2018 – Mai: Supporters Norderstedt

„Dieses Gefühl, wenn man mit einer Gruppe von Leuten, die man vor wenigen Wochen noch nicht einmal kannte, auf einmal eine Einheit bildet, sich wochenlang die Nächte um die Ohren schlägt, um eine Choreo auf die Beine zu stellen und dann diesen einen Moment zu haben, wo kurz vorm Anpfiff 5.000 Leute im Stadion deine Choreo hochheben, ist unschlagbar.“ – Seit etwa zwei Jahren hat sich in Norderstedt eine stetig wachsende Fangruppe etabliert, die unsere Mannschaft sowohl zuhause als auch auswärts lautstark unterstützt. Doch wer sind die Supporters Norderstedt eigentlich, wo kommen sie her und was sind ihre Ziele? Wir haben Nils, Kai und Kjeld von den Supporters mal auf den Zahn gefühlt.

EN: „Hallo ihr drei, vielen Dank dass ihr euch die Zeit für unser Interview nehmt. Reden wir nicht lange drum herum: Lange Zeit galt Eintracht Norderstedt als ein Verein mit „Rentner-Publikum“. Seit etwa zwei Jahren habt ihr euch als feste Gruppe positioniert, die unsere Mannschaft unterstützt, egal ob zuhause oder auswärts in der Liga, im Pokal oder sogar bei Freundschaftsspielen. Wer sind die Supporters und seit wann gibt es euch?“

Nils: „Die Supporters sind sozusagen der einzige Fanclub von Eintracht Norderstedt. Aktuell sind wir etwa 25 Mitglieder.“

Kai: „Die meisten von uns kannten sich vor Eintracht nicht. Wir haben da wirklich eine sehr bunte Mischung aus Leuten, vom Mechaniker über Kaufmann bis Buchhalter, von 16 bis Mitte 40, Männer und Frauen… das ist wirklich völlig unabhängig von Ausbildung, Herkunft oder sonstwas. Das sind alles nur Leute, die Bock haben auf Fußball und Eintracht.“

Nils: „In der jetzigen Form gibt es uns seit April letzten Jahres, wobei die Anfänge schon deutlich früher waren.“

EN: „Wann ging es denn so richtig los?“

Nils: „Für viele von uns war da_slider Pokalsiegerfotos erste Oddset-Pokal-Finale gegen Altona der Startschuss. Ich persönlich habe den Weg von Eintracht auch vorher schon verfolgt und war auch vorher schon mal bei einem Oddset-Pokal-Finale ohne Norderstedter Beteiligung. Als Norderstedt dann ins Finale einzog dachte ich mir ‚da geht man mal mit‘. Als wir in den Block kamen, lagen da schon Fahnen rum. Das hat mich dann angefixt.“

EN: „Zu dem Zeitpunkt gab es schon eine kleine Fanszene, die die Fähnchen in Eigenregie erstellt hatte.“

13320434_1552852101684814_9220721720445851612_oNils: „Richtig, das war noch vor den Supporters. Da hatten sich schon Leute Gedanken gemacht. Und wenn man da, als damals noch neutraler Zuschauer, reinkommt und das sieht, merkt man ‚aha, da bewegt sich was, das ist ja doch mehr als nur Fußball gucken.‘ Das war der Punkt, wo ich für mich entschieden habe, dass ich darauf Bock habe, mich mehr einzubringen. Auch für einige andere war das der Startschuss.“

EN: „Wie ging es dann für dich weiter?“

Nils: „Erstmal habe ich mich einfach nur zu den Fans, die schon da waren, dazu gestellt. Dann ist man schnell in Kontakt gekommen. Es gab eine interne Facebook-Gruppe, wo sich die Eintracht-Fans koordiniert haben, sei es für die Fähnchen-Bastel-Aktion oder für die Auswärtsspiele. Da wurde ich dann relativ schnell hinzugefügt. Wir haben uns dann in der Sommerpause mit allen verfügbaren Leuten aus der Gruppe getroffen und überlegt, wie man dem Verein weiterhelfen kann, wie man sich einbringen kann.“

Kjeld: „Viel hat sich dann auch durch Heimspiele gegeben. Irgendwann sieht man halt immer die gleichen Gesichter, die da sind und für Stimmung sorgen. Man sieht, wo sie stehen, man stellt sich dazu, man lernt sich kennen, trinkt mal ein Bier zusammen und hat sich dann so in der Gruppe zusammengefunden. Aus dieser Gruppe heraus haben wir einen Stammtisch gegründet, wo wir uns regelmäßig treffen und über Eintracht austauschen. Was ist unsere Idee, wie können wir die Jungs auf dem Platz anfeuern. Und daraus ist dann quasi eine Art Fanclub entstanden.“

Nils: „Wenn man zu den Heimspielen kommt, sieht das Stadion immer erstmal relativ leer aus. Wir sehen ja alle, dass hier richtig guter Fußball gespielt wird, der aber in Norderstedt leider nicht so anerkannt wird oder vielen vielleicht auch gar nicht so bekannt wird. Für uns war daher erstmal die Intention, dass das Stadion bei den Heimspielen voller wird. Die beiden Oddset-Pokal-Finals und die DFB-Pokal-Spiele haben auf jeden Fall schon mal für Aufmerksamkeit und eine langsame Verbesserung gesorgt. Aber eben nur für eine langsame… da geht sicherlich noch viel mehr.“

Kai: „Die Supporters Norderstedt sind dabei völlig natürlich gewachsen und waren eigentlich IMG_6283schon immer da. Ich war schon vor den Supporters dabei, wir haben angefangen Banner aufzuhängen und Fahnen zu malen, bevor wir den Gedanken hatten, uns einen gemeinschaftlichen Namen zu geben. Ich denke, es ist auch jetzt immer noch der Fall, dass viele Leute regelmäßig zu uns ins Stadion kommen, aber nie eine Anlaufstation hatten. Und genau das wollen wir sein: eine Anlaufstation für alle, die aktiv Support leisten wollen. Ich denke, das läuft mittlerweile recht gut. Da ist natürlich jeder herzlich eingeladen, der eine Leidenschaft für Fußball hat, der das Gefühl hat den Verein aktiv unterstützen zu wollen, der vielleicht auch mal eine Fahne in der Hand halten und mal ein bisschen lauter sein will als das ‚normale Publikum‘.“

EN: „Eintracht wurde 2003 gegründet, ist also noch relativ jung. Die meisten von Euch waren schon vor Eintracht Fußball-Fans und haben sicherlich noch irgendwo einen anderen Verein, für den ihr Herz schlägt. Wie muss man sich das vorstellen, seid ihr alle ursprünglich HSVer oder St. Paulianer? Oder wie setzt sich Eure Gruppe zusammen?“

Kjeld: „Dadurch dass Eintracht ‚nur‘ ein Regionalliga-Verein ist und sich viele für Fußball in den Profi-Ligen interessieren, haben die da natürlich auch noch ihre Vereine. Das ist wirklich von Norden bis Süden quer verteilt. Da sind genau so HSVer wie St. Paulianer bei, aber auch Dortmund, Mainz oder Bayern. Natürlich unterhält man sich darüber und tauscht sich aus, aber das wird bei uns im Stadion komplett zurückgestellt, da gibt es keine blöden Sprüche von HSVern gegen Paulianer oder umgekehrt. Da kommt auch keiner im HSV- oder Pauli-Trikot. Wenn wir bei uns im Stadion sind, zählt nur Eintracht Norderstedt.“

EN: „Das heißt, wenn jetzt einer sich überlegt, ob er sich den Supporters anschliesst und auf Grund seiner fußballerischen Herkunft möglicherweise Bedenken hat…“

Kai: „Völlig egal, jeder ist willkommen, dessen Herz für Eintracht schlägt.“

Kjeld: „Es spielt auch keine Rolle, wo jemand herkommt oder wohnt. Ich bin auch nur ein dazugezogener Norderstedter. Ich habe mich umgeschaut, was es so in Norderstedt für Aktivitäten gibt, habe mir dann mal ein, zwei Spiele auf der Tribüne angeguckt und Leute gesehen, die sich sehr dafür engagiert haben. Da hatte ich Bock drauf und wurde mittlerweile erfolgreich in die Gruppe integriert.“

Kai: „Naja, geht so…“ (alle lachen)

Kjeld: „Man versucht einfach ein bisschen zu unterstützen und jeder versucht, im Rahmen seiner Möglichkeiten, einen Teil dazu beizutragen. Jeder hat irgendwelche Fähigkeiten, die er einbringen kann. Der eine ist sehr gut mit Grafiken und erstellt für uns Banner, Aufkleber und sowas. Der andere ist Buchhalter und kümmert sich dann eben um die Finanzen der Gruppe.“

Nils: „Ich denke, das macht unsere Gruppe auch aus. Jeder hat die Möglichkeit, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten und Fähigkeiten einzubringen.“

EN: „Wann habt ihr euer erstes Eintracht-Spiel gesehen und gibt es einen Punkt, der Euch sozusagen zum Fan gemacht hat?“

Nils: „Bei mir war es wirklich das Oddset-Pokal-Finale gegen Altona. Das war das erste Eintracht-Spiel, das ich gesehen habe. Und seitdem bin ich fest dabei. Früher war ich häufiger beim HSV, aber da hatte ich irgendwann keinen Bock mehr drauf. Ich wohne jetzt seit drei Jahren in Garstedt, als ich vorher in Friedrichsgabe gewohnt habe, habe ich Eintracht überhaupt nicht wahr genommen, in Garstedt dagegen schon. Dann hat man mal nachgeguckt ‚huch, die spielen ja in der 4. Liga, das kann man sich ja mal angucken.‘ Und hat dann eben auch gesehen, dass das relativ professionell abläuft und viel Spaß macht, zuzugucken.“

Kai: „Kjeld muss erstmal in den Kalender gucken und weiß das genau… ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr genau. Ich weiß, dass es eine Saison gab, wo wir den HSV II hier relativ deutlich weggefegt haben (Anm.: Am 23.11.2014 gewannen wir mit 4:1 gegen den HSV). Das war in etwa die Zeit, in der ich dazu gekommen bin.“

EN: „Und dann bist du auch gleich öfter gekommen?“

Kai: „Ich war wie Nils erstmal eine ganze Zeit nur auf der Tribüne. Aber sitzen macht halt nicht so viel Spaß wie stehen… irgendwann stand man, rückte näher an den C-Block und war plötzlich mittendrin.“

Kjeld (guckt in sein Handy): „Bei mir war es der 17.04.2016. Das war eine 0:4-Niederlage gegen St. Pauli II… das nächste Heimspiel gegen Lübeck, das war ein 1:1, war ich auch wieder da…“

EN: „Du musst jetzt nicht alle Spiele vorlesen…“

Kjeld: „Nee, nee… danach ging es dann ja relativ schnell Richtung Oddet-Pokal-Finale gegen Altona. Und seitdem habe ich fast kein Spiel mehr verpasst. Das Spiel gegen Altona war einfach mega-emotional. Die Stimmung war total mitreißend. Auch wenn alles noch nicht so koordiniert war, wie es jetzt ist, hat das mega-viel Spaß gemacht. Ich habe unwissend neben Leuten gestanden, die ich heute zu meinen guten Freunden zähle. Man hat da diesen Spirit mitbekommen, wie es ist, in der Kurve für Norderstedt zu feiern. Ab da ging es richtig los, da hat es dann auch angefangen mit dem richtigen Support, wenn man das so sagen kann.“

EN: „Habt ihr Lieblings-Spieler bei Eintracht?“

Kjeld: „Höcki. Ganz klar.“

Nils: „Höcki ist ne Legende. Aber einen Lieblingsspieler… das ist wirklich eine schwierige Frage. Das sind alles Top-Jungs.“

Kjeld: „Wir feiern die ganze Mannschaft. Es gibt Leute, die einen persönlich nochmal ein bißchen anfixen.“

Kai: „Ich sage ganz klar: Für mich ist es Marin Mandic. Aus Gründen. Und wenn er das liest, weiß er auch warum, denke ich.“ (alle lachen) „Weiter möchte ich dazu nichts sagen, außer: Ganz klar, Marin Mandic, Nummer 1.“

EN: „Früher fuhr unsere Mannschaft häufiger alleine bzw. zumindest ohne Support zu Auswärtsspielen, das habe ich in dieser Saison nicht erlebt. Egal ob fünf Leute oder 50 dabei sind, ihr gebt immer Vollgas.“

EintrachtKjeld: „Absolut, wir wollen unsere Mannschaft immer und überall unterstützen. Auch auswärts sind immer welche von uns dabei, auch wenn nicht so zahlreich, wie wir es uns wünschen würden. Allerdings gibt es einen kleinen harten Kern, der alles fährt. Sei es „nur“ an die Hoheluft, wo wir damals gegen St. Pauli gespielt haben oder Testspiele wie in Babelsberg, wo wir zu dritt waren. Wir hatten auch schon größere Auswärtsfahrten, für die wir gemeinsam mit dem Verein einen Bus gemietet haben und haben zum Beispiel in Drochtersen mit 50 Leuten Alarm gemacht. Leider haben wir 4:0 verloren, aber es war eine megawitzige Fahrt, die allen viel Spaß gemacht hat. Je mehr Leute mitkommen, desto lustiger. Aber wir fahren auch bei dem schlechtesten Wetter mit einer handvoll Leute auswärts.“

EN: „Wenn jemand sagt ‚auswärts wäre auch mal ganz geil, habe ich Bock drauf‘ – kann sich derjenige Euch anschließen? Und wenn ja, wie?“

Kai: „Auf jeden Fall! Es gibt natürlich viele Wege uns zu kontaktieren, aber am Besten ist einfach: Kommt im Stadion zu uns, sprecht uns an, wir beißen nicht. Auch wenn es nach Außen vielleicht wirkt wie eine geschlossene Gesellschaft gegenüber der Haupttribüne: das sind wir nicht, wir wollen unbedingt was mit anderen Menschen zu tun haben und freuen uns über jeden, der gemeinsam mit uns Eintracht unterstützen will. Deswegen sind wir auch sehr gerne und häufig am Bierstand zu finden.“ (alle lachen) „Kommt vorbei, sprecht uns an, wir tauschen uns aus und dann fahrt ihr einfach mit uns mit und habt gemeinsam mit uns eine gute Zeit.“

Nils: „Das ist auf jeden Fall die beste Variante, dann können wir gleich gucken, ob irgendwo im Auto noch ein Platz frei ist oder gegebenenfalls auf der Gruppenkarte, falls wir mit der Bahn fahren. Ihr könnt uns auch unter supporters-norderstedt@mail.de per eMail erreichen.“

EN: „Oder ihr schreibt die offizielle Eintracht-Facebook-Seite an, dann stelle ich gerne den Kontakt zu den Supporters her.“

Kai: „Oder für die jüngeren: Wir haben unter sups.nor auch eine Instagram-Seite, über die ihr uns anschreiben könnt. Folgt der Ente!“

EN: „Warum „lohnt“ es sich, EN-Supporter zu sein und nicht von einem großen Verein?“

Kjeld: „In Norderstedt bzw. generell in der Regionalliga wird noch „echter“ Fußball gespielt. Zudem haben wir ein sehr enges Verhältnis zum Verein, zum Präsidium und zu den Spielern. Bei unseren regelmäßigen Stammtischen ist häufig jemand aus dem Verein als Ehrengast dabei.“

EN: „Wen hattet ihr denn schon dabei?“

Kjeld: „Reenald Koch und Julia Karsten-Plambeck aus dem Präsidium waren da, Höcki, Philipp Koch, Linus Meyer, Hamajak Bojadgian war in seiner Verletzungspause da, Sinisa Veselinovic war der bislang letzte, der da war, das hat auch sehr viel Spaß gemacht und sorgt natürlich für eine engere Bindung zwischen Spielern und Fans. Das Präsidium ist für uns auch immer gut zu erreichen, dass man mal was kurzfristig auf dem direkten Weg regeln kann. Das ist schon ein großer Vorteil.“

EN: „Welche Vorteile hat man als Supporter noch?“

Kjeld: „Wir bieten gelegentlich Auswärtsfahrten hat, die man dann vergünstigt bekommt. Aktuell ist noch einiges weiteres in Planung. Aber an erster Stelle steht natürlich der Spaß.“

EN: „Das heißt die Nähe ist auf jeden Fall ein Pluspunkt und dass ihr das Gefühl habt, ihr könnt mit Eurer Anwesenheit etwas Positives bewirken?“

Nils: „Genau. Zum einen das wirklich familiäre Umfeld, du bist einfach näher dran.“

Kjeld: „Und du bekommst auch was zurück. Die Spieler nehmen jeden einzelnen, der dabei ist, sehr wohl wahr, das ist etwas ganz Anderes als in der Bundesliga. Und sei es nur beim Abklatschen am Zaun, wo sich die Spieler für die Unterstützung bedanken. Gerade in einer kleinen Stadt wie Norderstedt triffst du dann auch mal den Keeper beim Einkaufen und man unterhält sich dann nochmal über die letzte Auswärtsfahrt und solche Sachen. Man bekommt ein viel besseres Feedback als einmal höflich Klatschen vor der großen Haupttribüne und danach werden die Jungs dann abgeschottet. Jemanden wie Philipp Koch trifft man zum Beispiel wirklich jeden Tag auf dem Trainingsgelände an.“

Nils: „Philipp erkennt einen sogar von hinten… da stehst du nichts ahnend an der Kasse und plötzlich klopft er dir von hinten auf die Schulter… das ist schon etwas Besonderes hier in Norderstedt.“

EN: „Man hört und sieht Euch lautstark im Stadion und die Choreos aus Oddset-Pokal und DFB-Pokal sind auch noch in bester Erinnerung. Gibt es noch etwas, dass ihr euch auf die Fahnen schreiben könnt?“

Nils: „Stolz sind wir auf jeden Fall auf den Fanbus nach Drochtersen. Offiziell gibt es uns seit April 2017, im November haben wir mit Unterstützung vom Verein einen ausverkauften Fanbus organisiert. Da gab es uns gerade mal sieben Monate. IMG_9338Die Choreos sind auch etwas, auf das wir stolz sind, weil da wirklich viel Arbeit hinter steckt – was man vom Aufwand her auch selbst unterschätzt hat, muss man sagen. Aber man hat es durchgezogen und kann darauf dann auch stolz sein. Wenn man oben im Clubhaus am Banner malen ist und plötzlich kommt die halbe Mannschaft rein, freut sich darüber und zeigt ihre Unterstützung, das ist schon geil und spricht auch wieder für die Nähe im Verein. Das ist ein Punkt, der uns auch motiviert, diesen Aufwand gerne wieder zu betreiben.“

Kjeld: „Dann haben wir uns als Fangruppe an der 50+1 Abstimmung beteiligt, wo Fangruppen aus den verschiedensten Vereinen sich zusammen für den Erhalt dieser Regelung stark gemacht haben.“

Nils: „Die Liste wurde später bei einer DFB-Tagung auf einer Tapetenrolle überreicht. Die Rolle ging durch den ganzen Raum… es waren insgesamt glaube ich 3.000 Fangruppen, die sich dort stark gemacht haben.“

EN: „Ihr habt auch das Stadion bunter gemacht?“

Nils: „Genau, wir haben im Spätsommer letzten Jahres in Absprache mit dem Verein die Stufen in unserer Fanecke, die man von der Haupttribüne aus sieht, in Eigenregie rot-blau gestrichen. Das hält sich bislang auch ganz gut. Wenn man sich die Spielhighlights anguckt, die momentan ja wieder von der Tribüne aus gefilmt werden, sieht man ja auch immer, dass es ein bißchen bunter ist.“

EN: „Sind aktuell noch weitere Aktionen geplant?“

Nils: „Wir haben bislang als Testphase nur den einen Bereich angemalt. Da muss man mal gucken, ob man das eventuell noch weiter zieht. Und ein paar Ideen für Choreos haben wir natürlich auch noch. Auch da ist immer die Frage was geht und was nicht geht, gerade mit dem Flughafen um die Ecke. Wir hatten zum Beispiel vor, im Rahmen der Initiative „Meister müssen Aufsteigen“ rot-weiß-blaue Luftballons aufsteigen zu lassen – da wir uns aber in unmittelbarer Flughafennähe befinden, gibt es hier Probleme mit der Luftsicherheit, so dass wir das nicht durchführen konnten, was sehr schade war. In solche Richtungen planen wir immer was, müssen aber auch immer darauf achten, was geht und was nicht geht.“

Kjeld: „Das große Hauptziel bleibt aber, mehr Leute ins Stadion zu bekommen und die Besucherzahlen zu steigern. Wir haben eine geile Truppe und das sollten deutlich mehr Leute zu sehen bekommen.“

EN: „Mehr Leute für die Eintracht zu gewinnen, wäre natürlich eine tolle Sache. Wie sieht es aus mit den Supporters, sucht ihr auch noch Zuwachs?“

Alle drei wie aus einem Mund: „Natürlich!“

Kai: „Um es nochmal ein bißchen heraus zu stellen, weil Ich nicht weiß, ob das viele Leute einschätzen können – dieses Gefühl, wenn man mit einer Gruppe von Leuten, die man vor wenigen Wochen noch nicht einmal kannte, auf einmal eine Einheit bildet, sich wochenlang die Nächte um die Ohren schlägt, um eine Choreo auf die Beine zu stellen und dann diesen einen Moment zu haben, wo kurz vorm Anpfiff 5.000 Leute im Stadion deine Choreo hochheben, ist unschlagbar. Ich persönlich hätte von diesen Momenten gerne noch viel mehr und wünsche mir, dass sich dafür noch viel mehr Leute begeistern können.“

EN: „Habt ihr irgendwelche Anforderungen an potenzielle neue Supporter?“

Nils: „Man hat es ja am Drochtersen-Bus gesehen, da war von 16 bis 60+ alles dabei. Wir sind alle aus verschiedenen Branchen, aus verschiedenen Altersgruppen, haben verschiedene Profi-Vereine, für die unser Herz schlägt. Idealerweise sollte man mindestens 16 Jahre alt sein – gerade bei Auswärtsspielen wird halt auch mal ein Bier getrunken, dabei geht es dann ja auch um sowas wie Haftung etc. Wir wollen keine Leute, die Stress machen und eine gewissen Leidenschaft für Eintracht sollte man natürlich mitbringen. Man muss ja auch nicht direkt Mitglied der Supporters werden, man kann sich ja auch erstmal einfach dazu stellen oder auswärts mitfahren.“

Kjeld: „Genau, einfach ganz dreist dazustellen und mitmachen. Alles andere ergibt sich, niemand wird zu irgendetwas gezwungen. Was wir noch dazu sagen sollten: wir haben uns darauf geeinigt, dass alle Mitglieder der Supporters jeden Monat einen kleinen Beitrag zahlen.“

EN: „Was passiert mit diesem Beitrag?“

Kjeld: „Den nutzen wir dazu, um Choreos zu finanzieren, Banner zu machen, Supporters-Sticker herzustellen und um zum Beispiel Auswärtsfahrten finanziell zu unterstützen. Für die Drochtersen-Fahrt haben wir so zum Beispiel die Getränke finanziert, die während der Fahrt inklusive waren.“

Nils: „Es ist nicht so, dass wir sagen, wir gehen jetzt ins Clubhaus und geben uns auf Kosten der Supporters die Kante. Es wird wirklich zu 100% wieder in die Gruppe investiert. Wir kaufen auch nicht einfach so irgendwelche Sachen, das passiert alles in Abstimmung mit der Gruppe. Das sind Sachen, die wir auf unseren Stammtischen in der Gruppe besprechen.“

EN: „Das heißt, jeder der Mitglied wird, hat auch Mitspracherecht?“

Kjeld: „Natürlich. Egal ob er erst seit einer Woche oder seit zwei Jahren dabei ist.“

EN: „Wenn ihr einmal die Vorteile, die ein Mitglied der Supporters hat, zusammenfassen müsstest…“

Nils: „… regelmäßige Stammtische, wo auch häufig Spieler oder Offizielle des Vereins dabei sind. Auswärtsfahrten. Einen engen und direkten Draht zum Verein, wo man dann gelegentlich auch schon Informationen bekommt, die vielleicht noch nicht so ganz offiziell sind.“

Kai: „Es gibt zum einen die Komponente, für die auch die Beiträge sind. Choreos, Auswärtsfahrten. Aber eben auch den Teil, den man nicht bezahlen kann. Den Spaß, die Gemeinschaft, das Wissen, dass man aktiv mitgestalten kann.“

EN: „Wenn ihr als Supporters einen Wunschzettel habt, was würde da – sportlichen Erfolg mal außen vor gelassen – drauf stehen?“

Kjeld: „Eine Überdachung der Gegengerade.“ (die anderen nicken zustimmend)

Nils: „Auch das ist ein Punkt, mit dem man vielleicht ein paar mehr Leute ins Stadion locken kann. Ich denke, dass das Wetter uns diese Saison schon einige Zuschauer gekostet hat. Es gibt halt Leute, die keine 15 Euro für einen Sitzplatz ausgeben wollen, aber mit 9 Euro für einen überdachten Stehplatz kein Problem hätten. Wir Verrückten stellen uns da auch bei Regen hin, aber da sind wir sicher nicht der Maßstab.“

Kjeld: „Stimmungsmäßig würde es uns natürlich auch einen großen Schritt nach vorne bringen. Es hallt mehr, man hört uns mehr. Ansonsten haben wir viele Wünsche, über die man aber erstmal sprechen muss, die man vielleicht auch gemeinsam erarbeiten muss. Aber das klappt im IMG_9392Austausch mit unserem Präsidium sehr gut. Der Austausch ist auch für das Präsidium wichtig, da sie die Fansicht ja oft ohne weitere Erklärungen gar nicht nachvollziehen können. Umgekehrt bekommen wir so natürlich auch ein Verständnis dafür, warum bestimmte Sachen vielleicht nicht gehen, wie wir sie uns vorstellen. Natürlich gibt es auch Sachen, wo man sich dann mal drüber aufregt, aber da wird dann halt drüber gesprochen. Der weiße Fernsehturm ist natürlich auch so ein Ärgernis, der das Stadionbild kaputt macht. Da muss man sich dann auch überlegen, ob man da vielleicht das Vereinslogo drauf macht oder ihn farbig anstreicht, da muss man dann halt auch drüber sprechen.“ (Anm.: Der Turm wurde wenige Tage nach dem wir das Interview geführt haben abgebaut)

Nils: „Wir würden uns über ein Stadtturnier als Saisonvorbereitung freuen. Norderstedt hat ja auch noch andere Vereine. Wenn man es mit einem kleinen Fest verbindet und dann mal TuRa Harksheide einlädt, den Glashütter SV oder Friedrichsgabe. Vielleicht auch unsere eigene U19. Ich denke, das hilft allen Vereinen in Norderstedt, ein bißchen Aufmerksamkeit zu bekommen. Oder man lädt Vereine aus der näheren Umgebung ein.“

EN: „Wäre die 3.Liga aus Supporters-Sicht ein interessantes Ziel? Oder wird es dann too much, weil man dann eben bis ans andere Ende von Deutschland fahren muss für ein Spiel?“

Nils: „Ich fände es auf jeden Fall sehr interessant.“

Kai: „In der 3. Liga sind ziemlich viele Traditionsvereine und Fanszenen, die ich sehr beachtenswert finde. Ich hätte darauf auf jeden Fall Bock, das ist aber ein Ziel, was ich erst in weiter Ferne sehe. Aber warum nicht? Dann fahren wir halt nach Großaspach, auch kein Problem.“

Kjeld: „Da wären wir dann mehr Auswärtsfans als Heimfans…“ (alle drei lachen) „Aber man muss schon auf dem Teppich bleiben. Oddset-Pokal und dann im DFB-Pokal mal eine Runde weiterkommen, das wären für mich realistischere sportliche Ziele in nächster Zeit. Das hätte richtig was und da würde auch in Norderstedt so richtig was abgehen. Und sonst einfach mal eine konstante Liga-Saison spielen und sich oben festzusetzen, das wäre schön.“

EN: „Was waren für Euch die einprägsamsten Erlebnisse rund um Eintracht?“

Kai: „Schwer zu sagen. Für mich war die größte Enttäuschung das Spiel gegen Wolfsburg, glaube ich… wir waren soooo nah an der Sensation dran. Ich weiß nicht, was Mario Gomez getrunken hat, dass er nach dem Spiel zu solchen Aussagen kommt. („Wir hätten das Spiel 4:0, 5:0, 6:0 gewinnen müssen“, „Der Rasen war sehr trocken“, „Der Schiri hätte gerne das Freistoßtor von Norderstedt noch gesehen.“) Die Aussagen fand ich nach der schwachen Leistung des VfL ziemlich unsportlich, da ist das Wort „Profi“ an dem Mann falsch montiert. Wir hätten uns in die Verlängerung retten können und hätten das Ding dann wahrscheinlich sogar gewonnen, weil wir einfach den besten Torwart der Welt haben. Der grüne Tisch gegen Niendorf war natürlich auch ungünstig, aber gut, was soll’s. Holen wir uns den Pokal halt nächstes Jahr zurück.“

Nils: „Für mich sind die Auswärtsfahrten immer kleine Highlights, jede hat ihren eigenen Charme. Babelsberg, wo wir zu dritt waren, war aber der Hammer.“

Kjeld: „Für mich ganz klar meine erste Auswärtsfahrt nach Drochtersen. Da verbinde ich ein bißchen mehr mit, als die anderen, weil ich da das erste Mal auf dem Zaun ein bißchen Alarm gemacht und die Jungs angefeuert habe und bei dem Spiel sozusagen meinen Status als Vorsänger erlangt habe.“

Kai: „Ganz weit oben steht auch die Freundschaft zu den Jungs aus Havelse. Das sind ganz, ganz enge Freunde von uns.“

EN: „Wie ist es zu der Freundschaft mit Havelse gekommen?“

Nils: „Es fing an mit unserem Auswärtsspiel in Havelse zu Beginn dieser Saison. Das Wetter war eigentlich relativ gut. Schon zur Halbzeit kam einer der Havelser Jungs zu uns rüber und hat sich nett mit uns unterhalten, weil die sich gefreut haben, dass überhaupt mal jemand Auswärtsfans mitgebracht hat. Mitte der zweiten Halbzeit fing es plötzlich an, wie aus Kübeln zu gießen. Da DSC_1552_1500x1000kam der Havelser wieder zu uns rüber in den unüberdachten Gästeblock und meinte, wir sollen rüberkommen zu denen unters Dach, wir stellen uns nebeneinander und feuern die Mannschaften gemeinsam an. Damit fing es an. Dann hat der TSV für diese Aktion den Fairplay-Preis des DFB gewonnen. Als das Rückspiel in Norderstedt anstand, sind wir vorher auf die TSV-Fans zugegangen und haben denen ebenfalls angeboten, sich zu uns in den Block zu stellen. Wir haben uns schon vor dem Spiel mit den Jungs im Clubhaus getroffen, zusammen was getrunken und uns ausgetauscht, eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe gemacht. Daraufhin haben die uns zwei Wochen später beim Spiel im benachbarten Egestorf-Langreder unterstützt, wir dafür den TSV zwei Wochen später in Lübeck. Das wollen wir auf jeden Fall auch in der nächsten Saison fortführen.“

EN: „Wenn ihr einen deutschen Spieler nach Wahl nach Norderstedt holen könntet… wer wäre das?“

Kai: „Mario Gomez.“ (alle lachen)

Kjeld: „Linus Meyer auf Lebenszeit würde mir reichen.“

Kai: „Ich hätte einen. Dominik Schad von der SpVgg Fürth, der ist Rechtsverteidiger…“ (alle lachen) „Ihr habt doch alle keine Ahnung. Der ist U19/U20-Nationalspieler. Der würde hier extrem gut reinpassen.“

EN: „Wenn Euch ein Zuschauer fragt, warum er zu Eintracht Norderstedt gehe soll anstatt zum HSV oder St. Pauli… was antwortet ihr ihm?“

Nils: „Wenn er guten Fußball sehen will, ist er zumindest momentan hier deutlich besser aufgehoben als beim HSV oder Pauli. Es ist ehrlicher, es ist authentischer, man ist so nah dran, wie es beim Profi-Fußball niemals mehr sein wird. Es ist einfach ein ganz anderes Stadionerlebnis mit 500, 600 Zuschauern hier zu sein als einer von 30.000 oder sogar 55.000 im großen Stadion. Und durch den regionalen Bezug ist es auch emotionaler.“

EN: „Vielen Dank für das Interview – und vorallendingen für Eure Unterstützung in den letzten Jahren!“