Herren

Auftaktspektakel mit Zuschauerrekord

Was für ein wahnsinniger Auftakt in die neue Saison. Vor 1.495 Zuschauern – Zuschauerrekord bei Ligaspielen – lieferte sich unsere Mannschaft mit Altona 93 ein extrem unterhaltsames Spiel mit zwei starken Offensivreihen und nicht immer sattelfesten Verteidigungen, das genau so gut 7:5 oder 5:5 hätte ausgehen können. Am Ende waren wir die cleverere Mannschaft und hatten mit Lars Huxsohl in der zweiten Hälfte einen exzellenten Keeper, der den AFC zur Verzweiflung trieb.

Die Jungs von Trainer Jens Martens starteten schwungvoll in die Partie und belohnten sich früh. Nick Brisevac legte den Ball unter Bedrängung zurück auf den aufgerückten Innenverteidiger Hamajak Bojadgian, der aus 30 Metern einfach mal abzog. Der flach getretene Ball flog durch Freund und Feind hindurch und schlug unter AFC-Keeper Grubba zur schnellen Führung ein (4.). Für den Aufsteiger offenbar ein willkommener Weckruf, denn nun gab der AFC Gas und setzte unsere Mannschaft gehörig unter Druck. Sejdija passte von der rechten Seite in den Strafraum, wo Wachowski Bojadgian und Koch narrte, indem er den Ball mit der Hacke auf Lück weiterleitete, der wiederum mit einem trockenen Linksschuß von der Strafraumgrenze Lars Huxsohl keine Chance ließ (15.). Und die Gäste setzten nach: Mundhenk störte Bork nach einem Huxsohl-Abschlag energisch bei der Ballannahme und nahm Fahrt auf. In der Mitte fand er Wachowski, der ebenso humorlos wie zuvor Lück mit rechts flach in die linke, untere Ecke traf (18.). Wenige Minuten später gab es bei Temperaturen um 28 Grad eine kurze Trinkpause, die unserer Mannschaft gut tat, denn in der Folge trat sie wieder deutlich stabiler auf. Jordan Brown spielte von rechts hinten einen langen Ball nach vorne auf Jan Lüneburg, der sich im Zweikampf mit Daniel Aminzadeh durchsetzte und auf der rechten Seite plötzlich viel Raum und Zeit hatte. Er guckte, guckte, guckte – und fand Nils Brüning, der sich in Mittelstürmer-Position begeben hatte, vor Leon Mundhenk an den Ball kam und ihn über Grubba hinweg zum Ausgleich ins Netz beförderte (32.). „Wir können froh sein, dass wir mit 2:2 in die Pause gehen“, musste Martens ernüchtert feststellen, nachdem man die Drangphase des AFC überstanden hatte. „Wir haben keine gute erste Halbzeit gespielt.“

Zu Beginn der zweiten Hälfte legte unsere Mannschaft dagegen los wie die Feuerwehr: Nick Brisevac fand mit viel Auge die Lücke in der Altonaer Abwehr für Nathaniel Amamoo, der sich – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht einmal von Leon Mundhenk auf“halten“ ließ, sich kraftvoll durchsetzte, den Ball aus 14 Metern trotz sommerlicher Temperaturen eiskalt an Grubba vorbei zur erneuten Führung einschob und dies mit einem Flickflack zelebrierte (48.). Optisch schön war auch das 4:2: Ein doppelter Doppelpass von Nils Brüning und Jordan Brown endete bei unserem Kapitän, der von der rechten Seite kommend Hacker stehen ließ, bis an den Fünf-Meter-Raum marschierte und aus spitzem Winkel den Ball an Grubba vorbei im Netz unterbrachte (52.). Den Schlußpunkt setzte Nick Brisevac per Foulelfmeter gegen seinen ehemaligen Verein, nachdem Rico Bork im Laufduell mit Christian Rohweder zu Fall kam (62.).

Nur drei Minuten später eine Schrecksekunde für die Norderstedter: Der bis dahin immens spielfreudige Nathaniel Amamoo blieb ohne Gegnereinwirkung am Boden liegen. „Ich bin ganz komisch aufgekommen und dann hat es geknackt“, so der Pechvogel, der morgen erst einmal zum Arzt muss. „Wir müssen sehen, was das MRT ergibt. Wir gehen davon aus, dass er zumindest die nächsten beiden Spiele nicht dabei sein kann“, ergänzte Trainer Martens. Wir wünschen Nat gute Besserung! Komm schnell wieder!

Wer anhand des Spielberichtes nun denkt: „lockerer Sieg!“ – dem war mitnichten so. Denn während unsere Jungs es mit drei Toren Vorsprung etwas ruhiger angehen liessen, gab sich der Aufsteiger zu keine, Zeitpunkt auf, scheiterte jedoch immer wieder am glänzend aufgelegten Keeper Lars Huxsohl. „Das ist das erste Mal, dass ich so viel aufs Tor bekommen habe“, freute sich der Rückkehrer. „Selbst Holstein Kiel hatte weniger Chancen.“ Dies lag zum einen natürlich an den offensivfreudigen Gästen, zum anderen jedoch an dem Kernkritikpunkt, den unser Trainer heute ausmachte. „So chaotisch habe ich unsere Defensive noch nicht gesehen. Gegen Holstein Kiel machen die Jungs einen tollen Job und stehen sicher, davon waren sie heute ein stückweit entfernt. Wir haben Glück gehabt, dass Lars Huxsohl auch beim Stand von 5:2 noch zwei, drei Mal gut zugegriffen hat. Das hätte auch anders aussehen können.“ Zum Beispiel, als Marco Schultz direkt vor Huxsohl auftauchte, der Keeper aber entschlossen den Ausgleich verhinderte (53.). Auch gegen William Wachowski (69.), Christian Rohweder (72.) und einen Distanzkracher von Marco Schultz (88.) verdiente sich unsere Nummer 1 seine Rückennummer.

Altona-Trainer Berkan Algan zog nach der Partie in der Pressekonferenz sein Fazit: „Das ist vom Klang des Ergebnisses her recht deutlich, als ob man chancenlos war. Aber das war nicht so. Dass wir die Chancen so gut herausspielen, habe ich nicht erwartet. Vom Gefühl her hatten wir viele deutliche Gelegenheiten, aber sie nicht genutzt. Das ist ein Manko gewesen und war ausschlaggebend für die Niederlage“, während sein Gegenüber „jetzt total glücklich ist. Wir hatten uns einen Sieg vorgenommen und hart dafür gearbeitet. Dieses Ziel haben wir erreicht. Damit bin ich sehr zufrieden.“

Somit geht es für uns mit Rückenwind am Mittwoch zum Spiel beim Lüneburger SK Hansa, ehe bereits am nächsten Sonntag der Heider SV zu Gast in Norderstedt sein wird.

Unsere Mannschaft:
Huxsohl – Bork, Grau, Bojadgian, Brown (c) – Koch (75. Nyarko) – Amamoo (67. Kobert), Brisevac, von Knebel (81. Kummerfeld), Brüning – Lüneburg

Tore:
1:0 Hamajak Bojadgian (4., Vorlage: Nick Brisevac)
1:1 Marco Lück (15.)
1:2 William Wachowski (18.)
2:2 Nils Brüning (32.; Vorlage: Jan Lüneburg)
3:2 Nathaniel Amamoo (48., Vorlage: Nick Brisevac)
4:2 Jordan Brown (52., Vorlage: Nils Brüning)
5:2 Nick Brisevac (62., Foulelfmeter)

Gelbe Karte: Bojadgian (1), Lüneburg (1)

Zuschauer: 1.495