am ehesten unseren Schatzmeister fragen… Wir mussten zum Beispiel im Vorfeld 7.000 Euro für Anfahrt & Unterkunft nach Fürth überweisen. Für die Schiedsrichter müssen wir 3.000 Euro zahlen… Das wird dann in der Endabrechnung von den aufzuteilenden Zuschauereinnahmen abgezogen. Geh mal davon aus, dass davon nochmal rund 50.000 Euro für alle möglichen Kosten, die wir von dem Spiel haben, abgezogen werden. Es ist trotzdem für einen Verein wie uns, der zusehen muss, dass er seinen Kunstrasen bezahlt, schon ein lohnendes Geschäft, sich für den DFB-Pokal zu qualifizieren. 100.000 Euro Einnahmen ist für uns eine riesige Summe.“

EN: „Ihr seid also vorbereitet auf das, was im August erneut auf uns zukommt?“

TH: „Viel Arbeit ist es natürlich trotzdem, aber es hilft schon sehr, wenn man alles schon mal gemacht hat. Reenald Koch hatte ja 2015, als BU im DFB-Pokal gegen den SC Freiburg bei uns im Stadion gespielt hat, das ganze Thema begleitet und da auch schon viel gelernt und Kontakt zu vielen Leuten, was uns sicherlich sehr entgegen gekommen ist. Und letztes Jahr haben wir natürlich viel gelernt, was wir dieses Jahr anwenden können.“

EN: „Welchen Wert hat der DFB-Pokal für den Verein oder sogar für die Stadt Norderstedt?“

TH: „Es wundert mich, dass die Stadt in diesem Fall nicht noch präsenter ist. Wir vermarkten die Stadt im DFB-Pokal deutschlandweit. Da könnte man in Sachen Marketing und Stadtentwicklung sicher noch einiges zu beitragen. Es gibt zwar viele Lippenbekenntnisse, aber passieren tut wenig, auch über den Pokal hinaus mit Blick auf Richtung 3. Liga. Wir sind am Limit angekommen, mehr können wir ohne zusätzliche Fläche und ohne externe Unterstützung als ehrenamtliche momentan gar nicht leisten. Da könnte man sicherlich in Verbindung mit den starken Norderstedter Wirtschaftsunternehmen noch einiges machen, wo man sich auch als Unternehmen profilieren kann und für beide Seiten eine Win/Win-Situation schafft. Aber der DFB-Pokal wird natürlich medial groß gepusht, Norderstedt ist dann als Underdog in aller Munde, das hat schon einen sehr großen Mehrwert für Stadt und Verein.“

EN: „Wie kann man diesen Mehrwert noch weiter herausstellen?“

TH: „Medial müsste mehr passieren, aber das ist schwierig. Wenn man die großen Hamburger Tageszeitungen aufschlägt, springt einem täglich HSV oder St. Pauli ins Gesicht. Aber dann muss eben auch schon Eintracht Norderstedt als dritte Kraft kommen. Und das ist noch viel zu wenig. Das habe ich schon öfter bemängelt, aber die berichten dann lieber über Hamburger Oberligisten als über einen Regionalligisten, der auch zum Hamburger Fußball-Verband gehört, denen aber nicht so wichtig ist. Die Norderstedter Zeitung alleine reicht dann auf Sicht eben nicht aus, um die Fans zu erreichen, weil es zu lokal eingegrenzt ist. Wir müssen zusehen, dass wir die Leute begeistern, nach Norderstedt zu kommen. Was kaum einer weiß, TV-Moderator Oliver Geißen hat in Norderstedt mal Fußball gespielt. Mit Horst Hrubesch oder Uwe Seeler haben wir im Umfeld weitere Personen, mit denen man sicher mal was aufziehen könnte. Wir hatten gegen den HSV diese tolle Muttertags-Aktion, das war super.“

EN: „Kannst du uns ein bisschen was über dich erzählen? Wer du bist und wie du zur Eintracht gekommen bist?“

TH: „Ich bin beim HSV in der Jugend aufgewachsen, hab’s aber nicht nach oben geschafft. Daraufhin habe ich dann für die zweite Mannschaft vom HSV, am Rothenbaum damals noch, gespielt. Von da bin ich zum SC Poppenbüttel gewechselt, die – genau wie HSV II – damals in der Regionalliga gespielt haben. Mit 24 Jahren hatte ich dann aber einen Bandscheibenvorfall und musste aufhören.“

EN: „Das heißt, du bist dann ins Berufsleben gewechselt?“

TH: „Ich habe dann bei den Hamburger Gaswerken angefangen, bin mehr in den Führungsbereich der Firma gegangen und habe dort vorrangig Sport- und Eventmarketing gemacht. Das Unternehmen hat mich da auch immer weiter gefördert, bis wir zum Eon-Konzern fusioniert wurden.“

EN: „Und Fußball war da gar kein Thema mehr?“

TH: „Doch, nebenbei ging das immer noch, aber nicht mehr auf Leistungsniveau. Bis 2003 habe ich noch bei Holstein Quickborn und TuRa Harksheide in den Alten Herren gespielt. Bei TuRa habe ich zusammen mit Reenald Koch gespielt.“

EN: „Und dann bist du bei TuRa direkt von den Alten Herren zum Abteilungsleiter Fußball geworden?“

TH: „Genau. Als das alles mit Hans Blunk (Anm.: langjähriger TuRa-Vereinschef) zu Ende ging, wollte man sich als Verein neu aufstellen. Ich habe dann dort die Abteilung Fußball neu aufgebaut. Das waren tolle Zeiten, die ich nicht missen möchte.“

EN: „Von deinem Hauptberuf hat zu der Zeit ja auch TuRa ziemlich profitiert. Wie genau?“

TH: „Ich habe Sport-Event-Management studiert. Bei meinem Arbeitgeber Eon bin ich zuständig für die Betreuung der Vereine, mit denen Eon zusammenarbeitet. Daher hatte ich natürlich eine Menge Kontakte, die ich mir in meiner Zeit bei TuRa Harksheide zu nutzen machen konnte. Zum Beispiel zu Friedhelm Funkel, der dann mit Eintracht Frankfurt bei TuRa trainiert hat, als sie beim HSV gespielt haben. Oder Uli Stielike, der mit der U20 Nationalmannschaft in Norderstedt war und in Harksheide trainiert hat, während das Länderspiel dann im Edmund-Plambeck-Stadion stattgefunden hat. Und darüber haben sich dann immer weitere Kontakte ergeben. Das hat sich aber nicht auf Fußball beschränkt, auch die Handballer, die damals unter Heiner Brand Weltmeister wurden, haben wir betreut und Biathlon Show-Events mit Leuten wie Costa Cordalis, Henry Maske und Birgit Prinz veranstaltet. Über solche Events kann man natürlich auch eine Menge Leute ran ziehen. Bei TuRa Harksheide haben wir zum Beispiel mal Lotto King Karl im Rahmen der „Kick Off Trophy“ auf die Bühne gebracht. Die „Kick Off Trophy“ war ein drei-tägiges Fußballturnier für Freizeitmannschaften, das wir bei TuRa ausgerichtet haben.“

EN: „Trotzdem ist auch deine Zeit bei TuRa dann zu einem Ende gekommen.“

TH: „2012 stand eine erneute Umstrukturierung im Verein an, woraufhin ich dann den Verein als Offizieller verlassen habe. Ich habe aber immer noch ein sehr gutes Verhältnis zu TuRa, spiele dort immer noch in der Ü50.“

EN: „Nach deinem Abschied bei TuRa hast du bei Eintracht Norderstedt angefangen. Wie kam es dazu?“

TH: „Ich kannte Reenald Koch ja schon gut aus meiner Zeit bei den Alten Herren von TuRa Harksheide. Parallel war er ja dann auch Präsident beim FC St. Pauli, so dass wir uns auch beruflich öfter begegnet sind, auch wenn ich St. Pauli nicht betreut habe. Aber so hatten wir halt immer Kontakt. Als ich später bei TuRa frei wurde, hat Reenald mich angerufen und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, in Zukunft Eintracht zu begleiten. Wir haben uns dann zusammengesetzt, geguckt welche Aufgaben ich übernehmen könnte und sind dann auf einen gemeinsamen Nenner gekommen.“

EN: „Wie sah der Nenner aus?“

TH: „Reenald hat sich vorrangig um die Ersten Herren gekümmert, ich um die anderen Mannschaften. Dazu kommt natürlich Horst Plambeck, der uns immer sehr unterstützt hat sowie Ekki Bushe. Dazu haben wir natürlich zugesehen, dass wir Trainer mit Trainerschein dazu holen und uns qualitativ immer weiter entwickeln. Als ich dann an Bord war, kamen gleich weitere Aufgaben dazu, da sich durch den Aufstieg der Herren von der Oberliga in die Regionalliga einiges verändert hat, zudem ist die U17 in die Bundesliga der B-Junioren aufgestiegen, was für einen kleinen Verein wie Eintracht Norderstedt natürlich eine ganz große Sache war, da ging es ja gleich mit los.“

EN: „Eine Jugendmannschaft in der Bundesliga zu haben ist natürlich ein Riesending, aber auch eine völlig andere Welt, oder?“

TH: „Wenn du eine Bundesliga-Mannschaft im Nachwuchsbereich hast, liegt der Fokus natürlich da drauf. Da fährst du auch mit zu Auswärtsspielen, Busse und Unterkunft muss organisiert werden und solche Dinge… aber erstmal mussten wir natürlich mit unserem damaligen Jugendtrainer Aki Cholevas und Dennis Döbler als Co-Trainer die Mannschaft mit guten Fußballern zusammen stellen. Das war ja schon überraschend, dass wir überhaupt aufgestiegen sind. Und bei der Junioren-Bundesliga kommt natürlich auch der DFB mit ins Spiel, so dass ich da schon nach Berlin, Hannover und Frankfurt musste, um das organisatorische vorab zu klären.“

EN: „Was bedeutet es für einen Verein wie Eintracht Norderstedt, einen Jugendverein in der Bundesliga zu haben, organisatorisch wie sportlich?

TH: „Finanziell ist das so eine Geschichte… wir hatten damals ein bisschen Unterstützung vom DFB, ich bin der Meinung so etwa 10.000 Euro. Wobei 3.000 Euro gleich wieder für Schiedsrichterkosten abgezogen wurden… Eine Anforderung vom DFB ist zum Beispiel, dass man – wie auch in der Regionalliga – geschlossen mit dem Bus zum Auswärtsspiel fahren muss. Zudem finden die Jugend-Bundesligaspiele meist Samstagvormittag statt, das heißt man muss Freitag anreisen und dort übernachten. Da rechnet man mit etwa 40.000 Euro pro Saison.“

EN: „Und für die Jungs?“

TH: „Ein großes Ding war für alle, als wir zu Hertha BSC gefahren sind. Das war schon sehr, sehr beeindruckend als wir dort am Trainingsgelände vorgefahren sind. Etwas größer als HSV-Ochsenzoll. Wenn man sieht, welche Spieler da ausgebildet wurden, das war echt toll, auch wenn die Jungs da am Ende nichts geholt haben. Wir haben auch bei Dynamo Dresden gespielt. Oder bei Werder Bremen, wenn du da direkt neben dem Weserstadion spielst, das ist schon ein mächtiger Eindruck.“

EN: „Aber sportlich schon ein anderes Kaliber, die Jungs als den Leistungszentren, oder?“

TH: „Ja, klar. Wir haben in der Vorbereitung auch vier Wochen lang durchtrainiert, morgens und nachmittags, haben dank Unterstützung des Vereins hier essen dürfen. Wir haben viel gemacht mit den Jungs. Aber dass man mit den Leistungszentren, wo immer so trainiert wird, nicht mithalten kann, ist auch klar. Gerade HSV und St. Pauli haben uns das Leben natürlich auch schwer gemacht, weil die interessanten Jungs in dem Alter von denen weggescoutet werden wie zum Beispiel Brian Koglin, der für mich damals der beste Innenverteidiger der ganzen Liga war und jetzt bei St. Pauli spielt.“

EN: „Wer hat denn damals, neben Brian, noch in unserer B-Junioren-Bundesliga-Mannschaft gespielt?“

TH: „Rene Jozic ist der einzige, der noch hier ist. Thure Ilgner (jetzt Lüneburger SK), Nico Schluchtmann (jetzt BU), Mathias Cholevas (jetzt Concordia) und Torhüter Niklas Marten (jetzt Wedeler TSV) sind weitere.

EN: „Leider ist die Mannschaft dann gleich wieder abgestiegen.“

TH: „Ja, leider. In der Winterpause mussten wir uns von Trainer Aki Cholevas trennen, für ihn hat Matthias Dieterich übernommen, der meiner Meinung nach der beste Jugend-Coach in ganz Hamburg ist in der Altersklasse, wo er sich super auskennt, wo er die Spielernamen in- und auswendig kennt, wo er sich super engagiert. Schade, dass er sich damals selbständig gemacht hat und dadurch keine Zeit mehr hatte, Fußball-Trainer zu machen.“

EN: „Im Herbst vergangenen Jahres hat Julia Karsten-Plambeck dann das Amt des Vize-Präsidenten von dir übernommen. Du bist dem Verein aber nach wie vor treu, fungierst momentan so ein wenig als Bindeglied zwischen den Mannschaften?“

TH: „Gefühlt haben wir in der ersten Mannschaft 16-18 feste Spieler, aber dann gibt es eben auch Spieler die verletzt waren und wieder rankommen müssen, Jugendspieler, den dritten Torwart… die haben dann die Möglichkeit in der zweiten Mannschaft zu spielen. Das ist keine Bestrafung für die Spieler, sondern soll als Möglichkeit dienen, Spielpraxis zu machen. Das haben einige gemacht wie Dane Kummerfeld, Yayar Kunath oder sogar Kapitän Philipp Koch, als der einige Zeit verletzt ausfiel, weil er einfach geil auf Fußball ist.“

EN: „Die zweite Mannschaft hatte zuletzt arge personelle Probleme und wenn entweder Johannes Höcker oder Lars Huxsohl verletzt ausgefallen sind und Lukas Benner bei der ersten Mannschaft war, hattet ihr nicht einmal einen Torwart zur Verfügung… was habt ihr für kommende Saison mit der zweiten Mannschaft geplant?“

TH: „Wir hatten mit einigen Verletzungen zu kämpfen und dann war der Kader sowieso nicht sonderlich groß, da von oben immer viele mitwirken. Dann hast du auch Leute die sagen „das mach ich nicht mehr mit, ich will spielen und nicht nur trainieren“, und dann den Verein verlassen. Gemeinsam mit Daniel Lopez wollen wir die Mannschaft etwas umbauen und eine U23 auf die Beine stellen. Wir haben momentan sehr gute, junge Leute im Scouting, die sich auf Grund unserer Akquise gemeldet haben. Wir würden gerne junge Spieler an den Herrenbereich ranführen, die willig sind, die mit uns zusammen etwas aufbauen wollen. Ein gewisses Wir-Gefühl möchte ich gerne haben, was wir zurzeit nicht haben. Momentan ist es aus alter Zeit heraus eine etwas zusammen gewürfelte Mannschaft. Es ist in der Zweiten Mannschaft immer etwas schwierig, weil immer mal wieder Spieler von oben runterkommen und die eigenen Spieler dann auf die Reservebank gehen müssen. Und wenn dann drei, vier Spieler von oben dabei sind, ist es unglücklich für die, die immer trainiert haben und dann doch nicht spielen können, obwohl sie vielleicht gute Leistungen gebracht haben. Wenn du dann mit fünf Spielern aus der ersten Mannschaft beim TuS Berne antrittst und da eine 0:3-Klatsche bekommst, ist es für uns manchmal auch schwierig, die Motivation bei den Jungs aufrecht zu halten. Da stellt man sich schon die Frage, ob das so Sinn macht, wenn die Jungs keinen Bock haben und dadurch unser Gefüge Schaden nimmt. Da habe ich keinen Bock drauf, das wird auch nicht mehr vorkommen. Da werden wir vor der Saison auf jeden Fall nochmal mit Dirk Heyne das Gespräch suchen. Wenn die Jungs nicht gewillt sind, in der Zweiten Mannschaft zu spielen, sollen sie mit ihrem Hintern zuhause bleiben.“

EN: „Also so, dass ihr gerne Jungs aus der ersten Mannschaft aufnehmt, aber nur, wenn sie auch selber Bock drauf haben bei Euch zu kicken?“

TH: „Genau. Da gibt es ja auch in der ersten Mannschaft genug Vorbilder, die nicht eingesetzt wurden und dann für uns spielen wollten. Philipp Koch ist doch das beste Beispiel, wenn er als Kapitän das macht. Hut ab! Er war verletzt und hatte einfach Bock Fußball zu spielen, da war ihm völlig egal ob bei der Ersten oder Zweiten. Er hat ja auch bei dir im Interview gesagt, dass er jederzeit für die Zweite spielen würde, weil er da Lust zu hat. Wenn die Einstellung bei allen so ist, dann ist es keine Bestrafung, für uns zu spielen.“

EN: „Stichwort: Bei der Zweiten spielen. Dass die gegnerischen Vereine nicht unbedingt glücklich darüber sind, wenn ihr mit einer Regio-verstärkten Mannschaft antretet, ist klar. Aber mal ernsthaft: Fußball ist immer noch ein Mannschaftssport und die Jungs, die von oben runter kommen, sind ja oftmals eher Fremdkörper ohne Bindung zum Spiel als Verstärkung, auch wenn ein einzelner Regio-Spieler sicher mehr Qualität als ein Bezirksliga-Kicker hat und ein Spiel mal alleine entscheiden kann. Wie siehst du die Kritik Eurer Staffelkonkurrenten, ist das ein Vorteil?“

TH: „Wenn du die erste Mannschaft von Berne oder Glashütte bist und gegen die Zweite Mannschaft von Eintracht spielst, wo vielleicht drei, vier Regio-Spieler dabei sind, die im Halbprofitum arbeiten, sind das natürlich im Verhältnis jeder für sich super Spieler. Natürlich hast du dann auch individuelle Klasse drin, wie zum Beispiel einen Ante Kutschke, wenn der seine Geschwindigkeit ausspielt, oder einen Fynn Rathjen. Und natürlich freut sich die Zwote, wenn sie mit solchen Jungs spielen dürfen. Aber die Erfahrung zeigt ja auch: sobald diese Jungs in ein anderes Gefüge kommen und Mitspieler haben, die sie nicht kennen, weil sie nie mit denen trainiert haben und gar nicht wissen wie die laufen, dann fehlt alles einstudierte, dann bist du auch einer guten Bezirksliga-Mannschaft unterlegen.“

EN: „Für den Trainer ist es auch eine ganz schwierige Kiste, die Motivation bei seinen Jungs oben zu halten, oder? Du weißt nicht wer runterkommt, musst gegebenenfalls Spieler auf die Bank setzen die du spielen lassen wolltest, kannst deinen Spielern keine Zusagen machen…“

TH: „Der Trainer der Zweiten Mannschaft ist die ärmste Sau im ganzen Verein. Wenn du ein Heimspiel hast, hast du drei, vier Spieler aus der ersten Mannschaft dabei. Wenn du auswärts spielst, nicht einen. Warum ist das so? Diesen Spagat hinzubekommen und gleichzeitig immer unter Beobachtung zu stehen, ist unheimlich schwierig. Natürlich kann es nicht funktionieren, weil du jede Woche mit einer anderen Mannschaft spielen musst und das ist das große Problem, was die beiden Trainer haben. Für uns wäre es natürlich wünschenswert, wenn wir Spieler aus der eigenen Jugend bekämen, wo man einfach mal versucht, die zu halten. Natürlich ist das nicht einfach, weil wir kein Geld zahlen können was vielleicht von Ober- oder Landesligisten gemacht wird. Die muss man anders überzeugen. Spieler, die nach Geld rufen, sind bei uns momentan falsch.“

EN: „Gibt es denn eine Idee oder ein Konzept, wie man diese Spieler halten will? Höherklassig spielen und dafür ein paar Euro einstreichen klingt ja erstmal attraktiver als Bezirksliga zum Nulltarif.“

TH: „Das Wir-Gefühl habe ich ja schon erwähnt. Und wenn man siegt, bekommt man schon etwas, zumindest für die Mannschaftskasse. Der Verein lobt eine Siegprämie aus, die vorher festgelegt ist. Das heißt, das Geld bekommt nicht der Spieler, sondern die Mannschaft. Was die Mannschaft damit macht, ist ihr überlassen.“

EN: „Das ist dann diese klassische Kreisliga-Nummer: Wir fahren nach der Saison alle gemeinsam nach Malle und hoch die Tassen?“

TH: „Zum Beispiel, ja. Wir haben sonst den Unterschied gehabt, dass mal ein Spieler einen Fahrgeld-Zuschuss bekommen hat und ein anderer Spieler, der sich tadellos verhält, bekommt gar nichts. Ich hoffe aber natürlich auch, dass wir uns finanziell ein bisschen besser aufstellen können, dass eventuell durch die Teilnahme am DFB-Pokal im zweiten Step auch eine Berücksichtigung der zweiten Mannschaft drin ist.“

EN: „In dieser Saison seid ihr im Mittelfeld gelandet, was als Aufsteiger unter erschwerten Rahmenbedingungen sicherlich sehr positiv zu bewerten ist. Du sprichst jetzt davon, dass ihr junge, hungrige Spieler holen wollt, das heißt ja, dass Euer Ziel offensichtlich nicht ist, auf Dauer im Mittelfeld der Bezirksliga rumzukrebsen. Wo siehst du die mittelfristigen Ziele der Zwoten?“

TH: „Mittelfristig ist es natürlich so, dass wir gucken müssen, was vom Verein gewollt ist und unterstützt wird. Momentan setzen wir uns Etappenziele. Letzte Saison sind wir ganz schlecht in die Saison gestartet, weil wir eine völlig neu zusammengestellte Mannschaft und ein neues Trainerteam hatten und unsere Leistung nicht auf die Straße bekommen haben. Als wir dann Fuß gefasst und uns sortiert haben, sind wir im ruhigen Gewässer angekommen. Wenn wir diese unruhigen Phasen abstellen können und das mit Daniel Lopez als Chef-Trainer so weiterfahren, haben wir eine Struktur. Und auf der bauen wir dann weiter auf. Wir gucken nach den ersten zehn Spielen mal, wo wir stehen und setzen uns dann das nächste Etappenziel. Natürlich wollen wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben, aber sich hinzustellen nach Platz 10 in der Vor-Saison und zu sagen „wir wollen Meister werden und aufsteigen“, darf man natürlich auch nicht machen.“

EN: „Aber mittelfristig ist es schon das Ziel, in die Landesliga aufzusteigen?“

TH: „Mittelfristig ist es natürlich schon mein Wunsch und Anspruch, mit der Zwoten in die Landesliga aufzusteigen, um dort wieder gegen TuRa Harksheide zu spielen, ja. Nur kostet das natürlich alles ein bisschen Geld. Aber vielleicht ist der Verein ja bereit, nach dem DFB-Pokal ein bisschen Geld in den Nachwuchs und das Fundament des Vereins zu stecken. Es ist ja auch für den Verein als Regionalligist sinnvoll, die zweite Mannschaft in der Landesliga und nicht in der Bezirksliga zu haben, auch wenn die Bezirksliga Nord die stärkste in Hamburg ist. Aber wir würden schon gerne in die Landesliga Hammonia-Staffel rein, da wird richtig Fußball gespielt. Haben wir ja beim Pokalspiel unserer Ersten bei TuRa Harksheide gesehen, dass man sich da richtig anstrengen muss.

EN: „Und das ist dann gleichzeitig wieder Anreiz für die jungen Spieler zu Euch zu wechseln, weil der Sprung zwischen Regionalliga und Landesliga nicht mehr ganz so groß ist und man dann eher ins Blickfeld gerät?“

TH: „Genau. Aber wie gesagt, da gehört mehr zu, nicht nur eine Siegprämie in die Mannschaftskasse, man muss auch mal gucken, ob man der Zweiten Mannschaft nach einem Spiel vielleicht auch mal ein gemeinsames Essen im Clubhaus hinstellt oder ob man mal gemeinsam mit der ersten Mannschaft was isst, um das Wir-Gefühl bei Eintracht Norderstedt zu stärken und nicht nur das Wir-Gefühl innerhalb der einzelnen Mannschaften.“

EN: „Womit wir dann doch wieder beim Thema Finanzen sind, ohne die ein Landesliga-Aufstieg nicht möglich wäre, oder?“

TH: „Das kostet alles Geld, das weiß ich ja auch. Aber wenn man natürlich mit dem Verein weiter hoch will, muss ja auch der Unterbau stimmen. Wenn du mit der Ersten Mannschaft 3.Liga spielst und die Zweiten Herren nichts sind, dann ist das meines Erachtens eine Fehlplanung. Nimm Holstein Kiel II, die haben alle was gemacht, die haben ihre Spieler in der Zweiten Mannschaft (Anm.: spielt in der Schleswig-Holstein-Liga) fit gehalten. Aber natürlich weiß ich auch, mit welchen Schwierigkeiten das verbunden ist.

EN: „Wunschvorstellung wäre also, dass die Zweite Mannschaft so eine Art Bindeglied zwischen A-Jugend und Regio ist, vielleicht auch für die Spieler, die es im ersten Schritt nicht geschafft haben, oben rein zu kommen?“

TH: „Genau. Das ist Sinn und Zweck der Übung. Ich weiß aus Erfahrung, das einigen Spieler sich vielleicht aus Wachstums- oder Pubertätsgründen erst ein, zwei Jahre später entwickeln. Diesen Spielern dann die Chance zu geben, im Verein zu bleiben und sich über die Zweite Mannschaft zu präsentieren, wäre meine Idealvorstellung. Und wenn sie Leistung bringen, können sie auch oben mal mittrainieren und sich bei Dirk Heyne zeigen. Das muss die Philosophie sein. Nimm Ante Kutschke, der schafft es vom Körper her noch nicht, sich gegen einen Marin Mandic oder einen Marcus Coffie durchzusetzen. Der braucht noch etwas Zeit, dann kommt er. Oder Fynn Rathjen, den ich sehr gerne behalten hätte. Ich denke schon, dass ein Fynn sich auch bei uns noch weiter entwickelt hätte, der hat sein Potenzial noch lange nicht erreicht. Solche Jungs würde ich in Zukunft natürlich gerne im Verein halten wollen, weil die noch nicht das Potenzial haben, in der Regionalliga zu spielen. Das kommt doch erst noch. Aber wenn so einer jetzt woanders hingeht, der kommt doch nicht wieder zurück. In der Oberliga bekommen die Jungs etwas Geld und brauchen vielleicht nur noch Dienstag und Donnerstag trainieren. Die anderen Tage machen sie nichts mehr, die Fitness fehlt. Hier hätten sie die Möglichkeit häufiger zu trainieren und wären nach wie vor im Fokus. Irgendjemand guckt immer zu und wir tauschen uns ja auch regelmäßig mit Dirk Heyne aus.“

EN: „Nachdem wir ja eingangs das Thema DFB-Pokal ausführlich besprochen haben, ist die zwangsläufige Abschlußfrage natürlich: wen wünscht du dir im Pokal als Gegner?“

TH: „Auf Grund der Zuschauerzahlen darf der Gegner nicht so weit herkommen, also idealerweise nicht gerade aus dem Süden – es sei denn es ist Bayern München, die dürfen gerne kommen. Ich würde mich über einen Nordclub freuen, Werder Bremen oder Hannover 96 zum Beispiel. Aber über Schalke 04 würde ich mich natürlich auch freuen.“

EN: „Wie wäre es mit dem HSV oder St. Pauli als Gegner?“

TH: „Das wäre natürlich das i-Tüpfelchen.“