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Interview mit Jens Martens

Nachdem die Saison beendet ist, haben wir uns mit unserem Trainer Jens Martens zusammengesetzt und ihn zu den letzten Wochen und der weiteren Planung befragt.

EN: „Moin Jens, wie hast du -ergebnisunabhängig- die letzten Wochen mit der Doppelbelastung erlebt?“

JM: „Extrem intensiv. Aber positiv intensiv. Es war großartig, mit den Jungs zu arbeiten. Die Spieler haben uns sofort das Gefühl gegeben, dass sie empfänglich für Veränderungen sind. Deswegen hat die Arbeit viel Spaß gemacht.“

EN: „Was hast du gemacht, um die Köpfe der Jungs frei zu kriegen und so eine positive Stimmung reinzubringen?“

JM: „Da gibt es zwei Komponenten. A die Ansprache und B die Trainingsinhalte. In der Ansprache haben wir die Jungs immer wieder an ihre Stärken erinnert und sie -insbesondere vor den Spielen- extrem gepusht. Auf dem Trainingsplatz muss man Dinge vermitteln, die die Frustration abbauen und viele kleine Erfolgserlebnisse schaffen. Wir haben zum Beispiel mit wenigen Ballkontakten auf dem kleinen Feld gespielt, so dass da im Trainingsspiel nicht drei Tore gefallen sind, sondern 30. Jedes kleine Erfolgserlebnis bringt den Einzelspieler und in der Gesamtheit dann die Mannschaft weiter.“

EN: „Wie hast du diesen Spagat zwischen Herren und U19 meistern können?“

JM: „Wesentlicher Punkt war die Veränderung der Trainingszeit der Herren-Regionalliga-Mannschaft. Statt 19.30 Uhr trainieren wir jetzt um 18.00 Uhr. Diese organisatorische Veränderung ist auch bei den Spielern sehr gut angekommen und hat mir ermöglicht, erst das Training bei den Herren zu machen und im Anschluss um 19.30 Uhr das Training der U19. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Geschichte mit der U19 eingespielt ist und die Zusammenarbeit mit Co-Trainer Gökhan Yüksel hervorragend läuft. Die haben ohne mich das Aufwärmen gemacht, während ich hier noch Gespräche geführt habe und dann erst 19.45/19.50 Uhr dazu gekommen bin. Wobei ich gerade zum Schluss hin schon gemerkt habe, dass sich der Spannungsbogen bei mir verändert hat. Das war in dem Moment, als die U19 den Klassenerhalt sicher hatte und wir oben noch mittendrin steckten. Da merkt man schon, dass sich die Prioritäten ein wenig verschoben haben. Das haben meine U19-Jungs sicherlich auch gemerkt und sie haben es mitgetragen, dass ist ein bemerkenswert reflektiertes und vereinsloyales Verhalten – genau wie der Support beim entscheidenden Spiel in Egestorf!“

EN: „Jetzt stehst du vor einer weiteren Herkulesaufgabe: viele, teilweise langjährige, Spieler haben den Verein verlassen, ihr müsst eine mehr oder weniger völlig neue Mannschaft zusammenstellen. Mal unabhängig von Spielernamen: Ist so ein Wandel aus Trainersicht erst einmal gut, weil man alte Strukturen aufbrechen kann und es leichter ist, Veränderungen herbei zu führen? Oder macht es die Arbeit schwerer, wenn man viele neue Spieler zu einem Team formen muss?“

JM: „Ich mache da keinen Hehl draus, dass ich mit einigen Spielern gerne weiter gearbeitet hätte. Ich mache da aber niemandem einen Vorwurf. Wenn ein Spieler mit Anfang 20 ein Angebot von Holstein Kiel bekommt, in ein Nachwuchsleistungszentrum kommt und eventuell die Möglichkeit sieht, nochmal oben rein zu schnuppern, kann ich das keinem jungen, ehrgeizigen Sportler verdenken. Auch ein Ronny Marcos hat sich top eingesetzt, war vom Verhalten wirklich super und hätten wir gerne behalten. Aber wenn er irgendwo anders ein Vielfaches verdienen kann, können wir da nicht mithalten, da habe ich dann natürlich auch Verständnis für. Von daher stehen wir natürlich vor einem Umbruch. Aber, um darauf zurück zu kommen: Natürlich ist ein neues Team zusammen zu stellen auch eine Chance und eine Herausforderung, die wahnsinnig spannend ist und der ich mich sehr gerne stelle.“

EN: „Ihr musstest mehr oder weniger die halbe Mannschaft austauschen. Wie weit seid ihr in der Planung?“

JM: „Sehr viel weiter, als es bisher nach außen gedrungen ist. Wir, aber besonders Reenald Koch, waren sehr aktiv und haben nahezu die komplette Mannschaft zusammen. Auch wenn wir möglicherweise nach der schweren Verletzung von Jannik Mohr doch nochmal was Außerplanmäßiges machen müssen.“

EN: „Du wirst im Sommer zum ersten Mal eine komplette Vorbereitung mit den Jungs machen – was dürfen deine Spieler da erwarten?“

JM: „Sie werden leiden.“

EN: „Was erwartest du von deinem Team in der kommenden Saison, was dürfen die Zuschauer erwarten?“

JM: „Grundsätzlich bin ich erstmal ein Verfechter von Offensivfußball. Der kann aber nur auf einer sicheren, defensiven Basis funktionieren. Was mir am allerwichtigsten ist: Ich will, dass die Zuschauer das Gefühl haben, dass in der Mannschaft Leben ist, dass Begeisterung und Leidenschaft da sind. Wie beim Spiel gegen die U23 des FC St. Pauli, das war großartig. Wenn die Zuschauer dieses Gefühl haben, werden auch Fehler verziehen. Es darf keinen geben, der stehen bleibt und nicht mit zurück geht. Da werde ich fuchsteufelswild, das kann ich nicht ertragen. Die Leidenschaft am Spiel ist für mich eine Grundvoraussetzung. Der Zuschauer will genau das sehen. Und der, der auf dem Platz steht, muss wissen, dass das eine Grundbasis ist, um erfolgreich Fußball zu spielen. Die Begeisterung muss vom Platz nach draußen rüber springen.“

EN: „Wie sieht die Sommerplanung aus? Wann ist Trainingsauftakt, welche Testspiele sind geplant?“

JM: „Trainingsauftakt ist am 24.06. – unser erstes Testspiel bestreiten wir am 29.06. anlässlich des 20jährigen Jubiläums von Fetihspor Kaltenkirchen. Wir haben Testspiele mit Voran Ohe und BU vereinbart, zudem treten wir beim „Gody Cup“ des SC Victoria an. Vom 11. bis 14.07. sind wir in der Nähe von Celle. Olaf (Anm.: Teammanager Olaf Bösselmann) sucht hierfür aktuell nach zwei höherklassige Testspielgegner. Der letzte Härtetest findet gegen den SV Todesfelde statt, bevor es dann wieder losgeht.“

EN: „Vielen Dank, Jens, und gute Erholung in der Sommerpause!“