Herren

Punktgewinn in Jeddeloh

In seiner Antrittsrede als Trainer zitierte Jens Martens Horst Hrubesch: „Ein einzelner Spieler kann nicht ohne das Team Fußball spielen. Aber das Team kann ohne den Einzelnen spielen.“ Mit diesen einfachen wie logischen Worten beschwor er den Teamgeist, den man im Abstiegskampf zwingend braucht. Und die Mannschaft gehorchte: Als Nils Brüning nach 37 Minuten zur verdienten Führung traf, lief der Schütze schnurstracks zur Bank, wo die gesamte Mannschaft mitsamt des Trainerstabs in einer großen Jubelwolke verschwand. So groß die Erleichterung, so groß die Freude. Dabei war der Treffer auch noch sehr schön herausgespielt: nach einem Einwurf drang Johann von Knebel nach Doppelpass mit Sinisa Veselinovic in den Strafraum der Jeddeloher ein und legte den Ball zurück auf den mitgelaufenen Nils Brüning, der den Ball aus sieben Metern an Keeper Bohe vorbei einschob (37.).

Leider vergaben wir kurz darauf die Riesenchance, auf 2:0 zu erhöhen, als Juri Marxen auf dem rechten Flügel Kubilay Büyükdemir anspielte, der den Ball gefährlich in die Mitte brachte. Dort verpassten mit Marxen, Brüning und Veselinovic jedoch gleich drei Spieler den Ball (42.). Stattdessen gelang erzielte Jeddeloh mit dem Pausenpfiff den Ausgleich. Büyükdemir setzte den Körper in den Augen des konsequent inkonsequenten Schiedsrichters ein wenig zu rustikal ein. Samide flankte den Freistoß nach innen, in der Mitte wurde es unübersichtlich, was Ghawilu zum Ausgleich nutzte (45.+1).

Es sollte die einzigen beiden Tore im Spiel bleiben, was unter dem Strich auch ein gerechtes Ergebnis war. Sah auch Co-Trainer Olufemi Smith so: „Die erste Halbzeit waren wir klar besser, in der zweiten Halbzeit war Jeddeloh die bessere Mannschaft. Von daher geht das 1:1 über 90 Minuten gesehen sicherlich in Ordnung.“ Zumal man sich – im Gegensatz zu den letzten Spielen – auch Torchancen herausarbeitete. Philipp Kochs Distanzschuss rauschte knapp über die Querlatte (5.), Nils Brüning zwang Felix Bohe zu einer sehenswerten Rettungstat (27.), auf der anderen Seite landete ein Kopfball von Thorsten Tönnies auf dem Tor (35.).

Auch die zweite Halbzeit war zeitweise sehr lebendig. Nachdem der sehr quirlige Kubilay Büyükdemir einmal mehr unsanft von den Beinen geholt wurde und der Schiedsrichter weiterspielen ließ, obwohl sowohl Schieds- als auch Linienrichter klare Sicht auf die Situation hatten und der Kontakt deutlich zu hören war, explodierte die Norderstedter Bank. Wenige Augenblicke später eilte Schiedsrichter Mewes, der zwar die Norderstedter Spieler und sogar ex-Trainer namentlich kannte, allerdings zu keiner Zeit im Verdacht stand, Fan unserer Mannschaft zu sein, zur Trainerbank und drohte an, dort aufzuräumen, wenn sich die Bank nicht beruhigt. Dabei hatte die Mannschaft auch fernab von dieser Szene durchaus Grund zur Aufregung. So zum Beispiel nach 16 Minuten, als Ghawilu noch auf den Ball ging, obwohl Höcker ihn schon sicher in der Hand hatte. Oder nach 25 Minuten, als Vico Meien an der Jeddeloher Strafraumkante über das ausgestreckte Bein von Michel Leon Hahn fiel. Nun kann man geteilter Meinung sein, ob es ein Foulspiel war oder ob Meien gezielt einfädelte, um das Foul zu ziehen – Sicherlich kann man hier auch weiterspielen lassen. Wie man das allerdings als Schwalbe interpretieren kann, wissen wohl nur der Jeddeloher Tickerer und Schiedsrichter Mewes, der Meien hierfür auch noch die gelbe Karte gab. Meiens fünfte, so dass er in Lüneburg zugucken muss. Zu Gute muss man dem Schiedsrichter wiederum halten, dass er Meien nicht später noch vom Platz stellte, als dessen Bein im Zweikampf mit einem Spieler der Gastgeber sehr hoch war – da hätte sich über Gelb/Rot sicherlich niemand beschweren dürfen. Unser Trainerteam reagierte sofort und brachte Nyarko für Meien (59.).

Fußball gespielt wurde natürlich auch in Halbzeit zwei. Dort hatten sich die Ammerländer allerdings deutlich besser auf unsere Mannschaft eingestellt und drängten nach einer Stunde auf die Führung. Für Fredehorst wurde, bedrängt von Bojadgian, der Winkel zu spitz, er traf nur das Außennetz (62.), Ghawilu zwang Höcker zu einer Glanzparade (64.), Bennert zielte knapp neben das Tor (66.). Nachdem Tönnies einen Kopfball nach Ecke von Samide hauchzart über das Tor setzte (75.), hatte der SSV sein Pulver verschossen, die letzten Minuten gehörten unserer Mannschaft. Nach einem groben Schnitzer im Aufbauspiel der Gäste antizipierte Veselinovic goldrichtig und hatte freie Bahn auf das Tor, wurde aber im letzten Moment stark von von Aschwege vom Ball getrennt (77.) Den letzten Versuch startete der aufgerückte Marcus Coffie: Sein Schuß aus 14 Metern ging einen guten Meter am Gehäuse vorbei (87.).

Trainer Jens Martens zeigte sich trotz des Unentschiedens zufrieden: „Die Jungs haben das kämpferisch sehr gut gemacht, die taktischen Vorgaben gut umgesetzt.“ Darauf wird das Trainerteam in der kommenden Woche aufbauen. „Wir wollen unbedingt am Freitag in Osdorf gewinnen und ins Pokalfinale einziehen und dann mit einem Erfolgserlebnis und einem guten Gefühl im Rücken am Montag nach Lüneburg fahren.“

Tore:
0:1 Nils Brüning (37., Vorlage: Johann von Knebel)
1:1 Kasra Ghawilu (45.+1)

Unser Team:
Höcker – Marcos, Bojadgian, Coffie, Marxen – Koch (c), Meien (59. Nyarko) – Brüning, von Knebel, Büyükdemir (74. Kummerfeld) – Veselinovic (80. Lüneburg)

Gelbe Karte:
Meien (5)

Zuschauer: 335