November: Linus Meyer

Für das Interview des Monats November haben wir „Fußballgott“ Linus Meyer um eine Audienz gebeten. Dabei erwies sich das „härteste Sixpack der Regionalliga“ gar nicht als göttlich, sondern als sympathischer Kicker der mit beiden Beinen im Leben steht, das Fußballerdasein sehr gut einschätzen kann und die momentane Entwicklung von Eintracht Norderstedt genießt, dabei aber das Ziel Profi-Fussball nicht aus den Augen verliert.

Linus, der sich gerade selbständig gemacht hat, verrät uns, wie ihr euer Geld vermehren könnt, welche Tipps er sich von Emre Can holen würde, dass er ohne sein Verletzungspech möglicherweise schon Profi wäre, dass Hamajak Bojagian FIFA-König ist, wie die Mannschaft das Pokalaus verkraftet hat und welchen ehemaligen Norderstedter er sich zurück wünscht.

EN: „Hallo Linus, schön dass du dir die Zeit nimmst, dich den Fans ein bißchen näher vorzustellen. Also schieß los: Wer ist Linus Meyer?“

LM: „Ich bin 25 Jahre alt und Mittelfeldspieler. Ich habe gerade mein Studium abgeschlossen und bin seit dem 01.10.2017 selbständig.“

EN: „Du bist vom Studium gleich in die Selbständigkeit gegangen?“

10 - Linus Meyer2 (Anne)LM: „Ja, genau. Ich wollte eigentlich bei der Firma anfangen, wo ich meine Werkstudentenstelle hatte, aber am Ende hat es nicht gepasst und wir konnten uns nicht einigen. Und dann habe ich mich entschieden, dass ich mich bei Rosis (Anm: Jan-Philipp Rose) Schwager bei der Deutschen Vermägensberatung selbständig mache. Dank meines Studiums habe ich dort die Chance, ein paar Karrierestufen zu überspringen. Voraussetzung dafür war allerdings, dass ich mich als Vermögensberater selbständig mache.

EN: „Das heißt, wenn ich wissen möchte, wie ich mein Geld vermehre, komme ich zu dir?“

LM: „Ja, gerne. Da können wir uns mal zusammensetzen.“ (lacht) „Aber das ist nur ein Teil davon. Es geht auch um Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit, Versicherungen, das gesamte Paket, damit du dir keine Sorgen mehr machen musst. Momentan bin ich da noch ganz am Anfang, viel bei den Behörden, Gewerbeamt, Finanzamt… das ist in den ersten Wochen schon sehr anstrengend. Und dann muss ich mir erstmal einen Kundenkreis aufbauen.“

EN: „Mittelfristig verträgt sich die Selbständigkeit sicher gut mit dem Fußball, wenn man seine Termine selbst legen kann und nicht zum Chef muss, um sich da einen freien Tag zu erbetteln, wenn man unter der Woche ein Auswärtsspiel hat?“

LM: „Das dachte ich auch, ja.“ (lacht) „Aber momentan ist das alles noch sehr viel. Man muss ja in der Vermögensbranche auch erstmal verschiedene Prüfungen ablegen, da bin ich momentan samstags viel unterwegs und habe da Seminare und Schulungen. Und dann fährst du am Sonntag mit der Mannschaft nach Hildesheim und bist wieder den ganzen Tag unterwegs. Wirklich viel frei habe ich in den letzten Wochen nicht gehabt. Aber ansonsten stimmt das mit dem selber einteilen natürlich. Und ich kann mir selber aussuchen mit wem ich zusammenarbeite.“

EN: „Also, ein Aufruf an alle Leser: wenn jemand Bedarf an einer Vermögensberatung hat und seine Finanzen mal durchchecken lassen will – wir stellen gerne den Kontakt zu Linus Meyer her. Linus, bleibt neben Fußball und Arbeit denn noch Raum für Freizeit?“

LM: „Momentan ist wirklich wenig Zeit für etwas anderes. Wenn ich Zeit habe, treffe ich mich gerne mit Freunden. Dann macht man halt das Übliche. Zusammen was essen gehen oder FIFA zocken zum Beispiel. Und ich gehe regelmäßig zum Fitness.“

EN: „Das kommt nicht überraschend… im letzten Winter hat die BILD-Zeitung ein Bild von deiner Facebook-Seite veröffentlicht und dazu „Das härteste Sixpack der Regionalliga“ getitelt…“

LM: (lacht) „Das mit dem Fitness hat vor zwei, drei Jahren angefangen. Und irgendwann ist es vom Hobby in eine Art inneren Zwang übergegangen, vier mal die Woche zum Fitness zu gehen.“

EN: „Aber „nur“ von vier Mal die Woche zum Sport gehen bekommt man ja nicht so einen Body. Was muss man dafür alles tun?“

LM: „Training ist natürlich nur die eine Seite, viel machen auch Ernährung und Disziplin aus. Mittags eben nicht zum Bäcker gehen und ein fettiges Brötchen essen, sondern sich einen Salat holen. Am Anfang war das schon hart, aber genau wie beim Training geht das irgendwann in Fleisch und Blut über.“

EN: „Gibt es ein bestimmtes Prinzip was du in Sachen Ernährung verfolgt?“

LM: „Ich hatte unseren damaligen Fitness-Coach Henrik Thode vom „North Gym“ angesprochen, was ich machen könne, um noch mehr aus dem Körper rauszuholen. Henrik hat mir dann ein Buch gegeben, das eigentlich für Eishockey-Profis ist. Ich will da gar nicht zu sehr ins Detail gehen, aber letztlich geht es darum, auf Kohlenhydrate zu verzichten und vor dem Spiel die Speicher nochmal richtig aufzufüllen. Also zum Beispiel bis Donnerstag komplett auf Kohlenhydrate verzichten und Freitag…“

EN: „… gibt es dann Nudeln ohne Ende?“

LM: „Genau. Und dann fünf Mahlzeiten am Tag um die Speicher richtig aufzufüllen. Das Buch hat mir sehr geholfen, da ich mir vorher nie Gedanken gemacht habe was oder wie ich esse.“

EN: „Über Facebook kam die Frage: Wie lange brauchst du für deine Frisur?“

LM: (lacht) „Die Frage kommt von einem Kumpel von mir, dazu gibt es auch ne Story… wir haben zusammen Fußball geguckt, Premier League, Liverpool… es hat in Strömen geregnet. Und plötzlich fragt er: ‚Was macht Emre Can eigentlich mit seinen Haaren? Das sieht immer noch aus wie geleckt?‘ Keine Ahnung wie der das macht… das ist echt heftig, die Frisur sitzt bei ihm wirklich immer. Vielleicht sollte man Emre Can wirklich mal anrufen und fragen…“ (lacht)

EN: „Du bist jemand, der extrem fit ist, bei dem man sagen könnte: Dein Körper ist dein Kapital. Und trotzdem ist dein Körper gleichzeitig auch dein Schwachpunkt und du bist immer wieder von Verletzungen aus der Bahn geworfen worden. Diese Saison sieht das allerdings – drei Mal auf Holz geklopft – alles noch sehr gut aus. Hast du nochmal weiter an deiner Fitness gearbeitet?“

LM: „Ich habe ja letztes Jahr im Oddset-Pokal-Finale einen Muskelbündelriss erlitten und dadurch die Vorbereitung verpasst. Da habe ich mir vorgenommen, dass ich fitter sein will als alle anderen. Ich will auch in der 90. Minute noch einen Sprint anziehen können, ohne dass ich Schmerzen habe. Also habe ich mit unserem Reha-Trainer Hans Baudisch gesprochen und gesagt ‚Hans, mach mich so fit wie es nur geht, lass uns bis ans Limit gehen.‘ Und erst als wir das erreicht haben, bin ich zurück gekommen. Dafür bin ich Hans extrem dankbar, er hat viel Zeit in mich investiert, teilweise zwei Stunden vorm Training schon. Das ist nicht selbstverständlich. Aber um auf die Frage zurück zu kommen… ja, ich denke schon, dass mich mein aktueller Fitnessstand vor Verletzungen schützt.“

EN: „Interessant finde ich bei dir, dass du jedes Mal wegen anderer Sachen ausgefallen bist. Andere Spieler haben vielleicht eine Schwachstelle wie das Knie, wo sie häufiger verletzt sind, bei dir war es immer was ganz anderes.“

LM: „Ist schon merkwürdig, oder? In der Oberliga und im ersten Regionalliga-Jahr hatte ich eigentlich nie Verletzungen. Klar, mal umgeknickt oder ne Prellung, aber nichts, was einen längere Zeit aus dem Verkehr gezogen hätte. Los ging es vor ziemlich genau drei Jahren in einem Spiel gegen die zweite Mannschaft von Eintracht Braunschweig. Da habe ich von einem Gegenspieler das Knie in die Weichteile bekommen. Da mussten sogar Teile des Hodens entfernt werden und ich fiel ein paar Monate raus. Danach ging es ein halbes Jahr, bis ich mir im September 2015 einen Kreuzbandriss zugezogen habe und fast neun Monate ausfiel. Im Winterurlaub in Thailand habe ich mir Pfeiffersches Drüsenfieber eingefangen und fiel wieder drei Monate aus. Und dann eben der Muskelbündelriss im Pokalfinale. Also ja, gefühlt habe ich wirklich alles schon gehabt… woran liegt es? Keine Ahnung. Vielleicht habe ich einfach einen Magneten für sowas.“

EN: „Kommen wie vom Fitnesswahn und Verletzungen mal zurück zum Kernthema: Fußball… wie sieht dein fußballerischer Werdegang aus?“

LM: „Angefangen habe ich mit vier Jahren beim Niendorfer TSV. Die 10 - Linus Meyer3 (Anne)anderen waren alle älter und größer als ich, da haben sie mich erstmal ins Tor gestellt… Bei Niendorf habe ich sehr lange gespielt, bis zum ersten Jahr B-Jugend. Da hatte ich ein ganz gutes Jahr, so dass mich sogar St. Pauli angesprochen hat. Das ist aber nichts geworden und ich bin zu Cordi gegangen. Da habe ich dann ein Jahr B-Jugend Bundesliga und ein Jahr A-Jugend Regionalliga gespielt und bin dann nach dem ersten Jahr A-Jugend zu Eintracht Norderstedt gewechselt. Da hatte Reenald (Anm.: Präsident Reenald Koch) einen ganzen Packen an Spielern von Cordi verpflichtet.“

EN: „Auch welche, die jetzt noch hier sind?“

LM: „Nur noch Dane Kummerfeld, wir beide sind die letzten, die aus der Gruppe noch hier sind. Ansonsten waren das noch Felix Schuhmann (Kapitän beim SC Victoria/Oberliga), Danijel Suntic (FC Teutonia/Oberliga) und Sebastian Spiewak (SV Curslack-Neuengamme/Oberliga). Von denen, die Reenald geholt hat, ist der Großteil dann auch in den Herrenbereich gegangen. Nick Scharkowski zum Beispiel. Der spielt aktuell auch beim SC Victoria…“

EN: „… und trifft wie eine Wahnsinniger, aktuell 16 Tore in 14 Spielen. Was ist da los?“

LM: „Ich weiß es auch nicht“ (lacht) „Wenn er trifft, dann macht er ja momentan auch gerne mal drei Tore auf einmal. Freut mich richtig für ihn. Ich verfolge die Oberliga ja auch ein bißchen, dadurch dass mein Bruder (Leon Meyer/Niendorfer TSV) da auch spielt.“

EN: „Als du von der Jugend in den Herrenbereich gegangen bist, war das ein gewaltiger Unterschied für dich?“

LM: „Das erste Jahr unter Andreas Prohn war ein ganz anderer Schnack. Auf einmal spielst du nicht mehr unter gleichaltrigen, sondern auch gegen Jungs die um die 30 Jahre alt sind und entsprechend Erfahrung haben. Das ist schon etwas ganz anderes, da wird dir auch auf anderen Ebenen noch was beigebracht. Wenn du da als jüngster Spieler nicht das Tor trägst, musst du dir ganz schön was anhören. Ich hatte aber das Glück, dass ich auch als junger Spieler schon relativ viel Spielzeiten bekommen habe. Das hat mich unheimlich weiter gebracht. Andreas Prohn war ein strenger Trainer, der viel Wert auf Disziplin gelegt, aber die jungen Spieler auch sehr gefördert hat und das immer noch tut. Aktuell ist er Trainer der U19-Bundesliga-Mannschaft vom Niendorfer TSV.“

EN: „Was waren denn deine bisherigen Karriere-Highlights?“

LM: „Auf jeden Fall der Regionalliga-Aufstieg und die beiden Pokalsiege, klar.“

EN: „Was kommt denn bei Linus Meyer in der Zukunft noch als Karriere-Highlight? Ist das Thema 3.Liga/Profi-Fußball abgehakt? Oder schielt man schon noch nach oben?“

LM: „Wenn jemand aus dem Profi-Bereich wirklich konkretes Interesse haben sollte, werde ich mir das auf jeden Fall anhören. Das ist immer noch ein Kindheitstraum. Aber ich weiß nicht, inwiefern da noch Faktoren wie Alter oder Verletzungshistorie eine Rolle spielen. Die Verletzungsanfälligkeit ist in den letzten Jahren ja nunmal da gewesen.“

EN: „Gab es denn in der Vergangenheit schon Interesse von weiter oben, die dann vielleicht auf Grund der Verletzungsgeschichte nichts geworden sind?“

LM: „Im letzten Sommer gab es ein paar Anfragen, aber als ich mich dann verletzt habe, war das Thema auch relativ schnell wieder durch. Die Verletzungsanfälligkeit war halt da, das muss man auch nicht schönreden. Ich gebe alles, versuche mich voll reinzuhauen und wenn was kommen würde, muss man sich damit auseinander setzen. Es war immer ein Traum von mir, im Profibereich zu spielen.“

EN: „Das heißt, wenn du die Saison über fit bleibst, haben wir im Sommer ein Problem?“

LM: „Wenn wir aufsteigen, nicht.“ (lacht)

EN: „Du hast seit einiger Zeit auch einen Berater. Viele Berater stehen in dem Ruf, ihre Spieler möglichst oft transferieren zu wollen um Kohle zu machen, aber kaum ein Außenstehender weiß, was Berater wirklich machen. Kannst du da etwas Licht ins Dunkel bringen?“

LM: „Ich arbeite mit der Spieleragentur „Dahms + Richter“ aus Düsseldorf zusammen. Die gucken nicht nur auf das fussballerische, sondern auch auf das, was neben dem Platz passiert. Studium, Job, Versicherungen, solche Geschichten. Es gab im Sommer auch ein paar Anfragen aus der Regionalliga. Die haben wir dann nacheinander durchgesprochen, aber ich wollte gerne hier bleiben. Da wollte mich auch keiner zu einem Wechsel drängen, da hieß es: ‚Mach das, was du dir vorstellen kannst, wo du am meisten Spaß hast‘. Und das hilft mir sehr, wenn ich dann jemanden habe, der mir meine Entscheidung bestätigt und man nicht komplett alleine dasteht. Und Eintracht ist immer mein erster Ansprechpartner.“

EN: „Das heißt, es geht nicht nur darum Angebote zu sondieren und den Spieler irgendwo unterzubringen, sondern mehr um eine komplette Rundum-Beratung?“

LM: „Ja, so kann man das am Besten sagen.“

EN: „Nochmal zurück zum sportlichen. Gibt es irgendwelche Negativ-Highlights?“

LM: „Letzte Woche das Ding im Oddset-Pokal. Wir haben zweieinhalb Jahre kein Pokalspiel verloren (Anm.: Die letzte Niederlage war am 08.03.2015 bei Buchholz 08) und dann scheiden wir per Gerichtsbeschluß aus, das war schon hart. Weil du völlig machtlos bist. Generell sind die Pokalniederlagen eigentlich immer am Schlimmsten. Gegen Buchholz, das Jahr davon gegen den FC Elmshorn, das sind auf jeden Fall Negativpunkte. Für mich persönlich natürlich noch der Kreuzbandriss und die anderen Verletzungen.“

EN: „Wie gehst du ansonsten mit Niederlagen um?“

LM: „Jedes Spiel das man verliert, nervt. Nimm das Spiel in Egestorf Mitte Oktober, da hatte ich einige Chancen und treffe das Tor nicht. Das nervt mich, da kann ich die ganze Woche nicht schlafen, weil die Mannschaft so super gespielt hat und ich meinen Teil dazu nicht so beitragen konnte, wie ich es gerne gemacht hätte. Ich will ja auch Verantwortung in der Mannschaft übernehmen und wenn das dann nicht so klappt, tut das weh.“

EN: „Wer ist der beste Fußballer bei Euch in der Mannschaft?“

LM: „Ich finde, mit der allgemeinen Qualität in der Mannschaft stehen wir da, wo wir auch hingehören mit Tendenz nach oben. Platz Zwei oder Drei kann man mit dieser Mannschaft schaffen, warum nicht? Gegen Flensburg zum Beispiel waren wir, finde ich, spielerisch besser. Flensburg war am Ende halt cleverer mit zwei Standard-Toren, aber besser als wir waren die nicht. Aber da jetzt einen Spieler hervorzuheben, fällt mir echt schwer. Der Kader ist eng zusammen. Nimm unseren Sturm als Beispiel, da haben wir mit Sinisa Veselinvic und Jan Lüneburg einen Härtefall. Sini macht das richtig stark, aber Lüne ist ja auch kein Schlechter. Aber das pusht einen, Lüne nimmt das sehr professionell an, gibt in jedem Training Vollgas. Wenn er gebraucht wird, ist er da, ausruhen kann sich Sini nicht. Aber ausruhen kann sich bei uns sowieso keiner, dafür ist der Kader zu ausgeglichen besetzt.“

EN: „Aktuell ist ja das neue FIFA-Spiel auf dem Markt und jeder Konsolenfan spricht davon… Wer ist aus der Mannschaft der beste FIFA-Zocker?“

LM: „Ich habe mal ne ganz üble Niederlage gegen Hamo (Anm.: Hamajak Bojadgian) kassiert. Wir wollten nach einem Spiel mal zusammen feiern gehen und haben uns bei Philipp Koch zu Hause getroffen. Dann hatten wir noch ein bißchen Zeit zu überbrücken und haben die Playstation angemacht… Keine Ahnung was Hamo mit mir gemacht hat, eigentlich bin ich gar nicht so schlecht, aber der hat mich richtig auseinandergenommen… Hamo ist schon richtig gut. Juri Marxen auch.“

EN: „Im Stadion hört man häufiger die Fans rufen „Linus Meyer – Fußballgott“… was ist das für ein Gefühl, wenn man als Fußballgott bezeichnet wird?“

LM: „Das ehrt und freut mich natürlich sehr. Ich weiß gar nicht, wie das entstanden ist…“

EN: „…schade, dass wäre meine nächste Frage gewesen.“

LM: „War das gegen Meppen? (Anm.: Das Spiel endete 3:3, Linus Meyer erzielte alle drei Tore)

EN: „Nein, das war definitiv früher. Ich bin der Meinung dass ich im DFB-Pokal gegen Fürth schon einen Banner „Linus Meyer Fußballgott“ gesehen habe.“

LM: „Haha, das war der Kumpel von mir, mit dem ich auch das Emre Can-Thema hatte. Das war aber eher als Spaß gedacht. Dass sich das so einbürgert hat, freut mich natürlich. Aber das sehe ich schon mit einem gewissen Augenzwinkern, ich kann das schon einschätzen. Sowieso, was die letzten Jahre bei uns gewachsen ist, ist super. Das macht echt Spaß. Ich freue mich immer, wenn ich euch da stehen sehe. Ich kenne das ja auch noch anders, in der Oberliga waren hier 150 Zuschauer. Und wenn man dann wie letzte Woche auswärts in Hildesheim spielt und unsere Fans lauter sind als die Heimfans, das ist echt geil und pusht einen nochmal enorm. Wir Spieler wissen auch, dass das nicht selbstverständlich ist und wissen es sehr zu schätzen. Ich finde, wir sollten uns nicht mit anderen Vereinen vergleichen, sondern die Entwicklung des Vereins sehen. Das muss man entspannt sehen und nicht so verkrampft. Ich freue mich über wirklich jeden, der zu unseren Spielen kommt.“

EN: „Welche Ziele hast du mit Eintracht?“

LM: „Auf jeden Fall nochmal den Pokal holen. Das ist ein absolutes Highlight, was für vieles entschädigt. Wir Spieler leisten hier einen Riesenaufwand, du trainerst vier Tage die Woche, bist oft am freien Tag auch noch hier, plus dann die Spiele und das alles neben der Arbeit. Und wenn du dann den Pokal holst, weißt du, wofür du den Aufwand betreibst.“

EN: „Wie habt ihr als Mannschaft die letzte Wochen wahr genommen? Dass ihr aus dem Pokal ausscheidet und Euch die Hände gebunden waren?“

LM: „Präsident Reenald Koch hat uns die ganze Zeit über den aktuellen Stand des Protestes auf dem Laufenden gehalten. Als das Ergebnis fest stand, hat er das Training unterbrochen und uns darüber informiert. Da mussten wir alle schon erstmal schlucken, dass man auf diese Art aus dem Pokal ausscheidet. Aber gegen Egestorf haben wir schon gezeigt, dass wir das sehr professionell aufgenommen haben und haben uns dann gegen Hildesheim auch belohnt. Klar ärgert man sich extrem. Aber man kann es nicht ändern und das Leben geht weiter.“

EN: „Wie schafft man es jetzt, die Motivation oben zu halten, wenn das erkärte Saisonziel nicht mehr erreicht werden kann?“

LM: „Das wird sich zeigen. Gas geben tun wir immer, da wird keiner bei sein der sagt ‚jetzt laufen ich mal einen Meter weniger‘. Aber wir sind so weit oben dabei, das wollen wir verteidigen und ausbauen. In Hildesheim hat die Stadionsprecherin gesagt ‚Die Bilanz von Eintracht Norderstedt: Fünf Siege, fünf Unentschieden und nur eine Niederlage.‘ Da hat Deran im Kreis vor dem Spiel auch nochmal drauf hingewiesen, dass wir diese Bilanz noch ein wenig ausbauen wollen. Aber die Frage ist natürlich, wie sich das aufs Unterbewußtsein auswirkt. Das werden die nächsten Wochen zeigen. Die Trainer machen gute Arbeit, im Training ist sowieso immer Feuer drin… Ich glaube und hoffe, dass die Trainer das gut im Griff haben und jeder Spieler professionell genug ist, das Thema abzuhaken und für die Ligaspiele alles rauszuhauen.“

EN: „Ohne Pokal muss das Saisonziel ja korrigiert werden… Was ist ein erstrebenswertes Ziel für den Rest der Saison?“

LM: „Ich finde ‚so gut wie möglich‘ abzuschneiden ist kein Ziel. Eine Zahl ist ein Ziel. Entweder eine Platzierung oder eine bestimmte Anzahl von Punkten. Es heißt immer „40 Punkte“… finde ich auch schwierig. Zumal ja noch nicht mal sicher ist, dass 40 Punkte dieses Jahr für den Klassenerhalt reichen. Werder Bremen II und der VfL Osnabrück sind in der 3. Liga ganz unten dabei. Wenn die runterkommen, hast du auf einmal fünf Absteiger, da reichen 40 Punkte nicht mehr aus. Aber 40 Punkte kann nicht unser Anspruch sein. Wenn man sieht, was an Qualität im Kader steckt und wenn jeder seine Leistung auf den Platz bringen kann, sollte ein Platz in den Top 4 machbar sein.“

EN: „Hast du generell irgendeinen Wunsch im Fußball oder für den Fußball?“

LM: „Ich würde mir wünschen, mit dieser Mannschaft das Abenteuer 3. Liga anzugehen. Ich will jedes Spiel gewinnen und wer jedes Spiel gewinnt, steigt auf. Ich spiele hier schon so lange, bin hier fußballerisch zum Mann geworden, einen Aufstieg habe ich schon mitgemacht… das war ein so schönes Gefühl, das würde ich gerne nochmal erleben. Im DFB-Pokal wieder mit zu spielen und eine Runde weiter zu kommen wäre auch nochmal ein schönes Ziel. Gegen Wolfsburg waren wir ja schon dicht dran.
Für mich persönlich: Ich würde gerne mal eine Saison komplett verletzungsfrei durchspielen. Und ich würde gerne mal wieder ein Tor schießen. Deran wird schon sauer, der spielt richtig geile Pässe im Moment und ich bekomme sie nicht aufs Tor…“

EN: „Zum Abschluß noch ein paar schnelle Fragen und schnelle Antworten… Mein Lieblingsspieler ist…“

LM: „… Cristiano Ronaldo.“

EN: „Mein Lieblingsgegner in der Regionalliga ist…“

LM: „… Altona 93.“

EN: „Das schönste Stadion der Welt ist…“

LM: „… natürlich das Edmund-Plambeck-Stadion!“

EN: „Mein Lieblingsverein außer Eintracht Norderstedt ist…“

LM: „Ich bin Hamburger. Also HSV und St. Pauli.“

EN: „Haha, das passt wie Faust aufs Auge zur nächsten Frage…. HSV oder St.Pauli?“

LM: „Ich mag beide. Aber eher HSV.“

EN: „Der schönste Ort der Welt…“

LM: „… Hamburg.“

EN „Mein Lieblingsessen ist…“

LM: „…obwohl ich es sehr selten esse: Pizza.“

EN: „Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich…“

LM: „… fliegen können.“

EN: „Linus Meyer ist…“

LM: „… ehrlich.“

EN: „Wenn du für Eintracht Norderstedt einen deutschen Spieler deiner Wahl holen könntest… wer wäre das?“

LM: (überlegt) „Einen deutschen Spieler? Puh… jetzt hast du mich.“ (überlegt weiter) „Ole Springer.“

EN: „Ole Springer? Spannende Wahl, die anderen haben bislang immer in Richtung Nationalspieler geguckt.“

LM: „Ole ist ein richtig guter Torwart. Schade, dass er damals gegangen ist. Hast du gesehen was der im DFB-Pokal gemacht hat? (Anm.: hat mit dem Lüneburger SK Hansa gegen den FSV Mainz gespielt) Das war richtig stark.“

EN: Abschlußfrage: Wenn einer fragt: „Warum soll ich zu Eintracht Norderstedt (als Zuschauer) kommen, wenn ich auch HSV/St. Pauli haben kann…“ was sagst du ihm?

LM: „Hier gibt es ehrlichen Amateur-Fussball unter Profi-Bedingungen. Hier gibt es ansehnlichen Fussball, ehrlichen Kampf und wir spielen halbwegs erfolgreich. Und auch wenn ich es lange nicht mehr gegessen habe: Unser Stadion-Currywurst ist überragend, die ist auf jeden Fall ein Highlight.“

EN: „Linus, vielen Dank für deine Zeit und das ausführliche Interview und viel Erfolg für den Rest der Saison!“