Juli: Johannes Höcker

Torhüter und Linksaußen haben einen an der Klatsche, hat man immer gesagt. Das stimmt.

EN: „Hallo Höcki, vielen Dank dass du dir die Zeit nimmst für unser Interview. Kannst du uns ein paar Worte zu deiner Person sagen? Wer bist du und wie kommst du als Bayer ausgerechnet nach Norderstedt?“

JH: „Ein Bayer im Norden, seit Sommer 2005. Mein ehemaliger Berater war auch Scout beim HSV für den bayerischen Bereich und hat mir ein Probetraining beim HSV vermittelt. Darüber habe ich dann einen Vertrag für die HSV-Amateure bekommen.“ (Anm: Die HSV-Amateure haben damals auf dem HSV-Trainingsgelände Ochsenzoll in Norderstedt trainiert) „Ich hatte Glück, dass beim HSV mit Basti Müller, Nick Proschwitz und Tobi Zott schon drei Spieler aus dem bayerischen Raum waren. Daher war der Sprung alleine nach Hamburg mit 20 Jahren schon schwer, aber nicht so schwer wie wenn du gar keinen kennen würdest.“

EN: „Brauchtest du Eingewöhnungszeit? Bayern und Norddeutschland sind ja in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlich…“

JH: „Ich bin hier hoch gekommen und dachte, das ist so, wie sie immer gesagt haben. In Bayern sind sie lieb und nett und in Hamburg kühl. Das habe ich komplett anders wahrgenommen. Ich habe schon zu Anfang sehr viele nette Leute kennen gelernt, das Klischee kann ich gar nicht bestätigen. Das einzige was mir gefehlt hat, waren die Berge und das Flair der Berge wenn ich zu meinen Eltern fahre.“

EN: „Aber dafür hast du hier ja Nord- und Ostsee.“

JH: „Stimmt… Fisch mochte ich schon immer. Und das bayerische Essen bekommt man hier ja auch, im Hofbräuhaus oder anderen Lokalitäten, das ist gar nicht so schwer.“

EN: „Wie hattest du dich sportlich beim HSV eingelebt?“

JH: „Mein erster Trainer beim HSV war Joachim Philipkowski, das hat mir sehr geholfen. Das Training war super, so wie man sich das vorstellt. Vor mir war allerdings mit Wolfgang Hesl ein starker Torhüter. Ich saß erstmal auf der Bank, daran musste ich mich gewöhnen. Ich war immer nah dran, aber meine Zeit kam erst, nachdem sie Wolle zu den Profis hochgezogen haben, dann war ich Nummer 1. Zu dem Zeitpunkt war Karsten Bäron als Nachfolger von Piepel Trainer bei den Amateuren.“

EN: „Nach zwei Jahren war beim HSV für dich bereits wieder Schluß. Wie kam das?“

JH: „Das war eine verzwickte Sache. Im Winter-Trainingslager in der Türkei hatten wir besprochen, dass ich meinen Vertrag verlängere. Das habe ich meinem Berater dann auch so mitgeteilt. Dann haben wir allerdings gewartet und gewartet, aber es kam nichts vom HSV. Gehört habe ich erst im Sommer was, als Bernd Legien mich anrief und fragte „sag mal, was war denn da los?“ Da habe ich erfahren, dass wir angeblich zu viel gefordert hatten, was aber nicht stimmte. Das war eine unschöne Geschichte und hat mich danach auch noch eine Weile geärgert.“

EN: „Wie ging es für dich weiter?“

JH: „Ich habe mich auf die Suche nach einem neuen Verein begeben. Liechtenstein wäre eine Möglichkeit gewesen, beim FC Vaduz, die in der Schweizer Liga spielen. Pierre Littbarski war zu dem Zeitpunkt dort Trainer. Ich habe mich aber letztlich gegen Liechtenstein und für meine Familie und eine Ausbildung entschieden.“

EN: „Fußball kann man auch in Hamburg spielen und Ausbildungsmöglichkeiten gibt es auch. Trotzdem bist du dann in Wismar gelandet. Wie kam das zustande?“

JH: „Vom HSV kannte ich Fabian Bröcker, der zu dem Zeitpunkt bei Anker Wismar in der NOFV-Oberliga Nord gespielt hat. Der ist in der Saison, wo ich zum HSV kam, nach Braunschweig gewechselt, hatte sich vorher allerdings noch beim HSV fit gehalten. Wir haben uns gleich gut verstanden und sind in Kontakt geblieben. Als meine Zeit beim HSV zu Ende ging, haben wir uns zusammen das letzte Saisonspiel vom HSV in Braunschweig angeguckt. Wir kamen ins Gespräch und plötzlich war Wismar Thema. Team-Manager Rene Rydlewicz hat mir dann ein Paket zusammengestellt mit Fußball und einer Ausbildungsstelle als Freizeit- und Tourismuskaufmann. Dauer der Ausbildung war drei Jahre, von daher habe ich dann für drei Jahre in Wismar unterschrieben. Dazu habe ich noch ein Praktikum im Wonnemar Wismar,  einem Freizeit- und Erlebnisbad, gemacht.“

EN: „Fußball, Ausbildung und Praktikum gleichzeitig? Und dazu noch eine junge Familie in Norderstedt?“

JH: „Ja, die Zeit war brutal. Ich bin fünf, sechs Mal die Woche hin und her gefahren, pro Tag 240 km. Morgens um halb sechs los, abends um 23.00 Uhr war ich zu Hause.“

EN: „Schlafen ist nicht so dein Ding, oder?“

JH: „Nee.“ (lacht) „Heute würde ich sowas nicht mehr machen. Könnte ich wahrscheinlich auch nicht mehr. Die Zeit war wirklich hart, zeitweise echt an der Grenze. Auf der Autobahn ist man dann auch irgendwann kurz davor weg zu nicken. Ich habe das aber durchgezogen und nach meiner Zeit in Wismar mit Eintracht den für mich perfekten Schritt zurück nach Hamburg/Norderstedt geschafft.

EN: „Warum war Norderstedt der perfekte Schritt? Weil du mit der Ausbildung fertig warst und deine Familie nach wie vor in Norderstedt gewohnt hat?“

JH: „Genau. Wir haben ein Haus in Glashütte, meine Kinder haben mich in den drei Jahren kaum zu Gesicht bekommen, weil ich immer unterwegs war. Da war es das klare Ziel, nach Norderstedt zurück zu kommen. Als ich zurück in Norderstedt war, habe ich parallel zu Eintracht mit BodyAttack einen neuen Arbeitgeber gefunden. Dass es mit dem Arbeitgeber sofort geklappt hat und dann auch noch mit Eintracht Norderstedt, ist natürlich perfekt gelaufen. Eintracht war damals noch in der Oberliga Hamburg, aber das war kein Problem. Anker Wismar war ja auch in der Oberliga, wobei die Liga deutlich stärker war als die Oberliga Hamburg. Aber da haben wir auch in Brandenburg und Berlin gespielt. Das waren teilweise ziemlich weite Auswärtsfahrten. Da bin ich morgens erst mit dem Auto nach Wismar und dann mit dem Mannschaftsbus noch weiter bis nach Torgelow an der polnischem Grenze und danach wieder nach Hause.“

EN: „Da möchte ich nicht tauschen. Aber jetzt bist du ja wieder in Norderstedt und bleibst hoffentlich noch eine Weile.“

JH: „Auf jeden Fall. Vertrag habe ich ja noch ein Jahr. Und alles was danach kommt, sehen wir dann.“

EN: „Hast du dir ein Ziel gesetzt, wie lange du spielen willst?“

JH: „Wichtig ist, dass die Familie mitzieht. Das haben Daniela und die Jungs in den letzten zehn Jahren gemacht. Die Jungs spielen ja auch Fußball. Der Große und der Kleine spielen bei St. Pauli, der mittlere hier bei Eintracht. Da will man dann auch das ein oder andere Mal zugucken. Logistisch ist es auch schwer. Da muss ich Daniela natürlich hin und wieder mal unterstützen und die Jungs zum Training zu fahren oder abzuholen. Ein Jahr machen wir das auf jeden Fall noch. Was danach kommt, lasse ich auf mich zukommen. Es kommt ja auch darauf an, was mein Körper sagt, ob ich weitestgehend verletzungsfrei bleibe. Dieses Jahr ist es nicht so optimal gelaufen mit Bandscheibenvorfall und dem Faserriß in der Vorbereitung. Warten wir mal ab, erstmal will ich die Vorbereitung durchziehen und verletzungsfrei in die Saison starten.“

EN: „Du hast es gerade schon gesagt, du arbeitest Vollzeit, spielst bei Eintracht, hast Frau und drei Söhne, bist mit deiner Familie ständig auf Achse… Bleibt da überhaupt noch Zeit für Hobbys?“

JH: „Nein, Freizeit habe ich gar keine mehr. Bei uns besteht wirklich die ganze Woche von Montag bis Sonntag nur aus Fußball. Ich habe vier Mal Training und ein Spiel, der Große hat vier, fünf Mal Training und ein Spiel, der Mittlere hat drei Mal Training und ein Spiel, der Kleine jetzt auch und alles verteilt durch Hamburg… da sind die Wege natürlich extrem weit, die Daniela mit den Jungs absolvieren muss. Und die arbeitet ja auch noch 25 Stunden die Woche.“

EN: „Die Regionalliga gilt als anspruchsvollste Liga für den Menschen hinter dem Fußballer, weil du mehr oder weniger unter Profi-Bedingungen spielst, nebenbei aber noch einen Job hast. Ab der Oberliga ist das deutlich entspannter, man trainiert seltener, die Wege sind kürzer und wenn die Oma vier Mal im Jahr Geburtstag hat, sagt keiner was. Ab Liga 3 ist Profitum angesagt. Wie bekommt man das in der Regionalliga arrangiert mit Training und Spielen unter der Woche? Muss sich deine Arbeit dem Fußball unterordnen?“

JH: „Ich habe Glück, dass bei mir auf der Arbeit Chefs und Abteilungsleiter Fußball-begeistert sind, zudem habe ich Gleitzeit, das gibt mir etwas Freiraum. Wenn unter der Woche ein Auswärtsspiel in Wolfsburg oder Flensburg ansteht, kann ich problemlos früher gehen. Schenken tun sie dir natürlich nichts, aber ich kann dann im Rahmen der Gleitzeit die Zeit wieder aufholen oder Vorarbeiten. Ich habe schon im Vorstellungsgespräch gesagt, dass ich Fußball spiele und das relativ zeitaufwändig ist, vorallem auch in der Vorbereitungszeit und wenn Nachholspiele unter der Woche anstehen. Da werden mir aber keine Steine in den Weg gelegt, das läuft sehr gut.“

EN: „Torhüter gelten ja manchmal auch als etwas verrückt… wie sieht das bei dir aus?“

JH: „Torhüter und Linksaußen haben einen an der Klatsche, hat man immer gesagt. Das stimmt. Ich glaube, dass nicht jeder Torhüter werden kann, man braucht schon einen gewissen Charakter, eine gewisse Ausstrahlung und darf keine Angst haben. Torhüter ist eine Position, wo viel Konzentration notwendig ist. Wenn du als Torwart einen Fehler machst, ist es zu 95% ein Tor. Wenn du als Mittelstürmer einen Fehler machst, sind noch zehn Leute hinter dir, die das verhindern können. Von daher hat ein Torhüter immer nochmal einen zusätzlichen Druck gegenüber Feldspielern.“

EN: „Warst du von Anfang an Torwart?“

JH: „Ich habe mit vier, fünf Jahren angefangen, mein Vater war mein erster Trainer. Erst war ich Abwehrspieler, dann Mittelfeld, dann im Sturm. Als ich ungefähr 12 Jahre alt war, hat sich unser damaliger Torhüter verletzt. Also sagt mein Vater: „Bub, geh doch mal ins Tor.“ Ab da stand ich im Tor und bin dann auch drin geblieben.“

EN: „Wie bist du denn überhaupt zum Fußball gekommen? Durch deinen Vater?“

JH: „Mein Vater war selber Spieler. Da stand ich schon als kleiner Junge hinter dem Tor und habe ihm zugeguckt. Wir haben 50 Meter neben dem Fußballplatz gewohnt, da wächst du dann natürlich rein, genau wie meine Kinder jetzt in den Fußball reinwachsen. Da war logisch, dass ich dann auch anfange. Mein Vater und mein Onkel haben dann über Jahre hinweg die Mannschaft von meinem Cousin und mir trainiert.“

EN: „Das heißt, du hast bei einem Dorfverein angefangen?“

JH: „Ja, das waren vier Gemeinden mit zusammen 2.000 Einwohnern, die da zusammen geschlossen wurden. Es war aber im Vergleich zu heute ganz anders. Heute hast du auch im Jugendbereich schon Leistungsdruck. Das gefällt mir nicht, dass man den Jungs nicht die Zeit gibt, sich zu entwickeln. Bei uns hattest du Ruhe, konntest dich entwickeln. Wenn du mal ein Jahr einen Hänger hattest, hattest du die Zeit, dass wieder aufzuholen. Nachdem ich ein Jahr im Tor war, bin ich mit 13 Jahren zur SpVgg Ruhmannsfelden gewechselt, dass war ein etwas ambitionierterer Verein, etwa 45 Minuten von zu Hause entfernt. Mit der Mannschaft haben wir uns dann richtig hoch gekämpft und in der Aufstiegsrunde gegen den FC Augsburg gespielt.“

EN: „Wie bist du von Ruhmannsfelden zu Bayern gekommen?“

JH: „Ich habe damals erst in der Bayerwald-Auswahl gespielt, dann in der Niederbayern-Auswahl bis ich schließlich in der Bayern-Auswahl war und mich da als Nummer 1 durchgesetzt habe. Da haben wir Länderturniere gespielt in Duisburg und Berlin.“

EN: „Und über die Bayern-Auswahl ist der FCB dann auf dich aufmerksam geworden?“

JH: „Nicht nur die, es haben mehrere Vereine angefragt, in erster Linie natürlich die bayerischen. Wie waren in Nürnberg und bei 1860 München. Und dann wäre ich fast beim VfL Wolfsburg gelandet. Eigentlich war ich mit denen schon klar, der Vertrag lag schon bei mir zu Hause. Und kurz vor der Unterschrift hat dann der FC Bayern angerufen. Dann sind wir nach München gefahren, ich habe da einmal mittrainiert und dann war die Sache eigentlich klar. Wenn du als bayerischer Jung die Chance hast, zum FC Bayern zu gehen, dann machst du das.“

EN: „Wie alt warst du da?“

JH: „Ich bin mit 16 Jahren zu Hause ausgezogen und war dann vier Jahre bei Bayern München. Da habe ich die ersten drei Monate bei meinem Onkel gewohnt und dann alleine. Das war in dem Alter natürlich nicht so einfach. Wäsche selber machen, aufräumen, zusehen dass der Kühlschrank immer voll ist, sich vernünftig ernähren… das war ein wichtiger Schritt, weil man dann sicherlich ein Stück weiter und selbstständiger ist als andere in dem Alter. Ich hatte aber immer die volle Unterstützung von meinem Vater, der ein- bis zweimal die Woche nach München gekommen ist und geguckt hat, was der Sohnemann so macht. Wir hatten da immer einen sehr engen Bezug zueinander. Ich hab dann bei Bayern das ältere Jahr B-Jugend gespielt, dann zwei Jahre A-Jugend und ein Jahr Amateure unter Herman Gerland. Und von da bin ich dann zum HSV gewechselt.“

EN: „In der Bayern-Jugend hast du mit zahlreichen namhaften Spielern zusammen gespielt, oder?“

JH: „Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm sind sicherlich die namhaftesten, die muss man hervor heben. Aber auch Piotr Trochowski, Paolo Guerrero, Christian Lell, Andreas Ottl und und und… das war auf jeden Fall eine schöne Erfahrung und eine sehr schöne Zeit.”

EN: „Du hast aber nicht nur bei den Amateuren gespielt, sondern auch bei den Profis mittrainiert.“

JH: „Als ich in der A-Jugend war, durfte ich immer mal wieder oben reinschnuppern. Die Torhüter waren damals Oliver Kahn, Stefan Wessels und Bernd Dreher. Das Torhütertraining mit Sepp Maier und gemeinsam mit Oliver Kahn zu trainieren war das größte, was ich erleben durfte. Das hat Spaß und einen natürlich auch stolz gemacht. Da kommt dann auch mal die Familie aus Bayern vorbei und guckt beim Training zu. Unter Ottmar Hitzfeld und Michael Henke habe ich ziemlich oft oben mittrainiert. Als Felix Magath dann kam eher weniger, der war mit meiner Größe nicht zufrieden. Ich habe dann zwar hin und wieder mittrainiert, aber man hat schon gemerkt, dass er eher auf große Torhüter steht.“

EN: „Gibt es irgendwelche Stories aus der Bayern-Zeit mit bekannten Spielern, die man auch erzählen kann?“

JH: „Da gibt es schon zwei, drei Sachen, aber die kannst du nicht schreiben.“ (lacht) „Aber es gibt schon Sachen, die in Erinnerung bleiben. Einmal saßen Kahn und Michael Ballack im Entmüdungsbecken und ich war ein junger Spieler, da gehst du nicht einfach mit rein. Aber Kahn meinte dann „Johannes, kannst dich gerne reinsetzen.“ Und dann sitzt du als junger Spieler mit großen Ohren daneben und hörst einfach nur zu. Auch in der Kabine mit Thorsten Fink, Jens Jeremies, Mehmet Scholl, Hasan Salihamdzic, das war einfach nur spaßig. Aber die Storys aus der Kabine, die kann ich echt nicht erzählen…“

EN: „Wer von den Jungs hat denn immer die besten Geschichten geliefert?“

JH: „Sammy Kuffour hatte Michael Rensing immer etwas auf dem Kieker, die beiden haben viel rumgespaßt. Thorsten Fink, Mehmet Scholl, die haben auch viel rumgeflachst. Ist jetzt schon ein bißchen her… so im Detail weiß ich das auch nicht mehr.“ (lacht)

EN: „… außer die Geschichten, die man besser nicht erzählt?“

JH: „Genau.“ (grinst)

EN: „Was denkt man, wenn man bei der WM auf der Couch die Spiele der deutschen Nationalmannschaft verfolgt und auf dem Platz spielen Leute um die WM, mit denen man früher zusammen gespielt hat?“

JH: „Ich habe mich für viele gefreut, die es gepackt haben. Dass man sich nicht mit jedem versteht, ist auch klar, es geht um Plätze, Verträge, es herrscht ein großes Konkurrenzdenken. Da muss man sehr aufpassen, wem man was sagt und wem man vertraut. Es ist ein gefährliches Geschäft. Aber den meisten habe ich es gegönnt. Als Deutschland Weltmeister geworden ist, hat mich das für Schweinsteiger und Lahm extrem gefreut, weil man mit denen früher viel erlebt hat, auf großen Turnieren in Australien und Italien war.“

EN: „Denkt man da manchmal auch „vor 15 Jahren habe ich mit denen zusammen gespielt, warum die und ich nicht?“

JH: „Fußball ist ein dreckiges Geschäft, es gibt nur wenige Plätze und manchmal entscheiden Kleinigkeiten, ob man es schafft oder nicht. Da spielt Vitamin B eine große Rolle. Wer kennt wen, wer hat die besten Connections? Hast du einen guten oder einen schlechten Berater? Acht von zehn Beratern sind eine Katastrophe. Die ziehen dich aus und wollen nur Kohle haben, aber helfen tun sie dir nicht. Bist du zur richtigen Zeit am richtigen Ort, wie bist du drauf, gucken die Scouts am richtigen Tag oder an einem schwächeren Tag? Steht ein Trainer auf dich, bist du verletzungsfrei? Und natürlich der Ehrgeiz, den man selbst mitbringt. Es gibt so viele Faktoren, die da reinspielen, ob man es letztlich schafft oder eben nicht.“

EN: „Dass in der A-Jugend von Bayern alle kicken können, steht außer Frage. Aber letztlich ist es dann nicht so, dass sich die talentiertesten durchsetzen, weil es auf zu viele andere Dinge ankommt?“

JH: „Es gibt viele A-Jugendspieler wo die Leute sagen „also wenn der kein Profi wird, wer dann?“ Aber ich habe schon so viele Talente wegschwimmen sehen, wo man dachte, dass der es bestimmt schafft. Gerade 17, 18 ist es ein entscheidendes Alter. Aber wenn der Kopf dann nicht mitmacht oder irgendwann der Zeitpunkt kommt, wo vielleicht Frauen und Partys wichtiger werden und der Ehrgeiz nicht mehr da ist, es unbedingt packen zu wollen, ist es vorbei.“

EN: „Gibt es Spieler wo du schon damals wusstest, dass der es auf jeden Fall packt? Oder eben auch Spieler wo man sicher war, dass er definitiv oben landet und dann eine Bruchlandung hingelegt hat?“

JH: „Philipp Lahm war schon immer ein sehr souveräner, stabiler Abwehrspieler. Wendig, beidfüßig. Der war erst bei den Amateuren und wurde dann Profi. Andere haben keinen neuen Vertrag bekommen, sein Potenzial wurde erkannt. Er wurde zum VfB Stuttgart ausgeliehen, das war damals sein Glück, da konnte er in Ruhe reifen. Und im richtigen Moment haben sie ihn zurück geholt. Schweinsteiger ist erst relativ spät gereift. Dass er Fußball spielen konnte war klar, da gab es in der Mannschaft aber auch noch zwei, drei andere, die einen Tick stärker waren, sich aber auf Dauer nicht durchsetzen konnten. Mit der A-Jugend sind wir damals Deutscher Meister geworden, Borut Semler war mit 30 Treffern Torschützenkönig, war slowakischer Nationalspieler… seitdem hat man von ihm nichts mehr gehört (Anm.: spielte zuletzt beim FK Bad Radkersburg in der österreichischen Landesliga). Mario Gomez hat in derselben Saison 14 Tore geschossen… Ein riesiges Talent war auch Timo Heinze, der hat später ein Buch mit dem Titel „Nachspielzeit: Eine unvollendete Fußballkarriere“ geschrieben. Hervorragendes Buch, hat auch sehr gute Kritiken bekommen. Da erzählt er relativ ausführlich wie es dazu kommt, dass man es als talentierter Spieler manchmal eben doch nicht oben landet. Der war auch ein Fußballer, der alles mitgebracht hat. Da habe ich gedacht, dass er es packt.“

EN: „Bei dir hat es letztlich auch nicht für die Profi-Karriere gereicht. Kann man den Grund dafür irgendwo dran fest machen?“

JH: „Den Ehrgeiz hatte ich immer, die familiäre Unterstützung auch. Die braucht man, damit man nicht abhebt. Es war sehr eng, ich war nah dran, aber am Ende hat es halt nicht sollen sein. Aber vielleicht hat ja einer meiner Jungs mal die Möglichkeit, da ein wenig dran zu schnuppern.“

EN: „Also wenn einer deiner Jungs Profi werden will, würdest du das unterstützen, aber auch versuchen, mit deiner Erfahrung Einfluß zu nehmen?“

JH: „Ja, auf jeden Fall. Du musst die Jungs auch unterstützen und versuchen, positiv zu lenken weil ich aus der Erfahrung auch weiß, wie es häufig läuft. Der Verein guckt heutzutage ja auch auf alles. Wie ist die Familie, wie ist das Umfeld, wie ist er in der Schule. Das Gesamtpaket muss stimmen.“

EN: „Hast du jetzt noch Kontakt zu irgendwelchen Bayern-Spielern oder hat sich das alles im Sande verlaufen?“

JH: „Viele würden dich klar wieder erkennen, weil es auch viele Freundschaften gab wie zum Beispiel mit Michael Rensing. Wir waren vor zwei Jahren im Trainingslager in Düsseldorf, da bin ich einfach mal in die Fortuna-Kabine rein. Da drückt man sich erstmal ohne Ende, weil man sich ewig nicht gesehen hat, wir haben uns damals schon sehr, sehr gut verstanden.“

EN: „Aber es ist nicht so, dass da jetzt Freundschaften fürs Leben entstanden sind?“

JH: „Nee. Heutzutage wäre das über Facebook, WhatsApp und so weiter wahrscheinlich deutlich einfacher, aber die Möglichkeiten hatten wir zu der Zeit nicht, da hatte ich noch ein normales Nokia-Handy. Das ist alles etwas weggeschwommen. Der einzige, mit dem ich immer noch sehr guten Kontakt habe und der einer meiner besten Freunde ist, ist Sebastian Müller, mit dem ich bei den HSV-Amateuren gespielt habe und der später auch mein Trauzeuge war. Der hätte auch eine gute Karriere hingelegt, aber den haben seine Knie gestoppt.“

EN: „Von wem hast du im Laufe deiner Karriere am meisten gelernt?“

JH: „Ich habe von fast allen Trainern viel gelernt. Vorallendingen vom mittlerweile leider verstorbenen Stefan Beckenbauer in der B-Jugend bei Bayern München. Der war menschlich 1A und als Trainer für mich Gold wert. Kurt Niedermayer in der A-Jugend war ein sensationell guter Trainer, was technische und taktische Ausbildung angeht. Und wenn du dann in Sachen kämpfen und laufen noch nicht genug geschliffen warst, dann hast du es bei Hermann Gerland gelernt. Das Torwart-Training bei Bayern mit  Sepp Maier hat mich geschliffen und beflügelt. Daniel Weber und Bernd Dreher haben mich ins moderne Torwartspiel rein gebracht.. Beim HSV als Torwart-Trainer Richard Golz, der mich fit gehalten hat, und Ronny Teuber oben bei den Profis, das war dann schon die moderne Fußballschule.“

EN: „Wie ist es für einen bayerischen Teenager, mit der Bayern-Legende Sepp Maier zu trainieren?“

JH: „Da war man natürlich mächtig stolz, aber vorallendingen auch die Eltern. Den kennt man gerade in Bayern halt überall. Da wurde ich bei uns im Ort sogar ausgezeichnet mit einer Art Ehrenpokal für erreichte Leistungen im Sport. Mit 15, 16 Jahren…“ (lacht) „Da waren die Eltern natürlich richtig stolz.“

EN: „Sepp Maier ist ja als Spaßkanone bekannt. Ist er im Training auch so?“

JH: „Weniger. Im Training war volle Konzentration angesagt. Und wenn Olli Kahn dabei war, dann war sowieso Funkstille und volle Konzentration auf die Bälle. Zwischen den Übungen hat man gequatscht, aber während der Übungen war absolute Ruhe. Das war schon krass.“

EN: „Olli Kahn ist ja auch jemand, der immer 120% gibt.“

JH: „Ja, sowas habe ich noch nie gesehen, Wahnsinn. Ich habe ja hier in Hamburg mit Sascha Kirschstein und Stefan Wächter trainiert und später mit Frank Rost. Null Vergleich.“

EN: „Selbst Frank Rost nicht? Der gilt ja auch als jemand, der extrem verbissen und konzentriert arbeitet.“

JH: „Kein Vergleich. Was Kahn da im Torwarttraining gemacht hat, war unglaublich. Der hat selbst im Training die Bälle wirklich überall rausgeholt. Mit seinem Willen jeden Ball zu erreichen hat er auch Bälle rausgefischt, wo es aussah, als würde man die nicht mehr erreichen. Im Torwarttraining hat er jedes Mal trainiert als wäre es das Champion’s League Finale. Auch als er ein gewisses Alter erreicht hatte, wollte er sich immer noch verbessern, dass war wirklich erstaunlich.“

EN: „Man spricht gerne mal davon, dass die Münchner Spieler das Bayern-Gen haben. Wie würdest du das definieren? Und steckt davon auch was von dir?“

JH: „Das Bayern-Gen bedeutet niemals aufgeben, vorbei ist das Spiel erst wenn der Schiedsrichter pfeift. Kopf hängen lassen ist nicht drin, man muss immer weiter machen. Wie oft sieht man Mannschaften, die sich am Ende hängen lassen, obwohl da vielleicht doch noch was gehen würde? Bei Bayern ist häufig kurz vor Schluß doch noch was passiert, bei Eintracht auch…“

EN: „Das heißt, wenn man sich die letzten beiden Oddset-Pokal-Finals anguckt, dass in Eintracht auch das Bayern-Gen steckt?“

JH: „Ja, genau. Letztlich brauchst du dafür einfach die richtigen Charaktere in der Mannschaft. Und die haben wir, wir haben eine Super-Mischung drin. Und dann kannst du auch solche Spiele umbiegen. Wenn du immer dran glaubst, bekommst du auch deine Chancen, da ist schon was dran.“

EN: „In der Mannschaft bist du der älteste Spieler. Merkt man da große Unterschiede zu den jungen Kickern?“

JH: „Wenn es nur ums Laufen geht, ja. Nach 500 Metern sehe ich die nicht mehr.“ (lacht) „Was bei mir damals noch anders war: man musste mir nicht sagen, dass ich Leibchen mitnehmen oder das Tor tragen soll, das war von Anfang an klar, dass die jungen das machen. Das hat sich gewandelt, jetzt herrscht bei den jungen Spielern eher der Gedanke ‚Naja, irgendwer wird’s schon machen‘. Das ist aber kein Problem bei uns in der Mannschaft, das ist ja überall so, dass es den jungen Leuten häufig viel zu einfach gemacht oder alles hinterher getragen wird. Ansonsten sind wir aber alle auf Augenhöhe. Mit mir kann man immer Quatschen und a Gaudi haben. Es sei denn, ich verliere ein Trainingsspiel, dann wird es ungemütlich.“ (lacht) „Nee, der Respekt ist auf jeden Fall da, beidseitig.“

EN: „Du bist ja etwas älter als deine Torhüterkollegen Lars Huxsohl und Rene Heide und hattest bisher auch immer jüngere Keeper neben dir. Kannst du etwas an die jungen Torhüter weiter geben?“

JH: „Jannis Waldmann, Mirko Oest, Paddy Hartmann… ich glaube schon, dass die auch alle von mir und vom Training profitiert haben. Wir hatten immer einen super-Kontakt, ich habe immer versucht ihnen weiter zu helfen und Tipps zu geben. Sicher hat jeder seinen eigenen Stil, aber man sieht ja schon, was man eventuell besser machen kann. Ich denke, dass alle drei das geschätzt haben und einen guten Draht zu mir hatten und haben.“

EN: „Du hattest eigentlich immer starke Konkurrenz auf der Torhüter-Position. Insbesondere als Ole Springer hier war, aber auch jetzt sitzt dir mit Lars Huxsohl jemand mit sehr viel Potenzial im Nacken. Wenn man jahrelang Stammkeeper war und dann plötzlich auf die Bank muss. Frustriert das einen oder motiviert das, noch mehr Gas zu geben?“

JH: „Das ist nie schön, wenn man auf die Bank muss. Als Ole kam, hatte ich es schwer. Ich hatte eine Schambeinentzündung und wollte unbedingt, aber der Körper hat nicht mitgemacht. Das war wirklich ein Jahr lang ein harter Zweikampf. Dieses Jahr haben mich auch die Verletzungen gebremst. Da hat Lars gute Spiele gezeigt und die Leistungen bestätigt, so dass er dann erstmal im Tor geblieben ist. Dann war Lars verletzt und ich habe meine Chance genutzt. Das ist halt so, du brauchst halt immer zwei oder drei gute Torhüter, damit die Leistung hoch bleibt und untereinander ein gewisser Druck da ist, dass man sich nicht hängen lassen kann oder sich ein „naja, ich spiele ja sowieso“-Gedanke einschleift.“

EN: „Und wenn man die ganze Zeit gespielt hat und plötzlich im Pokalfinale auf der Bank sitzt wie 2016? Kam das überraschend oder hatte sich das abgezeichnet?“

JH: „Nein, das hatte sich nicht abgezeichnet. Aber es war natürlich immer so, dass der, der in der Liga draußen sitzt, im Pokal spielt und umgekehrt. Und ich hatte die letzten zehn Liga-Spiele oder so davor gemacht. Trotzdem hätte ich mir natürlich gewünscht, dass ich als Torhüter, der seit vier Jahren da ist, in so einem wichtigen Spiel spielen darf. Es war eine Bauchentscheidung vom Trainer, die sich erst am Spieltag ergeben hat. Das war natürlich hart, aber ich bin ja auch Sportsmann und der Mannschaftserfolg steht immer über dem Einzelnen. Man hat ja auch gesehen, dass ich dann halt auf der Bank Gas gegeben und die Jungs nach vorne gepeitscht habe.“

EN: „Gibt es in deiner Karriere irgendwelche Highlights, die hervor stechen?“

JH: „Einige, ja. So Sachen wie damals, als ich als „Junge vom Dorf“ in die U15-Nationalmannschaft berufen wurde. Das war crazy, alle anderen wie Marvin Compper oder Mario Gomez haben bei großen Vereinen gespielt und ich in Ruhmannsfelden… das war schon ein Highlight, damals in Berlin gegen die Niederlande. Dann die Deutsche A-Jugendmeisterschaft mit dem FC Bayern München 2004 mit Spielern wie Georg Niedermeier, Markus Steinhöfer oder Andreas Ottl. Das war die bis jetzt letzte A-Jugendmeisterschaft, die Bayern gewonnen hat… Meister und Aufstieg in die Regionalliga mit Anker Wismar, DFB-Pokal mit Anker Wismar gegen Hannover 96. Der Regionalliga-Aufstieg mit Eintracht war natürlich ein super Highlight. Vorher haben sich alle das Maul zerrissen, dass wir als Vierter in die Aufstiegsrunde gehen und es nicht verdient hätten und dann sind wir nach zwei von drei Spielen schon aufgestiegen. Die beiden Pokalsiege hinterher war das i-Tüpfelchen weil es so spannend war. Letztes Jahr war es schon spannend und dieses Jahr noch extremer.“

EN: „Das müsst ihr aber echt nicht nochmal so spannend machen…“

JH: „Nächstes Jahr wird es noch heftiger, dann geht’s ins Elfmeterschießen.“ (grinst)

EN: „Bitte nicht…. Gibt es irgendwelche Tiefpunkte in deiner Karriere?“

JH: „Die gab es natürlich auch. Bei Bayern hätte man sich vielleicht anders entscheiden müssen. Nach der A-Jugendmeisterschaft waren die Möglichkeiten auf jeden Fall da. Ich hätte damals schon in die Zweite Liga zu Alemannia Aachen wechseln können, aber da war ich zu stur, es sollte schon das Bayern-Emblem auf dem Trikot sein. Aber da siehst du dann irgendwann keinen Stich mehr, weil Bayern nur Top-Torhüter hatte und oben noch Kahn. Da war man jung und dumm und hatte Scheuklappen auf, das hätte man deutlich besser lösen können. Und das Ende beim HSV war ein Tiefpunkt. Wie es am Ende gelaufen ist, hat mir persönlich sehr weh getan, weil eigentlich schon alles abgesprochen war und ich mich beim HSV sehr wohl gefühlt habe.“

EN: „Rund um die DFB-Pokal-Auslosung herum kam immer wieder das Thema auf – und wird wohl wohl kurz vorm Spiel wieder rausgeholt – dass du in der Jugend mit und gegen Mario Gomez gespielt hast. Ob er dich noch erkennt?“

JH: „Da bin ich mal gespannt.“ (lacht) „Wie lange ist das her, 17 Jahre? Das ist schon ne sehr lange Zeit. Aber vielleicht erinnert er sich, wenn er meinen Namen auf der Aufstellung liest. Ich werde ihn auf jeden Fall mal darauf ansprechen. Ich freue mich auf jeden Fall, ihn wieder zu sehen.“

EN: „Und über das Los VfL Wolfsburg mit Spielern wie Luiz Gustavo und eben Mario Gomez?“

JH: „Auf jeden Fall. Ich habe bei der Auslosung schon gesagt, dass es definitiv ein gutes Los ist. Kein Top-Los wie Bayern oder Dortmund, aber trotzdem ein echt gutes Los. Bundesligist, Nord-Derby, Top-Spieler drin… schaun mer mal wen die noch holen, vielleicht kommt ja noch jemand dazu.“

EN: „Außenseiterchance?“

JH: „Im DFB-Pokal ist immer was möglich. Guck dir Walldorf, an was die letztes Jahr gemacht haben (Anm.: Als Regionalligist in der ersten Runde den Bundesligisten Darmstadt 98 und in der zweiten Runde den Zweitligisten VfL Bochum besiegt). Das hat es immer mal gegeben, dass ein Viertligist einen Bundesligisten raushaut. Vielleicht haben wir das Glück, dass das dieses Jahr mal bei uns der Fall sein könnte, das wäre natürlich ein Traum.“

EN: „Was wäre das für eine geile Geschichte: Gegen die U23 bekommen wir regelmäßig den Hintern versohlt und die Profis kegeln wir aus dem Pokal.“

JH: „Ja, oder? Es sagen doch eh schon alle ‚gegen Wolfsburg reißt ihr eh nichts, ihr habt ja schon gegen ihre Zweite Mannschaft immer verloren.‘ Aber K.O.-Spiel ist etwas ganz anderes als ein Ligaspiel. Dazu kommt, dass die es nicht gewohnt sind, auf einem so kleinen, engen Platz zu spielen. Und sie haben vorher kein Pflichtspiel, die Bundesliga fängt erst nach dem DFB-Pokal an. Das spielt uns alles in die Karten. Aber die müssen schon einen richtig schlechten Tag haben und wir einen absoluten Top-Tag.“

EN: „Mal unter uns: Alle reden von Mario Gomez. Aber gegen Marin Mandic sieht er doch kein Land, oder?“

JH: „Marin ist ein hervorragender Innenverteidiger, wenn er einen guten Tag hat, hat es selbst ein Mario Gomez gegen ihn schwer.“

EN: „Unsere Abschlußfrage, die jeder mit auf den Weg bekommt: Wenn einer fragt: „Warum soll ich zu Eintracht Norderstedt kommen, wenn ich auch zum HSV/St. Pauli gehen kann…“ was sagst du ihm?

JH: „Dass der Verein in der öffentlichen Wahrnehmung viel, viel besser da stehen sollte, als er von vielen Leuten gemacht wird. Man hört ja immer „hier Plambeck, da Plambeck“. Das ist doch bullshit. Hier wird attraktiver, ehrlicher, geiler Fußball gespielt. Und darum haben es der Verein und wir als Mannschaft verdient, dass viel mehr Zuschauer kommen. Und unsere Fanbase wächst. Ich habe es ja mitbekommen, als ich vor vier Jahren zu Eintracht gewechselt bin, da war so gut wie nichts und wenn du jetzt die letzten beiden Jahre anguckst mit den Finalspielen und dem DFB-Pokal und was von den Fans alles gemacht wurde mit den Bannern und so… wir Spieler registrieren ja auch, was da alles gemacht wird. Es lohnt sich auf jeden Fall, ins Stadion zu gehen und Fan zu werden.“

EN: „Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in der kommenden Saison!“