2019 – Februar: Marcus Coffie

Zum Interview des Monats Februar haben wir uns mit unserem

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Marcus Coffie ist der einzige Spieler, der in dieser Saison alle Ligaspiele über die volle Distanz bestritten hat – und das obwohl die Saison für ihn denkbar schlecht begann. Denkbar schlecht begann für ihn auch die Reise zum größten Erlebnis seines bisherigen Lebens, dass er auf Grund seiner eigenen Trotteligkeit was verpasst hätte. Er verrät uns, wie sich der Glaube mit dem modernen Fußball verträgt, welchen Spieler von Borussia Dortmund er gerne mal in unserem Trikot sehen würde, wie er einem ehemaligen Mitspieler und nicht seinem Berater seinen Wechsel zu Eintracht zu verdanken hat und deutet an, dass er gerne auch über den Sommer hinaus an der Ochsenzoller Straße spielen würde.

EN: „Hallo Marcus, vielen Dank erst einmal, dass du das Interview so spontan einrichten konntest und für den erkrankten Nick Brisevac eingesprungen bist. Magst du den Leuten ein paar Sätze zu dir erzählen?“

MC: „Sehr gerne. Ich bin Marcus Coffie, vor wenigen Tagen 24 Jahre alt geworden. Aktuell befinde ich mich in einer Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation. Ich bin aktuell im zweiten Lehrjahr und wenn alles gut geht im Juni damit durch.“

EN: „Was machst du, wenn du nicht bei der Eintracht bist?“

MC: „Dann bin ich bei der Arbeit.“ (lacht) „Wenn ich dann doch freie Zeit habe, verbringe ich die mit meiner Freundin, der Familie, Freunden oder im Gym. Ansonsten versuche ich, sonntags so oft wie möglich in die Kirche zu gehen, wobei das natürlich relativ schwer ist, da wir ja meistens sonntags spielen.“

EN: „Wann und wo hast du angefangen mit Fußball spielen?“

MC: „Anfangen habe ich mit sechs Jahren beim jetzigen SV Eidelstedt. Mit acht Jahren bin ich zum FC St. Pauli gewechselt und habe da acht Jahre lang bis 2012 gespielt.“

EN: „Wie bist du zu St. Pauli gekommen? Wurdest du aus Eidelstedt weggescoutet?“

MC: „Ich habe in Eidelstedt mit einem sehr guten Freund zusammengespielt, der von St. Pauli weggescoutet wurde. Dessen Vater meinte zu mir ‚warum spielst du da nicht mal vor?‘ und hat mich einfach mal mitgenommen zum Training. Und das hat denen dann scheinbar gefallen…“


EN: „Mit St. Pauli hast du sogar B-Junioren-Bundesliga gespielt?“

MC: „Genau. Eine Saison habe ich mit dem älteren Jahrgang Bundesliga gespielt, zum Beispiel mit Felix Drinkuth zusammen. Und das Jahr danach dann mit dem jüngeren Jahrgang nochmal, bevor ich zum SC Freiburg gewechselt bin.“

EN: „Der SC Freiburg ist natürlich gerade im Jugend-Fußball eine tolle Adresse. Wie ist der Wechsel zustande gekommen?“

MC: „Zwischen der U15 und der U17 war ich im erweiterten DFB-Kader und dort immer wieder zu Lehrgängen eingeladen. Es waren immer zwei Scouts dabei und haben sich das angeschaut. Seitdem war ein reger Kontakt mit Freiburg da. Und irgendwann sind die dann konkret an mich beziehungsweise meinen damaligen Berater herangetreten.“

EN: „Du hattest in dem Alter schon einen Berater?“

MC: „Ja… und der hat das dann mit Freiburg abgewickelt.“

EN: „Du warst noch nicht einmal volljährig und bist noch zur Schule gegangen. Was bewegt jemanden in dem Alter, ans buchstäblich andere Ende des Landes zu wechseln, fernab von Familie und Freunden?“

MC: „Tatsächlich war ich der Meinung, dass ich nach acht Jahren bei St. Pauli dazu bereit war, den nächsten Schritt zu machen. Wenn ich mal ehrlich zurückblicke, gehörte ich bei St. Pauli immer zu den Talenten, habe das aber nie wirklich so wahrgenommen. Ich war halt immer da, habe trainiert, die Spiele gemacht und bin nach Hause gegangen. Und dann kam durch das Interesse von Freiburg und die ganzen Gespräche die Idee auf, das hinter dem Fußball eventuell doch ein bisschen mehr hinter stecken könnte, dass man sein Hobby zum Beruf machen kann. Also habe ich mir gedacht, ich ergreife diese Chance jetzt, bevor ich es möglicherweise später irgendwann einmal bereue.“

EN: „Wie war das für ich, zum ersten Mal komplett weg von der Familie zu sein? Es ist alles komplett neu, du kennst niemanden, bist auf dich allein gestellt…“

MC: „Ich habe beim SC Freiburg im Jugendinternat gewohnt, von daher war ich nicht ganz auf mich allein gestellt. Ein, zwei Spieler kannte ich auch schon von DFB-Lehrgängen, mit einem war ich dort sogar zusammen auf dem Zimmer. Das hat mir bei der Eingewöhnung natürlich sehr geholfen. Aber der Schritt war natürlich schon krass. Das geht ja schon los bei dem Dialekt, den die da unten haben, da muss man sich erst einmal dran gewöhnen. Auch das Essen ist anders, da gab es viele Sachen und Angewohnheiten, die ich nicht kannte. Das war am Anfang schon gewöhnungsbedürftig.“

EN: „Wie lief es dort sportlich für dich?“

MC: „In der Liga haben wir eigentlich immer um die oberen Plätze mitgespielt. Außerdem haben wir einmal den A-Junioren DFB-Pokal gewonnen. Lief also sportlich ziemlich gut.“

EN: „Haben es aus deiner damaligen Mannschaft Spieler bis ganz nach oben geschafft?“


MC: „Der bekannteste ist sicherlich Maximilian Phillipp von Borussia Dortmund. Zu dem habe ich auch noch regen Kontakt. Ioannis Mystakidis kennt man hierzulande vielleicht nicht so sehr, der spielt in der ersten griechischen Liga bei PAOK Saloniki.“

EN: „Zurück zu dir… deine Freiburg-Zeit endete, als es hoch in den Herrenbereich ging?“

MC: „Genau. Der Verein hätte mich zwar gerne übernommen, die Gespräche mit dem damaligen Trainer waren aber so, dass er mir klipp und klar gesagt hat, dass er nicht mit mir plant und ich mir überlegen solle, ob ich mich nicht vielleicht doch nochmal anderweitig umgucke.“

EN: „Das widerspricht sich aber ein bisschen…“

MC: „Es gab zwischenzeitlich einen Trainerwechsel. Der eigentliche Trainer wollte mich gerne behalten. Der wurde dann aber abgesägt. Der neue Trainer hat sich alles in Ruhe angeguckt, hat sich die Spieler, die eigentlich mit hochkommen sollten, bei verschiedenen Testspielen nochmal mit angeguckt und ein paar Kandidaten, unter anderem eben auch mich, dann darüber informiert, dass sie sich was Neues suchen können. Und dann musste ich mir halt überlegen, wie es weitergeht, ich hatte ja gerade mein Abitur gemacht…“

EN: „Du hast das Abitur in deiner Zeit im Freiburger Internat gemacht?“

MC: „Genau, ja. Morgens Training, dann zur Schule, dann wieder Training, Hausaufgaben machen, ins Bett. Nächste Morgen wieder aufstehen, Training, Schule, Training und so weiter… das war ein richtig hartes Programm. Etwas anderes kannte ich zu dem Zeitpunkt gar nicht.“

EN: „Dann warst du ein halbes Jahr vereinslos.“

MC: „Ich bin dann erstmal wieder zurück zur Familie nach Hamburg gezogen und habe mich in der Zeit bei St. Pauli II fit gehalten.

EN: „Und dann ging es für dich in der Nike Academy weiter?“

MC: „Freiburg hatte damals noch eine Kooperation mit Nike. Irgendwann hat mir unser damaliger Zeugwart von der Nike Academy erzählt. Ich kannte auch einen Spieler, der dort gespielt hat. Und dann dachte ich mir ‚okay, ins Ausland wolltest du immer schon, wieso nicht‘. Dann bin ich zum Tryout nach Berlin gefahren, wo knapp 100 Spieler aus den verschiedensten Mannschaften und Vereinen vorspielten, die teilweise auch aus irgendwelchen Leistungszentren aussortiert wurden. Danach wurde ich mit einem anderen Spieler nach London zum internationalen Tryout eingeladen. Von insgesamt 60 Leuten, die da in London vorgespielt haben, war ich einer von acht, die genommen wurden.“

EN: „Was muss man sich unter der Nike Academy vorstellen? Wie läuft das dort ab, welches Ziel wird verfolgt?“

MC: „Dort wird einem alles von Nike gestellt, die Tryouts waren auch bewusst riesengroß gehalten. Ich denke mal, alles in erster Linie zu Marketingzwecken. Das wurde ja auch alles gefilmt, da gibt es auf YouTube noch Videos (Anm.: https://www.youtube.com/watch?v=cXw_2nBVKW8). Wir hatten so gut wie jeden Tag zwei Trainingseinheiten, unter der Woche hatten wir auch ein bis zwei Spiele, überwiegend gegen die Reservemannschaften der Profi-Teams aus den ersten beiden Ligen sowie Drittliga-Mannschaften.“

EN: „Das waren aber alles Freundschaftsspiele, am Liga-Wettbewerb habt ihr mit der Nike Academy nicht teilgenommen?“

MC: „Nein, das ging nicht. Da ja viele Spieler nicht aus Europa kamen, konnte man uns nicht in der Liga anmelden, da man in England als nicht-Europäer ja immer eine Arbeitserlaubnis braucht.“

EN: „Wie ist das für dich als Sportler, sucht man da nicht den Wettkampf, den Wettbewerb? Ist es da nicht irgendwann langweilig, immer nur Freundschaftsspiele zu bestreiten? Vermisst man nicht die Punktspiele, wo es richtig um etwas geht?“

MC: „Der Wettbewerbsdruck wie in der Liga fehlt natürlich schon als Komponente. Allerdings hast du da extremes Konkurrenzdenken. Nike hat ja jedes halbe Jahr die Tryouts abgehalten. Und immer, wenn jemand neues kam, wurde jemand aussortiert.  Zudem wurde zu jedem Spiel Scouts der ersten drei Ligen eingeladen. Das heißt, du wolltest dich beweisen, um einen Vertrag in einer der drei Ligen zu bekommen. Aber du musstest dich auch beweisen, um deinen Platz in der Academy nicht zu verlieren. Da hat jedes Spiel gezählt, du musstest bei jedem Spiel 100% geben. Es war ein anderer Druck als in einem normalen Verein, aber es war trotzdem eine Menge Druck da.“

EN: „Was ist das Ziel der Academy? Den nächsten Messi zu finden und ihn dann gleich als Nike Testimonial zu haben?“

MC: „Ich denke, das Ziel war auf jeden Fall, Testimonials rauszubringen, ja. Also Spieler in den Profi-Bereich zu bringen, die dann als Aushängeschild und Werbefigur von Nike eingesetzt werden können, um zu zeigen ‚Wir sind Nike, mit uns ist alles möglich.‘“

EN: „Gibt es jemanden von dem Du weißt, der in der Academy war und jetzt ein Star ist?“

MC: „Sean Clare, seit der Zeit in der Academy ein guter Freund von mir, spielt aktuell in der ersten schottischen Liga bei Hearts Of Midlothian. Ansonsten spielen viele irgendwo in Zweitmannschaften. Unser Nike-Torwart Tim Hiemer spielt bei Borussia Mönchengladbach II in der Regionalliga West, Fabian Senninger spielt beim SV Meppen in der 3. Liga. Aber so ein richtig großer Durchbruch… da ist der letzte, von dem ich weiß, der australische Nationalspieler Tom Rogic von Celtic Glasgow.“

EN: „Hat Nike die Academy altersmäßig begrenzt oder kommt es da nur auf die Qualität an?“

MC: „Tendenziell suchen die Spieler bis 21, 22 Jahre. Die sagen sich, wenn du in dem Alter noch nicht in einem guten Verein Fuß gefasst hast, wird es schwer, einen weiter zu vermitteln.“

EN: „Dann ging die Zeit in England zu Ende…“

MC: „Im Winter wäre die nächste Rotation gewesen und ich hatte noch keinen Profi-Verein gefunden, so dass ich mich im Oktober 2015 entschieden habe, erst einmal zurück nach Deutschland zu kommen, um ein Studium oder eine Ausbildung anzufangen und parallel auf Regionalliga-Level weiter Fußball zu spielen.“

EN: „Und dann hat dein Berater im Hamburger Umland nach Vereinen für dich gesucht?“

MC: „Ich habe mich zu dem Zeitpunkt von meinem Berater getrennt. Ein guter Freund von mir, Okan Kurt (Anm.: stammt ebenfalls aus der St. Pauli-Jugend, aktuell bei Fortuna Köln in der 3.Liga), hatte sehr guten Kontakt zum damaligen Eintracht-Trainer Thomas Seeliger und hat für mich ein Probetraining organisiert. Vorher hieß es von meinem damaligen Berater, er hätte hier schon angefragt, aber man hätte keinen Bedarf gesehen… Jedenfalls durfte ich dann mittrainieren und habe zwei Testspiele mitgemacht. Alles hat zusammengepasst und nun bin ich hier.“

EN: „Auf dem Spielfeld bist du ja relativ flexibel einsetzbar. Aktuell spielst du ja vorrangig in der Innenverteidigung, auf welchen Positionen kannst du noch spielen?“

MC: „Ich bin gelernter Innenverteidiger. Ich habe auch schon viele Spiele, gerade in der letzten Saison, rechts hinten gemacht. Defensives Mittelfeld habe ich auch schon gespielt. Am Wohlsten fühle ich mich aber in der Innenverteidigung.“

EN: „Ist es eher Fluch oder Segen, wenn man so vielseitig ist? Auf der einen Seite wird man dann ja gerne mal auf der Position eingesetzt, wo gerade Bedarf besteht, so dass man sich nicht unbedingt auf einer Position fest spielen kann. Auf der anderen Seite spielt man so natürlich deutlich häufiger als Spieler, die auf eine Position limitiert sind.“

MC: „Natürlich spielt man immer am Liebsten dort, wo man sich am Wohlsten fühlt. Aber mir war es von vorherein immer am Wichtigsten, überhaupt zu spielen. Für mich ist es daher absolut von Vorteil.“

EN: „Das hat sich ja in dieser Saison auch gezeigt, du bist der einzige Spieler, der alle Spiele über die volle Distanz gemacht hat. Und das, obwohl dein Saisonauftakt ja – vorsichtig gesagt – eher unglücklich war… du hast im ersten Saisonspiel nach fünf Minuten ein Eigentor erzielt, woraufhin wir eine völlig unverdiente Niederlage in Rehden einstecken mussten… wie steckt man so einen Auftakt weg?“

MC: „In dem Testspiel davor habe ich ja auch ein Eigentor geschossen, da hilft nur positives Denken: es kann ja nur besser werden.“ (lacht) „Ich weiß, was ich kann, ich bin überzeugt von meinen Fähigkeiten – dann lag es natürlich an mir, im Training zu zeigen, dass ich spielen möchte. Und abgesehen von dem Rehden-Spiel hatte ich dann ja auch gerade zu Saisonbeginn einige wirklich gute Spiele dabei, wo ich das auch zeigen konnte.“

EN: „Ich würde da jetzt einfach mal reininterpretieren, dass du eine gesunde mentale Stärke mitbringst?“

MC: „Ich denke, da spielen auch meine Erfahrungen eine große Rolle. Im frühen Alter schon von zu Hause weg zu gehen, auf sich allein gestellt zu seine, das bringt mit der Zeit eine gewisse mentale Stärke oder sogar mentale Reife mit.“

EN: „Wo siehst du sonst noch deine Stärken?

MC: „Körperlich und in der Schnelligkeit habe ich sicherlich meine Stärken, ich bin ein Spieler, der sehr über die Physis kommt.“

EN: „Hast du vor Spielen ein besonderes Ritual oder einen Tick?“

MC: „Das einzige, was ich vor jedem Spiel mache, ist Beten. Beten für die Mannschaft, Beten für mich, dass wir von Verletzungen verschont bleiben. Aber sowas wie „erst den linken Schienbeinschoner, dann den rechten“ oder sowas in der Art nicht, nein.“

EN: „Im Profi-Fußball sind Eigenschaften wie Egoismus, Neid, Gier nichts Ungewöhnliches – Eigenschaften, die gerade im Glauben sehr negativ gesehen werden. Und trotzdem gibt es ja auch im Profi-Fußball sehr gläubige Spieler.  Ich erinnere mich an den ehemaligen Bayern-Spieler Jorginho, der Mitte der 1990er sogar Bibelkreise für interessierte Mitspieler gründete. Wie kann man den Glauben und Profi-Fußball in Einklang bringen?“

MC: „Ich denke, dass man das in Einklang bringen kann, wenn man ehrlich zu sich selbst ist. Man darf diese negativen Eigenschaften einfach nicht an sich rankommen lassen. Ich merke es auch selbst, wenn ich zum Beispiel mit Marin Mandic über den Glauben rede und da immer ein reger Austausch ist. Natürlich geht es auch oft nur um Egoismus und Selbstdarstellung und sowas. Aber wenn ich dagegen an Maximilian Philipp denke, der ja wirklich einen kometenhaften Aufstieg hingelegt hat, gibt es eben auch komplett auf dem Boden gebliebene Menschen im Profi-Fußball. Der ist immer noch genauso auf dem Boden geblieben, wie ich ihn zu unserer gemeinsamen Freiburger Zeit kennen gelernt habe. Das zeigt, dass es auch anders geht.“

EN: „Also liegt es in erster Linie nicht an dem Geschäft Profi-Fußball, sondern an jedem selbst, wie er damit umgeht?“

MC: „Ja, genau.“

EN: „Wenn du einen Blick zurück wirfst auf deine bisherige Karriere, welche Erlebnisse stechen da positiv wie negativ hervor?“

MC: „Es gab sicherlich einige Momente, aber der Schlüssel war für mich das ganze drumherum mit der Schüler-Weltmeisterschaft in Brasilien.“

EN: „Ach was, da warst du auch dabei? Wir hatten das Thema schon im Interview des Monats mit Felix Drinkuth, aber dass du da auch bei warst, hat er gar nicht erzählt…“

MC: „Hat er nicht?“ (lacht) „Das war ein super Erlebnis. Wir haben ja damals die Deutschen Schülermeisterschaften gewonnen und durften daraufhin Deutschland bei der WM vertreten. Das war für uns dann einfach ‚oh, Brasilien, wie geil. Gehen wir hin, kicken wir ein bisschen, genießen das Wetter, genießen die Stimmung haben Spaß.‘ und haben das Turnier dann tatsächlich sogar gewonnen. Was bei mir noch ganz lustig war: ich bin gar nicht mit der Mannschaft geflogen, sondern bin vier, fünf Tage später nachgekommen, weil ich so trottelig war und gedacht habe, dass ich mit meinem Personalausweis bis nach Brasilien komme…“ (lacht) „Ich kam sogar noch zu spät zum Flughafen. Alle waren schon soweit fertig, ich habe dann noch meinen Perso vorgelegt. Der guckt mich an ‚ja, okay, aber nach Lissabon ist Schluss, weiter geht es damit nicht.‘ Ich denke nur ‚scheiße, was mich ich denn jetzt?‘ Mein Reisepass war schon lange abgelaufen… Naja, ich musste dann jedenfalls zum Amt, mir einen vorläufigen Reisepass ausstellen lassen. Das Problem war, dass es schon Freitag war, das heißt da war nichts mehr mit Reisepass ausstellen lassen, das Amt hatte schon zu… ich bin dann am Montag hin, habe mir einen vorläufigen Pass geholt und bin am Dienstag nachgeflogen… mit 14, 15 Jahren, allein von Deutschland nach Brasilien. Das war auf jeden Fall ein geiles Erlebnis, für mich DAS Erlebnis meines bisherigen Lebens.“

EN: „Das heißt, du hast die ersten ein, zwei Spiele verpasst und bist erst danach zur Mannschaft gestoßen.“

MC: „Genau. Wobei ich mich jetzt nicht mehr genau erinnere, gegen wen ich da noch gespielt habe. Ich erinnere mich nur noch an das Finale gegen den Iran. Die waren nach der Niederlage gegen uns echt am Boden zerstört. Wir haben erst nach dem Spiel erfahren, dass sie im Falle eines Sieges von der Wehrpflicht befreit worden wären…“

EN: „Gibt es auch irgendwelche negativen Erinnerungen, die dir im Gedächtnis geblieben sind?“

MC: „Auf jeden Fall meine erste schwerere Verletzung, die habe ich mir im August 2016 in Rehden zugezogen. Ein knöcherner Sehnenabriss in der Leiste, mit dem ich über ein halbes Jahr bis März 2017 raus war. Es war aber Gottseidank meine bisher einzige größere Verletzung.“

EN: „Welche Ziele hast du noch im Fußball?“

MC: „Ich würde gerne mit Eintracht Norderstedt mal konstant um die oberen Plätze in der Regionalliga mitspielen. Von dem Spielerpotenzial her sollte es eigentlich machbar sein, wenn wir es alle schaffen, mal kontant unser Potenzial abzurufen. Uns fehlt ganz einfach die Konstanz, das war aber, seit ich hier bin, schon immer so…“

EN: „Hast du persönlich noch irgendwelche Ambitionen nach oben oder fühlst du dich in der Regionalliga gut aufgehoben?“

MC: „Aktuell lässt es sich mit Beruf und Familie noch sehr gut vereinbaren. Klar, wenn sich die Chance bieten sollte, nochmal höher zu spielen, würde ich das sicherlich mitnehmen. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich darauf hinarbeite, als persönliches Ziel hat das keine Priorität.“

EN: „Also haben wir berechtigte Hoffnung, dass du noch ein wenig länger in Norderstedt bleibst?“

MC: „Die Hoffnungen sind auf jeden Fall berechtigt, ja.“

EN: „Kommen wir zu unseren Abschlussfragen: wenn du für Eintracht Norderstedt einen deutschen Spieler deiner Wahl holen könntest… wer wäre das? – und ich glaube, ich kenne die Antwort schon.“

MC: „Ein deutscher Spieler meiner Wahl… das wäre auf jeden Fall Maximilian Philipp.“

EN: „Richtige Antwort.“ (lacht) „In welcher Mannschaft würdest du selbst gerne mal spielen?“

MC: „Arsenal London. Das ist mein Lieblingsverein, da würde ich sehr gerne mal spielen.“

EN: „Mach zum Abschluss nochmal ein wenig Werbung für Eintracht Norderstedt. Warum sollte man sich Eure Spiele keinesfalls entgehen lassen?“

MC: „Wir spielen einen guten Ball. Wenn das Wetter und die tabellarische Situation es zulassen, haben wir auch echt eine geile Stimmung bei uns im Stadion. Wünschenswert wäre es natürlich, wenn es nochmal deutlich mehr Zuschauer werden, das Potenzial dafür ist auf jeden Fall da. Aber was man dafür machen müsste – keine Ahnung. Da bist ja unter anderem du für zuständig.“ (lacht) „Aber sobald meine Ausbildung vorbei ist, müsste ich marketing-technisch fit sein…“

EN: „… dann sollten wir uns auf jeden Fall mal einen Abend zusammensetzen.“

MC: „Das machen wir auf jeden Fall!“

EN: „Vielen Dank für das Interview, Marcus, und viel Erfolg für den Rest der Saison!“