Herren

Lüneburg bricht Wolfsburg-Fluch

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Die Vorzeichen standen vor dem heutigen Spiel gegen den VfL Wolfsburg ungünstig. Zum einen kam der Angstgegner nach Norderstedt – die Statistik von acht Spielen und acht Niederlagen gegen den VfL wird vor jedem Spiel gegen die Wölfe gerne zitiert. Zum anderen war die Mannschaft nach dem schwachen Auftritt in Drochtersen gefordert. Vom Rasen, der ein gepflegtes Fußballspiel nicht zuließ, mal ganz zu schweigen. Und unsere Mannschaft? Interessierte das drumherum nullkommagarnicht.

Das Team von Trainer Dirk Heyne, der Philipp Koch für Vico Meien und Juri Marxen für Marlon Stannis brachte, spielte von Beginn an ruhig und abgeklärt auf dem tiefen Rasen, kam aber vorne immer wieder zu Chancen. Allen voran durch den wieder starken Linus Meyer, der gleich drei mal vor dem Wolfsburger Tor an den Ball kam (6., 14., 23. Minute), allerdings den Ball nicht im Tor unterbekam. Die erste richtig gute Chance hatte Sinisa Veselinovic in der 32. Minute. Philipp Koch spielte einen ganz starken Ball auf die rechte Außenbahn, wo Jordan Brown durchstartete. Seinen Querpass in die Mitte erwischt Veselinovic mit der Fußspitze, bekommt den Ball aber nicht am Torwart vorbei. Diese Torchance war so ein bißchen der „Hallo-Wach-Effekt“ für die Gäste, die nun ihre Zurückhaltung ablegten. So kam Stutter in aussichtsreicher Position zum Schuß, doch Til Bauman warf sich in den Ball und konnte zur Ecke klären (35.). Drei Minuten später setzte sich Hanslik im Strafraum durch, kam aber nicht zum Abschluss, da Philipp Koch zur Ecke klären konnte (38.). Die größte Chance hatte dann Abdat, der mit einem scharf geschossene Freistoß aus 20 Metern dafür sorgte, dass sich Höcki ganz lang machen und den Ball mit den Fäusten abwehren musste (45.)

In der zweiten Halbzeit entwickelte sich trotz der Platzverhältnisse ein abwechselungsreiches und interessantes Spiel. Um ein Haar wären wir direkt nach Wiederanpfiff in Führung gegangen. Eckball von Koch, Kopfball Veselinovic, der Ball wird kurz vor der Torlinie abgeblockt, landet aber direkt vor den Füßen von Linus Meyer, der voll draufhält – auf der Linie steht ein Wolfsburger, der den Ball gerade noch abblocken kann. Oder war der Ball schon hinter der Linie? Schwer zu sagen, tendenziell aber wohl die richtige Entscheidung des Schiedsrichters, weiterspielen zu lassen (46.). Auf der anderen Seite verfehlt Jaeckel mit einem Kopfball nur knapp das Tor von Johannes Höcker (54.). In der 63. Minute verließ dann der bemühte, aber heute glücklose Sinisa Veselinovic das Feld, es kam Jan Lüneburg. Und der brannte. Kein kleines Lagerfeuer, der brannte richtig. Keine 60 Sekunden auf dem Feld schickte Lüneburg mit einem Doppelpass Linus Meyer auf die Reise. Der wird im Strafraum von Jaeckel gelegt – Elfmeter! Der gerade eingewechselte Lüneburg tritt an – Torhüter Klinger taucht ab und hält den Ball (66.)! Um ein Haar hätte es sich gerächt, denn fast im direkten Gegenzug schädelt VfL-Kapitän Stutter den Ball an die Latte, im Nachsetzen ist Höcki blitzschnell am Boden und hält den Ball, bevor die Wolfsburger unheil anrichten konnten (68.).

Hat eigentlich irgendjemand geglaubt, dass ein verschossener Elfmeter Lüne aus der Bahn wirft? Nicht wirklich, oder? Nur fünf Minuten später flankte Felix Drinkuth den Ball von der linken Seite auf Linus Meyer, der den Ball mit dem Rücken zum Tor auf den besser postierten Jan Lüneburg ablegte. Lüne zog aus 12 Metern humorlos ab und die Kugel landete unhaltbar im linken unteren Eck des Wolfsburger Tores. Was für eine Gefühlsexplosion bei unseren Mittelstürmer! Doch Wolfsburg gab sich noch nicht geschlagen, Hanslik versuchte es von der Strafraumgrenze – knapp drüber (76.). Bestes Beispiel für das Feuer in Jan Lüneburg in der Nachspielzeit: Mit gefühlten zehn Metern Rückstand sprintete er einem Wolfsburger Abwehrspieler hinterher, nahm ihm den kaum noch zu erreichenden Ball ab und spielte ihn dann quer in die Mitte zu Felix Drinkuth, der aber im starken Wolfsburger Keeper Niklas Klinger seinen Meister fand (90.+1). Andersrum klappt es besser. Weiter Abschlag von Höcki auf Felix Drinkuth, der die Linie runter marschierte und in der Mitte Jan Lüneburg sah. Querpass auf unseren Mittelstürmer, der den Ball kurz mit rechts annahm und dann mit links im Tor der Jungwölfe versenkte.

Danach war Schluss im nicht ganz ausverkauften EPS und die Spieler konnten sich nach einer starken Vorstellung von den Zuschauern den wohl verdienten Applaus abholen – allen voran natürlich Matchwinner Jan Lüneburg, der bislang eine nicht einfache Saison hinter sich hat und einmal mehr bewiesen hat, wie wichtig er für die Mannschaft ist und dass er immer da ist, wenn er gebraucht wird. Ein dickes Sonderlaub auch mal an unsere „Ersatz-Innenverteidigung“ Til Bauman und Marcus Coffie – die beiden wurden nach den Ausfällen von Marin Mandic und Hamajak Bojadgian ins kalte Wasser geworfen, machen da hinten drin einen Top-Job und sind nun im dritten von vier gemeinsamen Spielen in der Innenverteidigung ohne Gegentor geblieben. Respekt Jungs!

 

Spielbericht Fussifreunde Hamburg

 

Die Fakten zum Spiel

Eintracht Norderstedt vs. VfL Wolfsburg (U23) 2:0 (0:0)

Unsere Mannschaft:
Höcker – Rose, Bauman, Coffie, Marxen – Koch (c), Toksöz – Drinkuth, Meyer (88. Kunath), Brown (90. Zekjiri) – Veselinovic (63. Lüneburg)

Tore:
1:0 Jan Lüneburg (72., Vorlage: Linus Meyer)
2:0 Jan Lüneburg (90.; Vorlage: Felix Drinkuth)

Schiedsrichter: Marco Scharf (Altenwalde)

Gelb: Koch (3)

Zuschauer: 465