Herren

Die Auswärtsserie hält

Die Auswärtsserie nimmt beängstigende Ausmaße an: Zum sechsten Mal in Folge kehren wir aus der Fremde mit drei Punkten im Gepäck nach Norderstedt zurück.

Dabei waren die Bedingungen für unsere Mannschaft alles andere als optimal: Erneut bekam unser Trainerteam nicht genügend fitte Spieler zusammen, so dass es auf der Bank relativ übersichtlich war. Dann geriet unser Mannschaftsbus in einen Stau und kam deutlich verspätet an, so dass das Spiel 15 Minuten später beginnen musste. „Der ganze Tag war nicht so, wie wir unsere Abläufe regulär haben, sind zu spät angekommen. Das war nicht optimal. Die Mannschaft hat das aber sehr gut ausgeblendet und trotz der sehr, sehr schwierigen Platzverhältnisse sehr gut ins Spiel gefunden“, lobte Olufemi Smith sein Elf. Denn der Untergrund war tief, matschig und uneben, so dass wir unser technisches Spiel nicht ansatzweise aufziehen konnten – selbst die einfachsten Kurzpässe konnten teilweise nicht unter Kontrolle gebracht werden. Die Bedingungen kamen also den kampfstarken Heidern eher entgegen. „Dass wir hier nicht technisch fein hinten raus spielen und über viele Passkombinationen zum Abschluss kommen können, war uns klar. Daher war das Mittel der Wahl natürlich eher, lange Bälle in die Spitze auf Jan Lüneburg zu spielen, der die Bälle dort behauptet und auf die beiden schnellen Außen ablegen kann. Das ist ganz gut aufgegangen. Taktisch haben die Jungs das gut gemacht, aber noch wichtiger war, dass sie es von der Mentalität und der Einstellung her sehr, sehr gut war und wir genau das angenommen haben, was hier gefordert war.“

Um so wichtiger für uns war es, dass wir früh in Führung gehen konnten. Rico Bork flankte einen Freistoß aus 35 Metern in Richtung langer Pfosten, Hamajak Bojadgian legte den Ball per Kopf quer auf Nils Brüning, der nur noch einnicken musste (6.). „Wir haben gesagt, wenn wir nicht aufs Tor köpfen können, wollen wir den zweiten Pfosten besetzen und den Ball querlegen“, beschrieb Martens die einstudiert wirkende Variante und lachte „Das predigen wir eigentlich schon die ganze Saison.“ Riesenjubel auf Norderstedter Seite – ausgerechnet Nils Brüning, der in den vergangenen Spielen so stark spielte, im Abschluss aber vom Glück verlassen war, belohnte sich endlich für seinen Aufwand – sein bislang einziges Tor erzielte „Nille“ am ersten Spieltag. Nur drei Minuten später hätten uns die Heider beinahe in die Karten gespielt – Evans Nyarko spielte einen langen Ball in die Spitze, Wansiedler bekam 20 Meter vorm Tor noch den Fuß an den Ball, der dadurch brandgefährlich wurde und sich nur wenige Zentimeter am Pfosten vorbei senkte (9.).

Danach fightete sich der Aufsteiger in die Partie, konnte sich aber keine größeren Torchancen erarbeiten. Auch bei uns blieben Torraumszenen bis zur Pause Mangelware. Oder wie Olufemi Smith sagte: „Ich hatte das Gefühl, wir sind so ein bißchen weggedämmert, hatten weniger Intensität drin, wodurch Heide besser ins Spiel gekommen ist. Das hätten wir sicherlich besser lösen können.“

Direkt nach der Halbzeit konnte sich der wieder extrem einsatzfreudige und kampfstarke Jan Lüneburg für seinen Einsatz belohnen. Nathaniel Amamoo setzte sich auf der linken Außenbahn stark durch und spielte den Ball auf Lüne, der am kurzen Pfosten fünf Meter vor dem Tor lauerte, sich gegen Schröder durchsetzte und den Ball an Franzenburg vorbei zum 2:0 ins Tor spitzelte (47.). Zehn Minuten später hätte Lüne zum Matchwinner werden und alles klar machen können. Bei einem weiten Abschlag von Lars Huxsohl verschätzte sich Schröder, plötzlich stand Lüneburg allein vor Franzenburg, schoss den Ball aber überhastet deutlich über das Tor (56.). „Wir haben es uns unnötig schwer gemacht“, bemängelte Jens Martens. „Wenn wir das 3:0 machen, ist das Licht aus.“ Denn bis wirkten die Gastgeber sehr bemüht, entwickelten aber nach vorne keine Durchschlagskraft – bis Hass im Strafraum gegen Bojadgian zu Fall kam. Schiedsrichter Fleddermann entschied auf Elfmeter, Jonah Gieseler verlud Lars Huxsohl und verkürzte auf 2:1 (66.).

„Danach haben wir das Spiel wieder gut aufgenommen, gut dagegen gehalten, Zweikämpfe gewonnen, im zentralen Mittelfeld mit allen Akteuren eine sehr gute, konzentrierte Leistung gezeigt“, freute sich Smith über die Reaktion der Mannschaft. Insbesondere Philipp Koch zeigte einen Tag vor seinem 29. Geburtstag eine bärenstarke Leistung im zentralen Mittelfeld, gewann viele Bälle und verteilte sie mit sehr guter Übersicht auf die Außen.

Nach dem Anschlußtreffer nahm die Partie noch einmal kurz Fahrt auf: Franzenburg war jedoch gegen Koch (68.) und Amamoo (70.) zur Stelle, auf der anderen Seite pfiff der Schiedsrichter eine vielversprechende Aktion des HSV zurück (71.). Kurz vor Schluss bewies Rico Bork hellseherische Fähigkeiten. „Halt die Kamera schon mal drauf“, sagte er… nahm Anlauf und schlug den Eckball auf den Kopf von Hamajak Bojadgian. Heide-Keeper Franzenburg konnte den Ball zwar noch von der Linie kratzen, allerdings direkt vor die Füße von Yannik Nuxoll, der gegen seinen persönlichen Lieblingsgegner – bereits im Hinspiel erzielte er gegen Heide zwei Tore – den 3:1-Endstand herstellte (82.).

„Die Platzbedingungen sind nicht regionalliga-tauglich“, bemängelte Jens Martens nach der Partie, sparte dann aber nicht mit Lob für den Gastgeber. „Alles drum herum hier ist allerdings toll. Die Heider Mannschaft kniet sich unheimlich rein. Mannschaftliche Geschlossenheit, kämpferisch stark.“ Dem äußerst sympathischen Heider SV wünschen wir für den weiteren Verlauf der Saison alles Gute und drücken fest die Daumen, dass wir auch in der kommenden Saison an der Meldorfer Straße zu Gast sein können.

In der durch zahlreiche Spielausfälle etwas schiefen Tabelle belegen wir nun Platz 5 – zwischen Platz 3 und Platz 10 liegen allerdings nur fünf Punkte Differenz, so dass da an den letzten beiden Spieltagen vor der Winterpause noch ordentlich Pfeffer drin ist.

Unsere Mannschaft:
Huxsohl – Bork, Bojadgian, Nuxoll, Kummerfeld – Koch – Brüning, von Knebel (86. D. Akyol), Nyarko, Amamoo (80. Keßner) – Lüneburg (c) (75. Kobert)

Tore:
0:1 Nils Brüning (6., Vorlage: Hamajak Bojadgian)
0:2 Jan Lüneburg (47.; Vorlage: Nathaniel Amamoo)
1:2 Jonah Gieseler (66., Foulelfmeter)
1:3 Yannik Nuxoll (82.; Vorlage: Hamajak Bojadgian)

Gelb: Bork (8), Lüneburg (3)

Zuschauer: 637