Herren

Späte Belohnung: Dritter Auswärtssieg in Folge

In der ersten Hälfte war es zum Haare raufen: Unsere Jungs zeigten ein nahezu perfektes Auswärtsspiel, legten eine fantastische Leistung hin, bekamen den Ball aber einfach nicht hinter die Torlinie. „7 zu 2 klare Torchancen“, murmelte Jens Martens kopfschüttelnd zur Pause. „Die Jungs machen bislang eine überragende Partie, aber wir müssen mindestens 1:0 zu führen.“ Das 1:0 fiel auch, aber es fiel spät, zu einem Zeitpunkt, wo schon keiner mehr damit gerechnet hatte. Eine Flanke von Rico Bork landete in der Mitte, wo Johann von Knebel an den Ball kam und ihn im Fallen am starken Hannoveraner Keeper Marlon Sündermann vorbei ins Netz brachte. „Wir haben nach 15 Spielen 22 Punkte“, fasste der stolze Trainer die Leistung seiner Jungs nach dem nun dritten Auswärtssieg in Folge in drei einfachen Worten zusammen. „Ist das geil.“

Doch der Reihe nach: Die erste Halbzeit ging klar an unsere Elf. Wir hatten deutlich mehr vom Spiel und vorallendingen die klareren Torchancen. Und davon gleich einige. Die erste große Chance hatte Johann von Knebel auf dem Fuß, dessen Schuss von Marlon Sündermann mit einer starken Parade gerettet wurde (11.). Philipp Kochs Schuß aus dem Rückraum wurde zum Eckball abgefälscht (12.), Nils Brünings Abschluss streifte die Latte (18.), Nathaniel Amamoo traf das Außennetz (22.). Zwischendurch hatte Benjamin Hadzic eine gute Gelegenheit für die Gäste, als er Lars Huxsohl früh angriff und von diesem angeschossen wurde – Huxsohl war aber rechtzeitig zur Stelle und rettete noch vor der Linie. Nach einer halben Stunde hatten sich die Gastgeber etwas besser auf uns eingestellt, die Torchancen wurden weniger und verlagerten sich auf die Auße. Antun rettete die scharfe Hereingabe von Amamoo vor der Linie (38.), eine Hereingabe von Brüning erschwischte Amamoo nicht mehr richtig (42.), ein zweiter Versuch von Brüning fand in der Mitte keinen Abnehmer (44.). „Das war eine ganz starke Leistung, die Mannschaft hat super umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben“, lobte Olufemi Smith nach der Partie. „Wir müssen uns nur vorwerfen lassen, nicht mit einer Führung in die Pause gegangen zu sein.“ Und so wäre es um ein Haar so gekommen, wie uns das Phrasenschwein seit Jahren glauben machen will. Wagner mogelte sich im Strafraum durch Freund und Feind und stand plötzlich vorm Tor, konnte den Ball aber nicht über die Linie bringen (45.). „Ich wusste nicht so richtig, wie ich mit der ersten Halbzeit umgehen sollte“, gab Jens Martens nach der Partie zu. „Wir machen ein Riesenspiel, aber treffen nicht. Normalerweise greift dann die alte Fußballerweisheit: Wenn du ihn vorne nicht reinknallst, wirst du bestraft.“ Dass das nicht so weit kam, sah Hannovers Trainer Christoph Dabrowski auch an der Offensivschwäche seiner Mannschaft begründet: „Es ist schwer Spiele zu gewinnen, wenn wir nicht in der Lage sind Tore zu schießen“, so der Hannoveraner auf der Vereins-eigenen Website.

Bitter: Philipp Koch musste mit muskulären Problemen frühzeitig ausgewechselt werden, für ihn rückte Evans Nyarko auf die Sechs, Yannik Nuxoll ging in die Innenverteidigung und lieferte dort trotz Kaltstart eine blitzsaubere Partie.

In der zweiten Hälfte waren die Niedersachsen deutlich besser in der Partie, allerdings stand unsere Defensive sehr gut und erklärte unseren Strafraum zum Sperrgebiet. So hatten die 96er zwar optisch mehr vom Spiel, die Chancen hatte aber unsere Elf. Johann von Knebel (47./55.), Nick Brisevac (50.) und Hamajak Bojadgian (62.), der die Kapitänsbinde von Philipp Koch übernommen hatten, verpassten es, die Führung zu erzielen. In der Schlußviertelstunde kam noch einmal ordentlich Abwechslung in die Partie. Ein zur Ecke abgefälschter Schuss der Gastgeber (75.) sowie ein Freistoß, dessen Abschluss am langen Pfosten ans Außennetz geht (77.) hätte die Partie beinahe auf den Kopf gestellt. Dann war es erneut Johann von Knebel, der steil geschickt wurde und den Ball bereits an Sündermann vorbei gelegt hatte, doch Wolf grätschte die Kugel noch von der Linie (79.). Und dann nutzte der 22jährige doch noch seine Chance und erzielte das Tor des Tages, mit dem zu diesem Zeitpunkt wohl keiner mehr gerechnet hatte (89.). „Ich habe mich irgendwie mit dem Ball eingedreht und war plötzlich frei vorm Tor. Ich habe dann auch gar nicht mehr geguckt, sondern einfach geschossen und dann war er endlich drin. Ich hatte ja vorher schon ein, zwei Schußchancen, zwei Mal wurde der Ball auf der Linie geklärt“, beschrieb der Torschütze seinen Treffer nach der Partie. Nathaniel Amamoo hatte sogar nach einem Konter noch die Chance auf 2:0 zu erhöhen, nachdem Jan Lüneburg den Ball auf ihn durchsteckte, doch Sündermann im Tor der Hannoveraner blieb einmal mehr Sieger. Zuvor musste auch noch Hamajak Bojadgian mit muskulären Problemen vom Platz, Evans Nyarko rückte damit wieder in die Innenverteidigung und Jan Lüneburg beendete die Partie als Kapitän unserer Elf. „Das ist eine extrem bittere Niederlage. So, wie das Spiel gelaufen ist, musst du am Ende das 0:0 mitnehmen“, kommentiert 96-Cheftrainer Christoph Dabrowski auf der Website der Hannoveraner die Partie. „Das war eine hervorragende erste Halbzeit unserer Mannschaft, in der zweiten Halbzeit war es eine ausgeglichene Partie. Auch wenn der Zeitpunkt des Tores glücklich war, über das gesamte Spiel gesehen war es ein verdienter Sieg für uns“, kommentierte Jens Martens.

Zwei Fakten kristallisieren sich nach dem zweiten Last Minute-Auswärtssieg in Folge (bei drei Last Minute-Niederlagen) heraus: Eintracht-Spiele sind nicht geeignet für Herzinfarkt-Patienten. Und wer früher nach Hause geht, verpasst etwas. „Das ist eine Floskel fürs Phrasenschwein, aber ein Spiel hat 90 Minuten und ist erst zuende, wenn der Schiedsrichter pfeift. Wir haben in dieser Saison auch schon Punkte verschenkt, weil wir nicht bis zum Ende konzentriert waren. Wir haben daraus gelernt“, sagte Olufemi Smith. „In den letzten Wochen haben wir bis zum Ende daran geglaubt, sind dran geblieben und haben kurz vor Schluß noch unser Tor gemacht.“ Womit dann die nächste Floskel greift: Im Laufe der Saison gleicht sich wohl doch alles aus…

Tor:
0:1 Johann von Knebel (89.)

Unsere Mannschaft:
Huxsohl – Kummerfeld, Bojadgian (81. Bork), Nyarko, Marxen – Koch (20. Nuxoll) – Brüning, Brisevac, von Knebel, Amamoo – Kobert (76. Lüneburg)

Gelb: Bork (5), Brisevac (2), Lüneburg (2)

Zuschauer: 250