2018 – Juli: Vanessa Blunk

Wenn es einen Interview-Gast gibt, der von Norderstedt bis Havelse vielfach gewünscht wurde, dann ist es die einzige Frau im Team, unsere Physiotherapeutin Vanessa „Vanni“ Blunk. Kein Problem – Vanni hat sich sofort bereit erklärt, uns Rede und Antwort zu stehen und das Geheimnis zu lüften, was sich in ihrem Medizinkoffer befindet, was es mit Laktatwerten auf sich hat, welche Erfahrungen sie als aktive Fußballerin gesammelt hat und wie es als einzige Frau unter vielen jungen Männern ist.

EN: „Hallo Vanni, schön dass du dich bereit erklärt hast, dich den Eintracht-Fans etwas näher vorzustellen. Also: wer bist du?“

VB: „Ich bin Vanessa Blunk, 28 Jahre alt und Physiotherapeutin. 1-PT Vanessa BlunkSeit vier Jahren bin ich bei Eintracht.“

EN: „Wie bist du zu Eintracht gekommen?“

VB: „Durch Rosi tatsächlich. Ich habe damals im Reha-Zentrum Norderstedt gearbeitet und er war mein Patient. Ich war zu der Zeit noch Physio beim TSV Sasel. Wir haben dann etwas gequatscht und er meinte, ich solle mich mal hier bewerben. Seitdem bin ich hier.“

EN: „So einfach geht das?“

VB: „Ja.“ (lacht)

EN: „Bist du Norderstedterin?“

VB: „Ich bin gebürtige Bad Segebergerin, wohne aber seit 2010 in Hamburg.“

EN: „Das heißt, du bist quasi mit dem Studium nach Hamburg gekommen?“

VB: „Genau, ich habe Physiotherapie im dualen Studiengang mit Bachelor-Abschluss studiert, bin dafür hergezogen und immer noch hier.“

EN: „Wenn du nicht arbeitest oder bei Eintracht bist, was machst du dann?“

VB: „Ich mache selber viel Sport, treffe mich mit Freunden, gehe gerne aus und genieße das Leben. Das Typische, sag ich mal.“

EN: „Sport ist ein gutes Stichwort, du hast früher auch selbst aktiv Fußball gespielt, oder?“

VB: „14 Jahre lang, ja. Ich habe mit fünf Jahren in einer Jungsmannschaft in Trappenkamp angefangen und habe da drei, vier Jahre gespielt. Das war aber das typische „Mädchen sind doof“-Alter und ich war das einzige Mädchen in der Mannschaft. Da habe ich dann erstmal aufgehört. Mit 12 Jahren habe ich dann in einer Mädchen-Mannschaft in Rönnau wieder angefangen.“

EN: „Welche Position hast du da gespielt?“

VB: „Ich war erst Stürmerin und bin dann über die Sechser-Position in der Innenverteidigung gelandet, also immer ein Stück weiter zurück gerutscht.“

EN: „Mit dem aktiven Fußball hast du dann aufgehört, als du nach Hamburg gegangen bist?“

VB: „Nein, erst als ich vor vier Jahren hier angefangen habe. Davor habe ich in meiner Sasel-Zeit noch ein bis zwei Jahre Standby in Rönnau gespielt, also immer mal ausgeholfen, wenn es gerade passte. Aber wenn man am Wochenende noch Physio im Verein macht, hat man zu oft Parallelspiele, so dass es keinen Sinn mehr gemacht hat. Und als es dann zu Eintracht Norderstedt in die Regionalliga ging, wurde der Zeitaufwand einfach zu groß. Ich hatte auch noch Kniebeschwerden, von daher habe ich dann meine aktive Karriere aufgegeben.“

EN: „Bringt deine Fußballer-Vergangenheit irgendwelche Vorteile für deinen Job hier?“

VB: „Auf jeden Fall, ich kann Verletzungen besser einschätzen und auch die Spieler selbst besser einschätzen, weil ich weiß wie es ist, wenn einer verletzt ist und unbedingt spielen will. Ich muss dann ein bißchen das Medizinische und die Verletzungsschwere vom Willen der Spieler abgrenzen. Ich kann die Jungs verstehen, wenn sie sagen ‚Mensch Vanni, das geht doch, ich kann doch spielen‘, aber ich muss dann eben sehen, ob ich das aus medizinischer Sicht gewährleisten kann oder ob es so schlimm ist, dass er Pause machen muss.“

EN: „Das heißt, du bist die Böse, die die Jungs dann ausbremsen muss.“

VB: „Ja. Manchmal aber auch die Gute, wenn ich sie früher zurückbringe.“ (lacht)

EN: „Hast du irgendwelche speziellen Methoden, um die Jungs schneller zurück zu bringen?“

VB: „Die Wundheilungsdauer kann nicht wesentliche beschleunigt werden. Aber man versucht natürlich alles an Interventionen und Hilfsmitteln einzusetzen, um den Spieler schnellstmöglich zurück zu bringen. Zudem machen wir im Lans Medicum Tests, um einschätzen zu können, wie stabil ein Spieler ist und ob er wirklich schon so weit ist, wie er glaubt zu sein.“

EN: „Du arbeitest hauptberuflich bei unserem medizinischen Partner Lans Medicum. Welche Vorteile haben wir durch diese Partnerschaft?“

VB: „Wenn sich ein Spieler verletzt, schätze ich erst einmal die Verletzung ein und ob sie zum Arzt müssen. Durch die Kooperation dauert es im Regelfall einen bis maximal zwei Tage bis sie einen Termin bei unserem Chef-Arzt Dr. Philip Catala-Lehnen haben, das geht alles deutlich schneller als normal. Wir haben alles vor Ort, wir haben zum Beispiel die Radiologie bei uns im Gebäude so dass die Jungs sofort zum MRT können.“

EN: „Aus dem privaten Umfeld kenne ich es eher so, dass die Leute auch mal gerne 6-8 Wochen auf einen Termin zur MRT warten müssen…“

VB: „Genau, diese Wartezeit haben wir durch die Kooperation nicht, bei uns geht das im Regelfall von einem Tag auf den anderen.“

EN: „Ist der Job bei Eintracht Teil deines Jobs im Lans Medicum? Oder ein Nebenjob, der sich einfach nur gut mit deinem Hauptberuf ergänzt?“

VB: „Ich arbeite 37 Stunden im Lans Medicum und dann nebenberuflich noch hier. Durch die Kooperation werde ich dann aber auch schon mal freigestellt oder kann früher gehen, wenn zum Beispiel Spiele unter der Woche stattfinden.“

EN: „Wie ist es dazu gekommen, dass du nebenbei Fußball-Physio geworden bist?“

VB: „Ich habe damals, als ich die Ausbildung gemacht und noch selbst gespielt habe, in meinem Verein die Männer betreut, um das Ganze noch ein bißchen besser zu lernen. So kam eins zum anderen. Fußball ist eben auch die Sportart, die mich am meisten interessiert. Wir betreuen bei uns im Lans auch die Basketballer von den Hamburg Towers oder den HSV Handball. Das ist auch echt cool und ich gucke mir die Spiele gerne an, aber Fußball ist dann doch nochmal was anderes.“

EN: „Und dann hast du dich bei Sasel einfach mal beworben?“

VB: „Ich war noch bei den Herren in Rönnau, aber das war relativ stressig mit der Fahrerei. Eine Freundin von mir hat Sasel betreut und ist für ein Jahr ins Ausland gegangen. Dann bin ich gefragt worden, ob ich nicht Lust hätte, ihren Job zu übernehmen. Ich hätte es auch länger machen können, aber da kam dann das Angebot von Norderstedt. Und Regionalliga ist dann doch nochmal was anderes als Landesliga, wo Sasel damals gespielt hat.“

EN: „Wie ist dein Zeitaufwand bei Eintracht?“

VB: „Ich mache das ja immer mit einem zweiten Physio zusammen, der momentan jede Saison gewechselt wird. Das finde ich etwas schade. Unter der Woche teilen wir uns die Trainingseinheiten auf und bei den Spielen bin meistens ich da.“

EN: „Was sind als Physiotherapeutin genau deine Aufgaben?“

VB: „Wenn sich ein Spieler im Spiel verletzt, geht es in erster Linie darum, Schmerzen akut zu stillen…“

EN: „,…mit dem legendären Eisspray?“

VB: „Nein, mit Eiswasser, kein Eisspray mehr“ (lacht) „Die Jungs geben dir auch viel an Input. Es hat sich komisch angefühlt, es hat geknackt… und dann testest du halt schnell durch und musst eine Erstdiagnose machen und überlegen, ob er weiterspielen kann oder nicht. Wenn es schlimmer ist, machst du gegebenfalls einen schönen Eis-Kompressions-Verband, damit es nicht so sehr anschwillt und dann geht es am nächsten Tag zum Arzt und dann zur Reha, die ich auch komplett betreue. Wenn die Jungs keine akute Verletzung haben aber hier oder da was weh tut, testet man auch durch, mobilisiert, stabilisiert, taped, macht mit den Jungs Stabilitätsübungen.“

EN: „Das heißt, wenn ein Spieler verletzt ist, kommt er zu dir ins Lans Medicum, ihr habt da sämtliche Gerätschaften und du knechtest ihn dann, bis er wieder fit ist?“

VB: „Genau.“

EN: „Ist das dann dein Hauptjob oder dein Nebenjob? Denn da verschwimmen ja so ein bißchen die Grenzen.“

VB: „Das ist dann mein Hauptjob.“ (lacht) „Das passiert alles im Lans. Interessant wird es, wenn sie da durch sind und wieder auf den Platz dürfen. Dann gehe ich mit auf den Platz und mache mit ihnen Übungen. Das ist auch noch ein Vorteil: Ich kann mit den Jungs Fußball spielen, fußball-spezifische Übungen machen, Pässe schlagen, flanken… halt alles, was dazu gehört.“

EN: „Machst du auch Prävention? Also irgendwelche Übungen oder Massagen, dass die Jungs sich nicht erst verletzen, oder wirst du erst aktiv, wenn sich jemand verletzt hat?“

VB: „Wir machen auch sehr viel präventiv. Wir filtern vor der Saison die Dysbalancen der Spieler raus und geben denen dann einen Trainingsplan mit Übungen, die sie selber machen müssen, meistens bestimmte Dehn- oder Stabilitätsübungen. Die überprüfen wir dann auch regelmäßig, denn es gibt ja wie überall welche, die das das sehr gewissenhaft machen und andere, die es etwas schleifen lassen…“

EN: „Wenn die neue Saison losgeht, werden die Spieler erstmal durchgecheckt…“

VB: „Wir machen vor der Saison immer eine Spiroergometrie auf dem Laufband…“

EN: „… eine was?“

VB: „Eine Spiroergometrie.“ (lacht) „Die „Spiro“, eine Atemgasanalyse, ist eine Form der Leistungsdiagnostik, ähnlich wie bei einer Laktatdiagnostik lässt sich hierüber die individuelle Ausdauerleistungsfähigkeit der Spieler bestimmen. Die Spieler bekommen eine Maske auf, über die dann jeder einzelne Atemzug während des Tests gemessen wird. Anhang dieser Daten bekommt man dann ein sehr umfangreiches Bild der Leistungsfähigkeit der Spieler. Ähnlich wie beim Laktattest wird bei der Spiro die Leistungsfähigkeit immer weiter gesteigert und die Jungs ans Limit gebracht. Man läuft in steigenden Belastungs-Intervallen von jeweils drei Minuten. Nach drei Minuten wird jedes Mal etwas Blut aus dem Ohr abgenommen, um den Laktatwert zu bestimmen.“

EN: „Laktattests ist auch sowas, von dem jeder Fußballfan schon gehört hat, aber keiner wirklich weiß, was es ist. Kannst du das leicht verständlich erklären?“

VB: „Laktat ist ein Stoffwechselprodukt, eine Milchsäure, die in der Muskulatur bei der Energiebereitstellung quasi als Zwischenprodukt gebildet wird. Laktat wird ständig produziert, bei geringer Anstrengung aber sofort weiter verstoffwechselt. Wird die Belastung immer weiter gesteigert, muss der Körper immer neue und immer mehr Energie zur Verfügung stellen. Irgendwann übersteigt die Laktatproduktion die Laktatabbaurate und genau dieser Laktatanstieg bzw. der Verlauf der Laktatkurve wird dann analysiert und ausgewertet. Über die „Spiro“ kann man sogar noch tiefer in den Stoffwechsel hineinschauen und zum Beispiel herausfinden, bis zu welcher Belastungsintensität der jeweilige Spieler in der Lage ist, Fette zu verstoffwechseln. Je höher die Belastung, desto mehr Laktat wird gebildet. Einen Teil kann der Körper noch abpuffern, aber am Ende wird es richtig hart! Die Muskulatur übersäuert und der Stoffwechsel kommt zum Erliegen. Und dann ist Feierabend. Das Prinzip ist immer gleich, nur der Weg dahin ist sehr individuell. Diesen Punkt sollen die Spieler natürlich erst möglichst spät erreichen, damit sie länger ihre natürlichen Kapazitäten zur Verfügung haben. Das Ziel ist bei beiden Verfahren, zum einen die aktuelle Leistungsfähigkeit zu bestimmen, zum anderen Trainingsbereiche für das Ausdauertraining zu bekommen, um so möglichst effektiv trainieren zu können.“

EN: „Und so stellt ihr dann fest, wie fit ein Spieler ist, damit gehst du zum Trainer und sagst „hier ist die Liste, viel Spaß beim quälen der Jungs“?“

VB: „Sozusagen, ja. Aus den Ergebnissen dieser Tests ermitteln wir die individuellen Laufzeiten der Spieler in den jeweiligen Trainingsbereichen, da ein Linus Meyer eine andere Laufzeit und ein anderes Tempo hat als ein Marin Mandic. Du kannst nicht beiden sagen, sie sollen 1.000 Meter in derselben Zeit laufen, das würde möglicherweise den einen über- und den anderen unterfordern. Durch die individuellen Laufzeiten kann dann jeder in seinen Grenzen laufen.“

EN: „Ist es schwer für dich als einzige Frau zwischen den ganzen Männern? Muss man da hart durch oder nehmen sich die Jungs da zurück, wenn eine Frau anwesend ist?“

VB: „Nein, kein Stück.“ (lacht)

EN: „Also es gibt nichts, was du nicht schon gehört hast?“

VB: „Nee. Aber ich bin auch ein ziemlich entspannter und toleranter Mensch, ich höre da auch mal weg und bin ziemlich abgehärtet. Wenn der Spruch ein wenig zu sehr unter die Gürtellinie geht, sage ich den Jungs auch, dass es etwas zu weit geht und dann passt das.“

EN: „Wenn man dich während einer Verletzungspause aufs Spielfeld laufen sieht, hast du immer einen kleinen Medizinkoffer dabei. Kannst du uns einen kleinen Einblick gewähren, was du da drin hast?“

VB: „Ich habe immer zwei kleinen Boxen dabei. In der kleinen sind zwei Flaschen Eiswasser und eine Flasche Wasser drin, ein Handtuch, Binden für einen Kompressionsverband und Kühl-Akkus.“

EN: „Also wirklich nur das Nötigste.“

VB: „Genau. Und dann habe ich noch eine kleine schwarze Tasche dabei, da sind dann Kompressen, Verbandsmaterial und Tape drin, so dass ich zum Beispiel Platzwunden schnell versorgen kann. Und ganz zur Not muss mir dann noch jemand meine große Tasche bringen, wo alles andere drin ist.“

EN: „Was ist das wichtigste Utensil?“

VB: „Das Eis, um Schmerzen zu lindern. Das ist ja der häufigste Grund, warum ich aufs Spielfeld laufe.“

EN: „Was war die übelste Verletzung, die du bislang verarzten musstest?“

VB: „Rosis Mittelgesichtsbruch. Das war… Puh. In solchen Situationen denkt man gar nicht richtig nach, sondern funktioniert einfach und tut das, was man gelernt hat und für richtig hält. Da denkt man höchstens, ob man an alles gedacht hat.“

EN: „Hast du einen ‚Lieblingspatienten‘?“

VB: „Mit Hamo und Linus habe ich zumindest am meisten Zeit verbracht.“ (lacht) „Ich bin jetzt seit vier Jahren hier und jeder ist total lieb und nett. Es sind in der Zeit einige Freundschaften entstanden.“

EN: „Das klingt so, als ob du uns noch lange erhalten bleibst.“

VB: „Ich hoffe. Es sei denn, es kommt ein Angebot aus der Bundesliga, dann bin ich weg.“ (lacht) „Es bringt wirklich viel Spaß hier. Wenn ein Angebot von oben kommt, würde ich es annehmen, weil es immer noch mein Traum ist, mal Physio in der Bundesliga zu sein und den Job Vollzeit zu machen. Aber ansonsten fühle ich mich hier wirklich wohl und habe keinen Grund, zu gehen.“

EN: „Wie sehr fieberst du mit, wenn du da draußen sitzt?“

VB: „Sehr doll. Ich muss mich immer sehr zurücknehmen, dass ich nicht so rumschreie. Das ist manchmal nicht so einfach. Ich glaube bei dem einen Spiel vor kurzem, wo der Schiri so komisch gepfiffen hat…“

EN: „In Egestorf? Wo Deran gefoult wird und dafür die gelbe Karte bekommt, Kocher vom Platz fliegt ohne den Gegner zu berühren und selbst der so besonnene Dirk Heyne an der Seitenlinie nicht mehr zu beruhigen war?“

VB: „Ja, genau. Da bin ich auch aufgesprungen und habe gepöbelt… darf man eigentlich gar nicht sagen, oder? Aber an sich feuer ich von draußen eher an und versuche zu motivieren.“

EN: „Du bist ja wirklich voll drin.“

VB: „Total. Wenn ich nicht beim Spiel sein kann, weil ich Fortbildung habe… das ist ganz schlimm. Dann muss ich zumindest den Sporttotal-TV-Livestream laufen lassen, sonst halte ich das nicht aus.“

EN: „Was verbindest du an Erinnerungen mit Eintracht Norderstedt?“

VB: „Die Pokalfinals, das Spiel gegen den VfL Wolfsburg im DFB-Pokal… das ist auch für mich eine super Erfahrung. Ich habe ja nie höherklassig gespielt. Das ist dann, in einem ausverkauften Stadion vor 5.000 Menschen, schon was anderes. Auf der negativen Seite die Verletzungsserie vor drei Jahren oder so, als wir fünf Spieler mit Kreuzbandrissen hatten und zehn Muskelverletzungen in fünf, sechs Monaten… Rosis Gesichtsverletzung, Hamos Kreuzbandrisse…“

EN: „Gibt es noch irgendwelche persönlichen Ziele, die du mit Eintracht hast?“

VB: „Alle Spieler verletzungsfrei durch die Saison zu bringen. Aufstieg in die 3. Liga, Pokalfinale nächstes Jahr wieder… und in der ersten Runde im DFB Pokal dann ein großes Los wie Bayern, Dortmund oder den HSV.“ (lacht)

EN: „Was zeichnet in deinen Augen Eintracht Norderstedt aus?“

VB: „Es ist schön, dass der Spielerkern in den vier Jahren, in denen ich hier bin, geblieben ist. Klar, es kommen und gehen immer einige, aber der Kern ist immer noch da, das finde ich toll. Das Drumherum wächst immer mehr… vor vier Jahren ist kaum einer mit auswärts gekommen, jetzt sind bei jedem Auswärtsspiel Fans mit dabei. Ich fühle mich einfach wohl, es ist eine kleine Familie geworden, die wächst. Drumherum passiert immer mehr, die Jungs haben mich super aufgenommen, ich darf bei jeder Feier dabei sein…“ (lacht)

EN: „Wenn du für Eintracht Norderstedt einen deutschen Spieler deiner Wahl holen könntest… wer wäre das?“

VB: „Da habe ich heute Nachmittag schon drüber nachgedacht, die Frage stellst du ja jedes Mal.“ (lacht) „Ich würde Toni Kroos holen. Ich mag den, der spielt echt guten Fußball.“

EN: „Abschlußfrage: Wenn einer fragt: „Warum soll ich zu Eintracht Norderstedt (als Zuschauer) kommen, wenn ich auch HSV/St. Pauli haben kann…“ was sagst du ihm?“

VB: „Wir haben selbst als Regionalliga-Verein tolle Stimmung, spielen normalerweise guten Fußball und man kann hier genau so viel Spaß und Freude haben wie bei den großen Vereinen. Allerdings regt man sich hier nicht so auf über Millionäre, die scheiße spielen, sondern hier noch ehrlicher Fußball gespielt wird und man den Jungs auch wirklich anmerkt, dass sie Spaß daran haben.“

EN: „Damit sind wir am Ende des Interviews angekommen… hast du noch etwas, was du den Leuten mitteilen möchtest?“

VB: „Ja. Ich finde es immer schlimm, wenn wir weiblichen Physios als „Massage-Mäuschen“ abgestempelt werden. Es gibt in unserem Beruf immer viele Vorurteile, man muss sich als Frau immer und ganz besonders beweisen. Zudem gibt es sicherlich auch Negativbeispiele, wo sich ein weiblicher Physio mehr um die Spieler kümmert, als sie sollte, um es mal so auszudrücken. Aber das ist halt schlecht für Frauen wie mich, die einfach Bock auf den Physio-Job haben und den Traum haben, bis in die Bundesliga zu kommen. Mit sowas möchte ich nicht gleichgestellt werden.“

EN: „Also, um es nochmal klar zu stellen: Du machst hier deinen Job, hast Spaß an der Sache und beschränkst dich auf das Berufliche?“

VB: „Genau.“ (lacht)

EN: „Vielen Dank für das offene Interview und alles Gute für die neue Saison!“