Herren

Auswärtssieg in Unterzahl!

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Es war die 82. Minute, als unser sonst so besonnener Trainer Dirk Heyne aus der Haut fuhr und energisch beim Schiedsrichter dessen Entscheidungen hinterfragte. Und wer Dirk Heyne kennt, weiß: Der Mann wird nicht ohne Grund laut. 40 Minuten lief alles wie bei einen normalen Regionalliga-Spiel. Plötzlich zückte Schiedsrichter Steenken Rot gegen Philipp Koch. Was war passiert? Koch ging  drei, vier Meter in der gegnerischen Hälfte mit hohem Bein zum Ball, Egestorfs Joshua Siegert neben ihm. Und der Schiedsrichter zog glatt Rot gegen Koch, der bis dahin nicht einmal verwarnt wurde. Ungläubige Blicke im Rund des Egestorfer Stadions. Ungelogen: Ich bin in der Halbzeit von sechs verschiedenen Egestorfern (!) angesprochen worden, warum unser Spieler vom Platz geflogen sei, für sie war da nichts zu erkennen, maximal gelb für hohes Bein, wenn überhaupt. Möglicherweise hätte er ja den Schiedsrichter beleidigt, anders ließe sich das nicht erklären. Kurze Rücksprache gehalten mit den Ordnern, die etwa fünf, sechs Meter von der Situation weg standen: Unser Spieler hat den Egestorfer nicht getroffen, er hätte auch definitiv nichts gesagt, was zu einer roten Karte hätte führen können. Es war die dritte Rote Karte für Philipp Koch in dieser Saison, insgesamt der vierte Platzverweis für unser Team. Wovon genau ein einziger berechtigt war. Wahnsinn. „Die Rote Karte war für mich eine klare Fehlentscheidung“, ergriff sogar GEL-Trainer Jan Zimmermann Partei für Philipp Koch.

Bis dahin sahen wir ein ordentliches Spiel unserer Mannschaft, die die Partie weitestgehend im Griff hatte und nach 23 Minuten in Führung ging. Philipp Koch schlug einen Freistoß aus 35 Metern in den Strafraum, Linus Meyer kam auf Höhe des Elfmeterpunktes an den Ball und köpfte das Leder ins Tor der Gastgeber. Nur drei Minuten später die Chance, auf 2:0 zu erhöhen: Linus Meyer schickte Felix Drinkuth steil, der den Ball in den Rücken der Abwehr passte, doch Veselinovic trat über den Ball (26.). Von den Gastgebern bis dahin in der gefährlichen Zone der Norderstedter nicht viel zu sehen.

Nachdem man gegen Altona 93 nach dem Platzverweis für Jordan Brown in einer ähnlichen Situation steckte, fragten sich die Norderstedter Fans nun zurecht: Wie geht unsere Mannschaft dieses Mal mit der Situation 10 gegen 11 um? Die Antwort: deutlich besser. Linus Meyer legte auf für Dane Kummerfeld, dessen Schuss nur Zentimeter daneben ging (52.). Nach einer Stunde zog sich unsere Mannschaft mit den englischen Wochen in den Knochen zurück und überließ das Spielfeld den Gastgebern, die allerdings bis zur 68. Minute brauchten, um erstmals gefährlich vors Tor zu kommen. Sebastian Baar hatte eine gute Schußchance, Jordan Brown grätschte aber in den Ball und konnte rechtzeitig klären (68.). Im Gegenzug kam Linus Meyer zum Schuß, Straten-Wolf konnte den Ball nur abklatschen, im Nachsetzen dann aber klären. Nun nahm die Partie Fahrt auf – Dismer prüfte Höcker aus der Distanz, der mit den Fäusten parieren konnte (71.). Schikora kam nach Freistoß von Schumacher per Kopf an den Ball, Brown rettete auf der Linie (73.). Doch nach 80 Minuten war es passiert: Schumacher setzte sich auf der linken Seite durch, scheiterte zunächst noch an Höcker, der den kurzen Pfosten dicht machte, Stieler kam an den Ball, legte zurück auf Weydandt der aus acht Metern zum Ausgleich einschob.

Bis dahin war Schiedsrichter Steenken der auffälligste Mann auf dem Platz, machte sich mit so mancher Entscheidung keine Freunde bei den 22 Akteuren. In besagter 82. Minute riss dann sogar Dirk Heyne der Geduldsfaden. Irgendwo im Mittelfeld bekam Deran Toksöz aus einem halben Meter Entfernung den Ball an den Arm geschossen – und sah gelb für Handspiel. So mancher Norderstedter hoffte nun, dass man zumindest das Unentschieden über die Runden bringt, denn immer mehr geriet Höcki in den Mittelpunkt, der gleich mehrfach gegen die Gastgeber rettete. Nach einer weiteren zweifelhaften gelben Karte, dieses Mal gegen Egestorfs Stieler, kam Felix Drinkuth aus 32 Metern zu einer guten Freistoßaktion, der abgefälschte Ball landete aber Zentimeter neben dem Tor. Und dann kam Stevo. Der eingewechselte Steven Lindener, der bereits seinen Abschied zum Saisonende angekündigt hat, der sein bisher einziges Regionalliga-Tor im Februar 2015 (!) schoß, der sportlich momentan nicht über die Rolle des Jokers hinauskommt. Linus Meyer eroberte den Ball im Mittelfeld, spielte kurz zu Deran Toksöz, der mal wieder perfektes Timing hatte und Felix Drinkuth in Szene setzte. Felix ging bis zur Grundlinie runter und spielte in den Strafraum. Am Fünf-Meter-Raum verpasste Choi noch den Ball, doch am langen Pfosten grätschte Steven Lindener in den Ball und brachte ihm zum umjubelten 2:1 im Gehäuse unter. Kollektiver Jubel der gesamten Mannschaft, die sich inklusive Ersatzspieler und des hier äußerst sprintstarken Johannes Höcker auf Stevo stürzten. Doch noch war das Spiel nicht beendet, um ein Haar hätte es in der Nachspielzeit sogar noch den Ausgleich gegeben. Der starke Schumacher, der sich ein rassiges Duell mit Jordan Brown lieferte, setzte sich am 16 Meter Raum gegen Jordan durch und traf zum 2:2 – Schiedsrichter Steenken hatte die Situation jedoch bereits abgepfiffen, da sich Schumacher etwas zu vehement gegen unseren Rechtsverteidiger durchgesetzt haben soll. „Wir schießen in der 93. Minuten den Ausgleich“, so Zimmermann. „Ich weiß nicht, was man da pfeifen konnte. Das hat der Schiedsrichterleistung die Krone aufgesetzt.“

„Wir sind sehr, sehr zufrieden, dass wir hier in Unterzahl gewinnen konnten“, freute sich Heyne über den hart erarbeiteten Sieg unserer Mannschaft gegen alle Widrigkeiten. Dementsprechend kam auch ein Lob von GEL-Trainer Jan Zimmermann: „Wenn man die zweite Halbzeit mit zehn Mann spielen muss und eine englische Woche in den Knochen hat, ist das eine starke Leistung.“

 

1.FC Germania Egestorf-Langreder vs. FC Eintracht Norderstedt 1:2 (0:1)

Unsere Mannschaft:
Höcker – Rose (90. Bauman), Mandic (c), Coffie, Brown – Koch, Toksöz – Kummerfeld (63. Choi), Meyer, Drinkuth – Veselinovic (83. Lindener)

Tore:
0:1 Linus Meyer (24.; Vorlage: Philipp Koch)
1:1 Hendrik Weydandt (81.)
1:2 Steven Lindener (90., Vorlage: Felix Drinkuth)

Schiedsrichter: Jost Steenken (Nordjorn)

Rot: Koch (41., wg. Keine-Ahnung-Was-Der-Da-Gesehen-Hat)

Gelb: Toksöz (7), Mandic (4), Meyer (4)

Zuschauer: 150