Herren

Last Minute KO in Flensburg

Die Flensburger Presserunde im VIP-Raum des Manfred-Werner-Stadions sparte nicht mit mitleidigen Blicken. „Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals eine Mannschaft hier so unverdient verloren hat, wie ihr heute“, wurden wir dort nach dem Spiel begrüßt.

60 Sekunden haben unserer Elf gefehlt, um einen hochverdienten Punkt mit nach Norderstedt zu nehmen. 60 Sekunden haben gefehlt, dass Jens Martens vermutlich etwas gesagt hätte wie „Vor dem Spiel wäre ich mit einem Punkt einverstanden gewesen. Nach diesem Spielverlauf ist das aber zu wenig.“ 60 Sekunden, in denen Julian Stöhr mit der letzten Aktion des Spiels, einem direkt verwandelten Freistoß, ins Norderstedter Herz stieß und uns mit leeren Händen nach Hause fahren ließ.

Die Leistung unserer Elf? Stark. Über die gesamte Spieldauer – mit einer Ausnahme – stabil in der Defensive, konzentriert nach hinten gearbeitet, einer hat für den anderen mitgearbeitet. Immer wieder konnte Philipp Koch im zentralen Mittelfeld die Bälle gewinnen. Das einzige Manko: Die Chancenverwertung. Das Weiche Flensburg eine starke Defensive hat, dass die Innenverteidigung nur schwer zu überwinden ist, ist nichts Neues. Von daher war es schon überraschend, dass sich uns doch einige gute Einschussmöglichkeiten boten. Ärgerlich, dass wir keine davon nutzen konnten.

Bereits nach drei Minuten musste Florian Kirschke im Tor der Grenzstädter sein ganzes Können aufbieten, um einen Kopfball von Nils Brüning zu entschärfen. Der sehr auffällige Brüning hatte noch zwei weitere gute Chancen, doch einmal spitzelte ihm Njie das Leder vom einschußbereiten Fuß (23.), einmal peilte er das Tor bei einem Schuss aus der Drehung um Millimeter zu hoch an (45.). Die vierte gute Möglichkeit ging auf das Konto von Nick Brisevac, der aus 30 Metern knapp am Tor vorbei zielte (40.). Aufs Konto der Gastgeber gingen im ersten Durchgang lediglich zwei gefährliche Torszenen. Zunächst konnte Huxsohl abtauchen und den Schuss von Isitan entschärfen (28.), eine Minute später übersah Hamajak Bojadgian Jonas Andersen und spielte ihm den Ball direkt in die Fuß. Über Andersen kam das Leder zu Fabian Graudenz, der plötzlich nur noch Lars Huxsohl vor sich hatte. Unser Keeper kam aus dem Tor und machte sich ganz breit… so breit, dass Graudenz den Ball freistehend aus zwölf Metern am Keeper und am Tor vorbei schob (29.). „Wenn er den Ball reinmacht, ist das bei den Temperaturen hier heute ein ganz anderes Spiel“, trauerte Daniel Jurgeleit der Chance hinterher.

Die zweite Halbzeit begann mit einem Freistoß, den Gökay Isitan aus knapp 30 Metern an den Pfosten setzte (48.), Thomsen setzte einen Kopfball neben den Kasten (55.).  Auf der anderen Seite zielte erst Nils Brüning zu hoch (59.), dann zwang Jan Lüneburg nach einer Maßflanke von Juri Marxen den Ball per Kopf nahezu perfekt, doch Kirschke rettete überragend (62.). „Ich kann noch gucken wo der Torwart steht und den Ball gegen seine Laufrichtung setzen“, sagte Jan Lüneburg nach dem Spiel. „Ich treffe den Ball perfekt mit ordentlich Druck, normalerweise muss der drin sein. Keine Ahnung, wie er den noch gehalten hat.“ Kurz darauf eine doppelte Schrecksekunde: Njie setzte sich auf der rechten Außenbahn gegen Grau durch und hatte viel Raum vor sich, spielte den Ball dann aber direkt in die Füße von Bojadgian. Nur: Fabian Grau blieb in dieser Situation liegen und musste verletzt ausgewechselt werden. Gute Besserung, Fabi!

In der Folge hatte unsere Mannschaft die Gastgeber, die sich oftmals nur durch Fouls zu helfen wussten, gut im Griff und waren deutlich näher am Siegtreffer dran als Weiche. Doch dann kam die vierte Minute der Nachspielzeit und der große Auftritt von Julian Stöhr, der Weiche-Coach Daniel Flensburg zu der Erkenntnis brachte: „Ich spiele lieber 1:0 als 0:0.“

Jens Martens hatte an der Niederlage sichtlich zu knabbern, ließ aber nicht auf die Leistung seiner Eilf kommen. „Meine Mannschaft hat hier ein tolles Spiel geliefert. Wir hatten in den letzten Spielen große Schwierigkeiten in der Defensive, das haben wir heute ausgezeichnet gemacht. Auf meinem Chancenprotokoll schlägt die Waage eindeutig zu unseren Gunsten aus. Aber wenn man seine Chancen nicht nutzt, wird man im Fußball bestraft. Und wir sind heute ganz, ganz bitter bestraft worden.“

Vom Ergebnis her besser machen können wir das bei den beiden kommenden Heimspielen gegen den BSV Rehden (08.09.) und den Hannoverschen SC (11.09.), denen nun unsere gesamter Fokus gilt.

Unsere Mannschaft:
Huxsohl – Kummerfeld (80. Bork), Grau (71 Nuxoll), Bojadgian, Marxen – Koch, Nyarko – Brüning, Brisevac, Brown (c) – Lüneburg (90. Kobert)

Tor:
1:0 Julian Stöhr (90. + 4)

Gelbe Karte: –

Zuschauer: 657