Herren

Der Abstiegskampf geht weiter

Es ist so bitter: Unsere Mannschaft hätte heute den scheidenden Marin Mandic und Johannes Höcker gebührend verabschieden und den Sack in Richtung Klassenerhalt quasi zu machen können, doch es sollte nicht sein: am Ende fehlten Durchschlagskraft und Glück, Hannover war zwei Mal absolut kaltschnäuzig und bestrafte uns, so dass es am Ende 2:0 für die U23 von Hannover 96 hieß.

96-Coach Christoph Dabrowski fasst die Partie in der Pressekonferenz kurz, aber präzise zusammen. „Es war ein sehr hartes Stück Arbeit. Norderstedt hat ein richtig gutes Spiel gemacht. Wir waren vorne in zwei Situationen vor dem Spiel kaltschnäuzig, das hat Norderstedt heute gefehlt.“

Zum ersten Mal waren die Hannovaner bereits nach sieben Minuten kaltschnäuzig. Hadzic drang auf der linken Seite in den Strafraum ein, setzte sich gegen Marcus Coffie durch, der noch zurückzog, um keinen Elfmeter zu riskieren, spielte den Ball zurück auf den Elfmeterpunkt, wo Justin Neiß den Ball noch in Ruhe annehmen konnte und rechts unten in die Ecke schob. Wie schon gegen St. Pauli verschliefen wir wieder einmal die Anfangsphase. Auch wie gegen St. Pauli übernahmen unsere Männer aber danach das Kommando über das Spiel, kamen aber gegen die starke Hannoveraner Defensive nur über Standards gefährlich vors Tor. Bis zur 25. Minute, als sich Vico Meien ein Herz fasste und einfach mal abzog. In der Mitte sprang der sehr einsatzfreudige Sinisa Veselinovic in den Ball und traf zum Ausgleich. Doch der Linienrichter spielte nicht mit: er hob die Fahne und entschied auf Abseits. Sicherlich eine knappe Entscheidung, aber keine richtige. Die Sporttotal.tv Bilder zeigen, dass sich Veselinovic mit zwei Hannoveranern auf gleicher Höhe befand und das Tor damit eigentlich korrekt war. Sehr schade für unsere Jungs, die sich weiter nach Leibeskräften bemühten, sich jedoch sehr schwer taten, zum Abschluß zu kommen. Die beste Möglichkeit zum Ausgleich hatte Nils Brüning, der sich gleich durch mehrere Hannoveraner hindurch dribbelte und aus 12 Metern zum Abschluß kam – Hannovers Marlon Sündermann kratzte den Ball gerade eben noch aus dem Winkel (31.).

In einer Kopie der ersten Halbzeit hatte 96 auch in Durchgang zwei den besseren Start – Hadzic setzte sich auf dem linken Flügel kraftvoll am Rande der Legalität gegen Juri Marxen durch, der liegen blieb (Jens Martens: „Wir haben hier ein Foul gesehen“). Hadzic hatte nun freie Bahn, legte ab auf den eingewechselten Tom Baller, der direkt vor Johannes Höcker an den Ball kam und zum 2:0 traf (55.). In der Folge hatten wir erneut mehr vom Spiel, konnten uns aber kaum hochkarätige Chance erarbeiten. Turbulent wurde es nach 77 Minuten. Hehne ging sehr rustikal in den Ball, spielte ganz wenig Ball und ganz viel Nils Brüning. Während der Hannoveraner darauf bestand, den Ball gespielt zu haben, sahen nicht wenige Zuschauer hier ein Foul, bei dem er noch Glück hatte, dass es bei der Verwarnung blieb. Diskussionsbedarf hatten nach dieser Situation auch Kevin Wolf und Ronny Marcos, die nur mit viel Mühe voneinander getrennt werden konnten und ebenfalls beide verwarnt wurden. Unsere Jungs fighteten bis zum Ende weiter. Jan Lüneburg traf per Kopf dsa Außennetz (83.) und zwang Sündermann zu einer Flugeinlage (86.). Kurz vor Schluß hatte Johann von Knebel noch eine sehr gute Möglichkeit – seinen Schuß von der Strafraumgrenze lenkte Sündermann zur Seite vor die Füße von Veselinovic, der den Ball zwar am Keeper vorbei brachte – Kevin Wolf klärte jedoch auf der Linie, erneut vor die Füße des aufmerksamen Veselinovic, der beim Versuch, erneut abzuschließen, vom eingewechselten Lars Ritzka abgeräumt wurde. Doch auch hier war das Glück nicht auf unserer Seite – statt des fälligen Elfmeters gab es Abstoss für Hannover (89.). Wahrscheinlich hätten wir heute auch noch zwei Stunden weiterspielen können, irgendwie war es vorm Tor der Gäste wie verhext, so dass wir trotz guter Leistung ohne Punkte bleiben. „Ich kann meiner Mannschaft überhaupt keinen Vorwurf machen“, sagte Jens Martens nach dem Spiel. „Wir haben bis zuletzt versucht, das Spiel zu drehen und eine gute Mentalität an den Tag gelegt. Wir hatten keine Abschlußglück oder, wie mein Kollege schon sagte, heute nicht die notwendige Kaltschnäuzigkeit.“

Warme Worte gab es auch von den Gästen. „Ich bin überzeugt davon, dass – wenn Norderstedt das von der Intensität, Einstellung und Bereitschaft so auf den Platz kriegt – sie den Klassenerhalt schaffen“, schloß Dabrowski sein Statement. „Das haben Sie heute hervorragend gemacht. Ich wünsche mir, dass wir uns nächstes Jahr an dieser Stelle wiedersehen. Aber davon gehe ich hundertprozentig aus.“ Das würden wir uns auch wünschen, vielen Dank für deine netten Worte, lieber Christoph Dabrowski.

Damit stehen wir in Barsinghausen am kommenden Sonntag vor einem echten Finale, wo von Klassenerhalt über Relegation bis zu direktem Abstieg alles möglich ist. Durchaus denkbar also, dass der vor dem Spiel stattgefundene Abschied von unseren langjährigen Leistungsträgern Johannes Höcker und Marin Mandic noch einmal aufgeschoben wird. In dem Fall allerdings dann mit einem Happy End.

Tore:
0:1 Justin Neiß (8.)
0:2 Tom Baller (55.)

Unser Team:
Höcker – Marcos, Mandic, Coffie, Marxen (68. Lüneburg) – Koch (c) (58. Brisevac) – Brüning, Meien, von Knebel, Büyükdemir (42. Brown) – Veselinovic

Zuschauer: 415

Gelbe Karte: Koch (6), Büyükdemir (5), Brown (4), Marcos (4)