Herren

Neuneinhalb Norderstedter verlieren Derby

„Das ist ein Scheiß-Ergebnis, weil Leistung und Ergebnis absolut nicht zueinander passen!“, fasste Trainer Dirk Heyne seine Laune in deutliche Worte. Mit einer ebenso unnötigen wie unverdienten 1:2-Niederlage bei der U21 des HSV wird das Eis nach unten hin immer dünner. Dabei begann unsere Mannschaft, bei der zum ersten Mal in der Regionalliga Tjark Grundmann für den verletzten Johannes Höcker im Tor stand, denkbar gut. 28 Minuten lang ließ unsere Defensive den HSV nicht einmal tiefer in unsere Hälfte kommen und auch nach vorne sah das alles sehr vielversprechend aus: Nach einer Brüning-Flanke musste Patric Pfeiffer auf der Linie gegen einen Lüneburg-Kopfball retten, den Nachschuss setzte Brüning ans Außennetz (9.), Kubilay Büyükdemir vergab aus aussichtsreicher Position (12./25.), Marin Mandic köpfte einen Koch-Eckball knapp drüber (26.). Und der HSV? Ging mit der ersten halben Torchance in Führung. Aus gut 20 Metern hielt Manuel Wintzheimer einfach mal drauf – der Schuss wirkte gar nicht mal so gefährlich, setzte aber kurz vorm aufnahmebereiten Grundmann auf und änderte noch leicht seine Richtung – die Führung für die Hausherren (28.). „Auch wenn der Ball noch versprungen ist – da sehe ich scheiße aus, den muss ich auf meine Kappe nehmen“, sagte ein selbstkritischer Tjark Grundmann nach dem Spiel. Um so besser reagierte er zwei Minuten später, als er zunächst gegen Christian Stark und dann im Nachschuss gegen Sebastian Haut glänzend parierte (30.). Doch das war es auch schon fürs Erste mit der Hamburger Herrlichkeit, bis zur Halbzeit lief das Spiel nun weiter wie vor dem Führungstreffer des HSV. Nachdem Brüning noch verzog (31.) und von Knebels Schuss geblockt wurde (37.), rappelte es endlich im Karton. Der aufmerksame Ronny Marcos fing einen Hamburger Pass auf Höhe der Mittellinie ab und wurde per Doppelpass von Nils Brüning auf die Reise geschickt. Seine flache Hereingabe landete bei Johann von Knebel, der den Ball aus kürzester Distanz humorlos ins Tor drosch (39.). Mit etwas mehr Glück wären wir sogar mit einer Führung in die Pause gegangen, doch HSV-Keeper Morten Behrens blieb im 1:1-Duell Sieger gegen den erneut auffälligen Kubilay Büyükdemir.

Die zweite Halbzeit plätscherte erst einmal 25 Minuten vor sich hin. Wir hatten nach wie vor mehr vom Spiel, konnten uns aber keine großartigen Tormöglichkeiten heraus arbeiten, während unsere Defensive die Hamburger Angriffsbemühungen weiterhin gut im Griff hatte. Nach 70 Minuten hatte der HSV die erste Möglichkeit des zweiten Durchgangs, nachdem sich Christian Stark zunächst gut gegen Jordan Brown durchsetzte, dann allerdings aus sechs Metern Entfernung die Eckfahne anvisierte… das war der Beginn einer wilden Schlußphase. Grundmann rettete stark gegen Stark, der Nachschußversuch von Mohssen wurde geblockt ehe Marcos gegen Mats Köhlert rettete (71.).

Dann wurde es wild – der HSV wollte kontern, Mandic unterband den Konter mit einem rustikalen Einsteigen gegen Mats Köhlert direkt vor der HSV-Bank. Die Bank sprang auf, machte mächtig Alarm, Ersatzkeeper Schauer schubste Mandic… und Schiedsrichter Scheper schickte Mandic mit glatt Rot vom Feld (75.). Auch nach Ansicht der Videobilder bleibt die Frage nach dem „Warum?“ ungeklärt. „Es war sicherlich ein Foul und eine Gelbe Karte. Aber da sind noch sieben oder acht Leute zwischen Tor und Ball – zudem ist die Szene noch über 30 Meter vom Tor entfernt. Von daher ist die roten Karte für mich sicherlich überzogen“, ärgerte sich Dirk Heyne nach dem Spiel. HSV-Coach Weiß fühlte mit unserem Trainer: „Wenn ich der gegnerische Trainer wäre, hätte ich nich wahrscheinlich auch darüber aufgeregt.“

Wir reagierten, brachten nach Grundmann und Evans Nyarko, der in der Halbzeit für den früh gelb verwarnten Philipp Koch kam, mit Jan Novotny den dritten Debütanten, für ihn musste Vico Meien den Platz verlassen. In der Offensive ersetzte Mats Facklam Jan Lüneburg. Doch die numerische Ausgeglichenheit war schnell wieder hergestellt – Kusi Kwame unterband eine Kontersituation, indem er Büyükdemir foulte und mit der Ampelkarte vom Feld musste (83.). Doch das spielte uns leider nicht in die Karten: Kwarteng marschierte locker an unserer Abwehr vorbei, legte den Ball noch einmal quer auf Wintzheimer, der den Ball vom Elfmeterpunkt unhaltbar für Grundmann im Tor versenkte (85.). Zu allem Überfluß musste Jordan Brown nun längere Zeit behandelt werden, hätte eigentlich dringend vom Feld gemusst – doch da wir schon drei Mal gewechselt hatten, schleppte er sich bis zum Schlusspfiff durch. „Es war ein Spiel, in dem es extrem um die zweiten Bälle ging und wo wir einfach nichts gewonnen haben an Zweikämpfen. Dadurch kamen wir in die Bredouille – und dann haben wir teilweise auch noch in der letzten Linie Zweikämpfe verloren. Die haben es gut gemacht, wir hatten aber auch viele technische Fehler“ musste HSV-Coach Steffen Weiß gegenüber Fussifreunde eingestehen, dass es ein glücklicher Sieg für eine Elf war. „Es hätte auch deutlich anders aussehen können, wenn es schlecht gelaufen wäre. Das muss man fairerweise sagen.“

Auf Grund der ersten 60 Minuten muss man fest halten, dass hier für uns heute deutlich mehr drin war, wir aber unsere Überlegenheit nicht in Tore ummünzen konnten und daher ohne Punkte nach Hause müssen. Bitter: Neben Marin Mandic wird am Samstag gegen den TSV Havelse auch Philipp Koch nach der 5. Gelben Karte fehlen, zudem müssen wir mal abwarten, wie es um Jordan Brown (Hüfte) und Evans Nyarko (Zerrung) steht – gute Besserung, Jungs!

Tore:
1:0 Manuel Wintzheimer (28.)
1:1 Johann von Knebel (39., Vorlage: Ronny Marcos)
2:1 Manuel Wintzheimer (85.)

Unser Team:
Grundmann – Marcos, Mandic, Marcos, Brown (c) – Koch (46. Nyarko), Meien (78. Novotny) – Brüning, von Knebel, Büyükdemir – Lüneburg (78. Facklam)

Gelb: Koch (5), Meien (3)

Rot: Mandic (75., grobes Foulspiel)

Zuschauer: 420