Herren

Publikumsliebling nimmt Auszeit

Regionalliga-Kicker Juri Marxen von Eintracht Norderstedt erkundet mit Freundin Merle bis Ende Februar Südafrika und Südostasien.

An das Gespräch mit Vereinspräsident Reenald Koch erinnert sich Juri Marxen noch genau. „Ich habe den Club zu Saisonbeginn über meine Pläne informiert. Wir haben alles genau abgesprochen.“

Deshalb konnte der Rechtsverteidiger der Regionalliga-Fußballer von Eintracht Norderstedt reinen Gewissens in sein großes Abenteuer starten. Mit Freundin Merle erkundet der Mann mit dem putzig-gebeugten Laufstil und den besten Sprintwerten im Team in den kommenden vier Monaten Südafrika und Südostasien.

Erstes Ziel: die südafrikanische Metropole Kapstadt

Am Montag bestand Marxen die Verteidigung seiner Masterarbeit an der Universität Hamburg und schloss sein Lehramtsstudium für die Primär- und Sekundarstufe I (1. bis 10. Klasse) mit den Fächern Mathematik und Sport erfolgreich ab. Am Dienstagnachmittag hob der Flieger mit den beiden Weltenbummlern an Bord in Hamburg-Fuhlsbüttel ab. Erstes Ziel: die Metropole Kapstadt in Süd­afrika.

Über Johannesburg führt die Route in die thailändische Hauptstadt Bangkok sowie nach Kambodscha und Vietnam. Für den letzten Monat gibt es noch keinen genauen Plan. „Merle und ich hatten schon lange Lust auf eine solche Reise. Das Erste, was ich mir wünsche, ist, mir in einem Nationalpark die Elefanten, Geparden und Giraffen anzuschauen“, sagt Marxen. Weshalb der Trip während des Ligabetriebs stattfindet, begründet er so: „Ich habe bislang in der Jugend und bei den Herren stets im Leistungsbereich Fußball gespielt. Nun möchte ich einmal eine Pause einlegen.“

Freundin Merle kann das nachfühlen. Sie ist eine ehrgeizige Kickerin, spielt in der Oberliga Hamburg beim Eimsbütteler TV. Die Rückkehr in die Heimat hat das Paar für Ende Februar geplant. Bis dahin muss die Eintracht auf den Mann mit dem markanten Vollbart auf der rechten Außenbahn verzichten.

Die Zuschauer wird das sicher schmerzen. Marxen ist wegen seines großen Engagements Publikumsliebling. Und längst ein echter Norderstedter. 2011 wechselte er von der U 17 des Hamburger SV zur Eintracht, absolvierte seit 2013 insgesamt 153 Partien für den im Jahr 2003 gegründeten Fußballclub von der Ochsenzoller Straße – den Löwenanteil (124 Spiele) in der Regionalliga Nord.

Teamkollege wird Interims-Kassenwart

Auch in der Mannschaft ist Juri Marxen hoch anerkannt. Gemeinsam mit den drei Kapitänen Jordan Brown, Jan Lüneburg und Philipp Koch sowie Hamajak Bojadgian bildet er den Mannschaftsrat. Sein Amt wird für die Zeit der Abwesenheit nicht neu besetzt; eine andere Aufgabe überträgt Marxen indes an Bojadgian: die des Kassenwarts. „Selbstverständlich werden die Strafen weiter eingetrieben. Nun eben von Hamo. Er wird das perfekt machen. Er arbeitet schließlich beim Finanzamt“, sagt Marxen lachend.

Spiele der Eintracht will Marxen im Internet verfolgen

Den Kontakt zur Mannschaft will er nicht abreißen lassen. „Sicher werde ich Fotos schicken, mal eine WhatsApp schreiben – und mir Spiele von uns auf sporttotal.tv im Internet angucken“, sagt der 24-Jährige. Frühestens am 1. März 2020, in der Auswärtspartie beim HSC Hannover, könnte Marxen wieder im Eintracht-Trikot auflaufen. „Ich habe aber nicht den Anspruch, dann gleich zu spielen und muss mich erst einmal hinten anstellen. Ich habe ja dann die komplette Vorbereitung und den Rückrundenauftakt verpasst.“

Gleichwohl zeichnet ihn ein gesundes Selbstvertrauen aus. Als Trainer Jens Martens Marxen in einem Einzelgespräch nach der Saisonvorbereitung darauf hinwies, mit dessen Performance in der Vorbereitung nicht zufrieden gewesen zu sein, konterte der Gescholtene cool. „Am Ende spiele ich ja doch wieder“, lautete seine Antwort. Und so kam es dann auch. „Ich war eben zuversichtlich, bald wieder gute Leistungen zu bringen und in der ersten Elf zu stehen. In den beiden Vorbereitungen unter Trainer Dirk Heyne lief es ähnlich, und ich konnte mir meinen Stammplatz schnell zurückholen.“

Wer ersetzt den Dauerläufer?

Bis Juri Marxen, den Coach Martens als „als klugen Kopf, einen ruhigen und vernünftigen Menschen und guten Fußballer“ adelt, dieses Vorhaben erneut in Angriff nehmen wird, muss sich zeigen, wer ihn in den bis dahin zu absolvierenden fünf Punktspielen und im Pokal-Achtelfinale ersetzt. Eigentlich wäre der talentierte Alexandre da Cunha (18) sein Vertreter. Nur ist der leider verletzt (Knochenödem und Knorpelabsplitterung im Knie). Jordan Brown plagen derweil Achillessehnenprobleme.

„Ich traue zum Beispiel Rico Bork oder Dane Kummerfeld die Position zu, aber das entscheidet natürlich Jens Martens“, sagt Marxen. Bleibt noch die Frage: Wie fit wird er wiederkommen? „Ich werde unterwegs keinesfalls auf der faulen Haut liegen, mich mit Laufen und Kraftübungen in Form halten“, verspricht er. Damit nach der Rückkehr bald wieder gilt, dass die Rechtsverteidigerposition bei der Eintracht nur einem gehört: Juri Marxen…

Text: Mirko Schneider (Norderstedter Zeitung)